Lourdes

„Wir setzen die Theologie des Leibes in die Tat um“

Ohne den Körper kann man die christliche Botschaft nicht in seiner Ganzheit verstehen, meint Jean-Marc Fournier, Direktor der internationalen Soldatenwallfahrt..
Militärwallfahrt in Lourdes
Foto: Franziska Harter | Ein diensthabender Kommandant inspiziert die Truppen: Als Militär kennt man die Rolle des Körpers gut, meint Wallfahrtsdirektor Jean-Marc Fournier.

Welche Bedeutung hat die internationale Soldatenwallfahrt gerade dieses Jahr?

Wir können es uns nicht leisten, auf den Frieden zu verzichten. Das war die grundlegende Einsicht der Gründer dieser Wallfahrt 1958. Der Mensch kann nicht ohne Frieden leben. Für uns Katholiken ist das die Botschaft von Weihnachten, von der Menschwerdung Christi. Das Ziel der Wallfahrt ist es, Militärangehörige aus aller Welt in Lourdes zu versammeln um gemeinsam für den Frieden zu arbeiten. Hier in Lourdes und durch das Militär zeigen wir, dass Frieden auch eine körperliche Dimension hat.

Was bedeutet das?

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Wir setzen die Theologie des Leibes von Papst Johannes Paul II. in die Tat um. Wenn das Herz der Frieden ist, dann sind die zwei Lungenflügel, die das Herz schlagen lassen, das Militär im aktiven Dienst und die Verletzten. Den Verletzten kommt auf dieser Wallfahrt ein besonderer Platz zu. Die amerikanische Delegation ist mit rund 100 Verletzten hier, wir Franzosen mit um die 50. An Leib und Seele Verletzte kommen nach Lourdes, um hier geheilt zu werden, durch das Wasser, durch die heilige Beichte. Im Militär zeigt sich hier die Kontinuität zwischen Aktiven und Invaliden, die an Leib und Seele verletzt wurden, für den Frieden.

„Theologie des Leibes“ assoziiert man ja eigentlich eher mit der Sexualität. 

"Die Theologie des Leibes bewahrt uns davor,
die göttliche Botschaft zu verengen
und alles Körperliche für schmutzig zu halten"

Aber nicht nur! Als Militär kennt man die Rolle des Körpers gut. Wenn nach stundenlangem Marsch die Füße explodieren, oder wenn man verwundet wird. Der Körper ist der Tempel des heiligen Geistes. Gott ist Mensch geworden, hat Fleisch angenommen. Die Theologie des Leibes bewahrt uns davor, die göttliche Botschaft zu verengen und alles Körperliche für schmutzig zu halten. Ohne den Körper kann man die christliche Botschaft nicht in seiner Ganzheit verstehen.

Spielt der Glaube im Leben Ihrer Soldaten wirklich eine Rolle?

Er spielt nicht nur wirklich eine Rolle, sondern er kann auch durch nichts anderes ersetzt werden! Der Beruf eines Soldaten ist der Tod. Das Militär ist dazu da, um Gewalt auszuüben, im Rahmen der internationalen Regeln und Verträge. Entweder gibt er den Tod, oder er empfängt den Tod, oder er muss mit dem Tod von Freunden und Kameraden leben. Die Beziehung zum Tod ist in einer säkularisierten Welt und mit einer atheistischen Perspektive schwierig. Das hat man während der Corona-Pandemie besonders gesehen. Die Idee des Todes und dass man nur jämmerliche 40, 50 Jahre zu leben hat und das alles ist, ist für viele der Horror. 

Wir haben die göttliche Tugend der Hoffnung. Und die sagt uns, dass wir hier auf Erden nur Pilger sind und unsere Heimat im Himmel ist. Aus der Perspektive des Soldaten heißt das, bereit zu sein für höhere Werte zu sterben. Das ist nie einfach, wie uns Christus in seiner Agonie zeigt. Da muss man sagen können: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. 

Was bedeutet das Motto der diesjährigen Soldatenwallfahrt „Sagt den Priestern…“?

Wir haben das diesjährige Motto des Heiligtums Lourdes übernommen.* (*Der gesamte Satz der Muttergottes an die heilige Bernadette lautet: „Sag den Priestern, dass man hier eine Kapelle bauen und in Prozessionen hierher ziehen soll.“ – Anm. d. Red.) Das Motto hat zwei Teile: „Sagt“. Jeder Christ ist Missionar und trägt die Botschaft des Evangeliums. „Den Priestern“. Um den Priestern etwas sagen zu können, braucht es erst einmal Priester. Hier kommen alle Gläubigen ins Spiel. Sind unsere katholischen Familien dazu bereit, ihre Kinder für das Priestertum herzugeben? Man beschwert sich oft, dass es keine Priester mehr gibt. Den Leuten antworte ich gerne: Dazu braucht es Kinder und Eltern, die diese Kinder katholisch erziehen!

Was hat dieses Motto mit den Soldaten zu tun?

"Gott hat den Priestern eine besondere Rolle
in der Kirche verliehen, und die Priester sind Männer.
Frauen haben ihre eigene Mission!"

Sagen, dass es Priester braucht, bedeutet auch, die Kirche als diejenige anzuerkennen, die uns den Weg zeigt. Unser moralisches Bewusstsein kommt nicht aus uns selbst. Das scheint mir übrigens das Gegenteil von dem zu sein, was gerade in Deutschland mit dem Synodalen Weg passiert. Gott hat den Priestern eine besondere Rolle in der Kirche verliehen, und die Priester sind Männer. Frauen haben ihre eigene Mission! Aber eben nicht, Priester zu sein. Das zeigt uns die heilige Bernadette. Sie respektierte die von Gott gewollte Ordnung. Ordnung in der Welt, in der Gesellschaft, in der Familie. Ordnung ist in der Definition des heiligen Augustinus ein Element des Friedens: die Ruhe der Ordnung! Ohne Ordnung, kein Frieden. Und äußerer Frieden ist ohne inneren Frieden nicht möglich. Frieden ist auch die Ordnung im Herzen des Menschen.

Kann die Kirche im Ukraine-Konflikt wirklich etwas tun?

Ja. Der Papst kann als moralische Autorität Dinge sagen, die sich sonst keiner erlauben kann. Und: Frieden zu stiften, wo Unordnung herrscht, hat eine geistliche Dimension. Die Unordnung kommt vom Satan. Und um gegen Satan zu kämpfen, braucht es die Kirche. Die Kirche ist der Leib Christi, als Gemeinschaft und in der Eucharistie. Und genau dafür braucht es auch die Priester. 

Lesen Sie weitere Berichte und eine ausführliche Reportage von der internationalen Soldatenwallfahrt in Lourdes in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

Themen & Autoren
Franziska Harter Evangelium Frieden und Friedenspolitik Jesus Christus Johannes Paul II. Priestertum Päpste

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