Es ist bemerkenswert, dass der Urvater der abendländischen Philosophie keine Lehrbücher geschrieben hat. Die Rede ist natürlich von Platon, der – im klaffenden Unterschied zu seinem Schüler Aristoteles – auf mehrbändige, paragraphierte Abhandlungen verzichtete und stattdessen Dialoge schrieb: Gespräche, die uns nicht nur Aussagen vor Augen stellen, sondern lebendige Menschengestalten. Es besteht kein Anlass, diese Methode zu belächeln und der strengen Aussagenlogik ein Monopol über die Wahrheit zuzusprechen: Gewiss kann man auf die Frage „Was ist Liebe?“ mit einer sachbuchartigen Definition korrekt antworten – doch wird man der Wahrheit dadurch nicht so nah kommen wie durch fünfzig Jahre Ehe.
Der Gleichgültige: Platons gefährlichste Figur
Nicht der Fanatiker ist der ultimative Gegenspieler, sondern der kühle Berufspolitiker. Eine erschreckend aktuelle Diagnose.
