Krakau

Merkel konnte nicht ahnen, dass Putin zum „Geisterfahrer“ wird  

Enge Bindung Deutschlands an Russland. Historiker Professor Arkadiusz Stempin bescheinigt Angela Merkel eine vernunftgesteuerte Außenpolitik.
Merkel bei Putin in Moskau
Foto: Pavel Golovkin (AP) | Merkel hat Deutschland und Europa an Russland gebunden, damit sich Russland nicht an China koppelt.

Im Interview mit der Tagespost geht der polnische Historiker Professor Arkadiusz Stempin von der Jozef-Tischner-Hochschule in Krakau auf die Rolle von Altbundeskanzlerin Angela Merkel hinsichtlich des Ukraine-Kriegs ein: „Merkel hat eine vernunftgesteuerte Außenpolitik gemacht. Sie hat stets versucht, Putin an Europa zu binden, damit er nicht nach China hin abdriftet. Leider ist es trotzdem passiert.“

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Abhängigkeit geschaffen

Auf die Frage, warum die Altbundeskanzlerin den Nord Stream-Deal ihres Amtsvorgängers Gerhard Schröder fortgesetzt und damit die Abhängigkeit gegenüber Russland auf dem Energie-Sektor zementiert habe, antwortet Stempin: „Man muss zwischen Nord Stream 1 und 2 unterscheiden. Nord Stream 1 hätte keine solche Energie-Abhängigkeit bewirkt, die Putin beim Angriff auf die Ukraine als Carte Blanche hätte dienen können. Bei Nord Stream 2 gab es Warnungen. Merkel hat dieses Projekt dennoch befürwortet, damit Putin nicht abdriftet. Im Nachhinein wissen wir: sie lag damit falsch.“

Dennoch könne man sie nicht mit Gerhard Schröder vergleichen. „Schröder ist nicht nur als Politiker, sondern auch als Mensch moralisch völlig desavouiert. Merkel hat sich niemals korrumpieren lassen. Als aktive Politikerin, aber auch jetzt im Ruhestand folgt sie allein politischen Prinzipien. Natürlich gibt es Image-Einbußen bei Merkel, aber was bedeutet das? Die öffentliche Meinung spiegelt in der Regel nicht Vernunftentscheidungen wider, sondern lediglich Emotionswellen.“ DT/mee

Der polnische Historiker Prof. Stempin über Russland, den Ukraine-Krieg und Angela Merkel. Lesen Sie den ganzen Text in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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