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Benedikt, der Reformer

Im Freiburger Konzerthaus warnte Papst Benedikt vor einer verweltlichten Kirche. Erzbischof Georg Gänswein erinnert sich – auch an die Kritik, die der Papst sich dabei einfing.
Konzerthaus Rede Papst Benedikt XVI.
Foto: Imago | Vor etwa1.500 geladenen Gästen aus Gesellschaft und Wissenschaft hielt Papst Benedikt XVI. im Konzerthaus Freiburg seine Rede.

Papst Benedikt XVI. hat in seiner „Freiburger Konzerthausrede“ am 25. September 2011 daran erinnert, dass die Kirche sich immer wieder „entweltlichen“ muss – „um wieder offen auf Gott hin zu werden“, wie er sagte. „Die Geschichte kommt der Kirche in gewisser Weise durch die verschiedenen Epochen der Säkularisierung zur Hilfe, die zu ihrer Läuterung und inneren Reform wesentlich beigetragen haben.“

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„Der christliche Glaube ist für den Menschen allezeit – und nicht erst in der unsrigen – ein Skandal“, wandte er sich weiter an die anwesenden Vertreter der deutschen Katholiken. „Dass der ewige Gott sich um uns Menschen kümmern, uns kennen soll, dass der Unfassbare zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort fassbar geworden sein soll, dass der Unsterbliche am Kreuz gelitten haben und gestorben sein soll, dass uns Sterblichen Auferstehung und Ewiges Leben verheißen ist – das zu glauben ist für die Menschen allemal eine Zumutung.“ Umso schlimmer sei es, dass dieser Skandal „leider gerade in jüngster Zeit überdeckt worden ist von den anderen schmerzlichen Skandalen der Verkünder des Glaubens“, so Benedikt.

Es geht um die Bekehrung des Herzens

In einigen katholischen Kreisen in Deutschland stieß die Rede auf Kritik, denn sie hatten sich von Benedikt mehr Modernisierung, Veränderungen in der Ökumene und Reformen, etwa hinsichtlich des Zölibats, gewünscht. Erzbischof Georg Gänswein, Papst Benedikt XVI. langjähriger Privatsekretär, erinnert sich gut daran – und an weitere Reformbestrebungen Benedikts. „Durch den Synodalen Weg haben die Strukturdebatten nochmal eine radikale Änderung bekommen. Doch es geht nicht um Struktur. Es geht um die Bekehrung des eigenen Herzens“, äußert Gänswein sich zu dem Thema.

Professor Christoph Ohly, Priester und Rektor der Kölner Hochschule für Katholische Theologie, leitet den jungen Ratzinger-Schülerkreis und erklärt, wie Ratzinger bestimmte Reformen auch juristisch verankern konnte. Beispielsweise hinterließ er das Motu proprio „Omnio in mente“, mit dem er einige rechtliche Fragen im Weiherecht und Eherecht geklärt hat. „Da liegt ein großes Potenzial für die Zukunft drin“, bewertet Ohly Benedikts Reformen.

Die Redaktion dankt Radio Vatican für die Bereitstellung der mitgeschnittenen Freiburger Konzerthausrede.

Dieser Podcast wurde von der Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI.-Stiftung in München gefördert.

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