Wegen Impfskepsis?

Vatikan setzt Bischof aus Puerto Rico ab

Das vatikanische Presseamt gab die Entscheidung ohne Nennung der Gründe bekannt. Ausschlaggebend könnte seine Weigerung sein, einen Impfaufruf zu unterzeichnen.
Catedral de San Felipe Apóstol
Foto: UrayoanManuel at English Wikipedia/ (CC-BY-SA-3.0) | Kathedrale von Arecibo

Bischof Daniel Fernández Torres von Arecibo in Puerto Rico ist seines Bischofsamts enthoben worden, nachdem er sich geweigert hatte, Papst Franziskus seinen Rücktritt zu erklären. Das Presseamt des Heiligen Stuhls gab am Mittwoch bekannt, dass der Papst den 57-jährigen Bischof von der Seelsorge in seiner Diözese entbunden hat. Der Vatikan nannte keine Gründe für die Entscheidung.

Lesen Sie auch:

Keine Erklärung

In einem Abschiedsbrief „an das pilgernde Volk Gottes in der Diözese Arecibo“ schreibt Bischof Fernández Torres: „Ich möchte Sie wissen lassen, dass es mir nicht zusteht, Ihnen eine Entscheidung zu erklären, die ich mir selbst nicht erklären kann. Dennoch nehme ich sie zum Wohle der Kirche an. Es ist auch nicht an Ihnen darüber zu urteilen, worüber nur Gott und die Geschichte zu gegebener Zeit urteilen werden.“

In dem Brief bringt der abgesetzte Bischof sein Bedauern über den „mangelnden Gerechtigkeitssinn“ in einer Kirche zum Ausdruck, „in der so viel über Barmherzigkeit gepredigt wird“. Weiter heißt es in dem Brief: „Ich wurde weder strafrechtlich verfolgt noch förmlich angeklagt. Mir teilte der Apostolische Nuntius einfach mündlich mit, dass Rom mich zum Rücktritt auffordere.“ Es sei ihm kein Vergehen vorgeworfen worden, sondern dass er „angeblich ‚dem Papst nicht gehorsam gewesen sei und nicht ausreichend mit den Brüdern im Episkopat in Puerto Rico in Gemeinschaft gestanden habe’“.

Bischof Fernández Torres bringt ausdrücklich seine „Verbundenheit im katholischen Glauben, mit dem Papst und meinen Brüdern im Bischofsamt“ zum Ausdruck – „trotz meiner Ratlosigkeit angesichts einer unverständlichen Willkür.“ 

Nicht in Gemeinschaft

Laut dem katholischen Portal ACIprensa wird Bischof Fernández Torres vorgeworfen, „nicht in Gemeinschaft mit den anderen sechs Bischöfen von Puerto Rico zu stehen“. Dazu nennt es „mindestens zwei Gründe“, die für die Entscheidung des Vatikans ausschlaggebend gewesen seien. Einerseits „die anfängliche Weigerung des Bischofs von Arecibo, die Seminaristen seiner Diözese in das neue interdiözesane Seminar von Puerto Rico zu versetzen, das vom Vatikan Anfang März 2020 genehmigt wurde“. 

Andererseits habe er sich geweigert, eine Stellungnahme der puertoricanischen Bischofskonferenz zu unterzeichnen, in der es hieß: „Es besteht die Pflicht, sich impfen zu lassen; wir sehen nicht, wie man sich aus katholisch-moralischer Sicht auf eine Verweigerung aus Gewissensgründen berufen kann“. Am 17. August 2021 habe Bischof Fernández Torres vielmehr in einem Schreiben „das Recht der katholischen Gläubigen auf Verweigerung der Pflichtimpfung aus Gewissensgründen“ verteidigt: „Es ist legitim, dass ein gläubiger Katholik Zweifel an der Sicherheit und Wirksamkeit eines Impfstoffs hat. Was die Pharmaunternehmen oder die Arzneimittelzulassungsbehörden sagen, ist keineswegs ein Glaubensdogma.“

Impfung verweigert

Auf den Zusammenhang weist Héctor Aguer, emeritierter Erzbischof von La Plata, Argentinien in einem offenen Brief hin, in dem er schreibt: „Bischof Daniel Fernández Torres von Arecibo, Puerto Rico wurde abgesetzt, weil er gegen die vom Heiligen Stuhl auferlegte lächerliche ‚moralische Verpflichtung’ zum Impfen die Verweigerung aus Gewissensgründen verteidigte.“

Daniel Fernández Torres wurde 1964 in Chicago geboren und 1995, im Alter von 30 Jahren, zum Priester der Diözese Arecibo geweiht. Im Jahr 2007 ernannte ihn der emeritierte Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof der Erzdiözese San Juan de Puerto Rico. Drei Jahre später wurde er zum Bischof von Arecibo ernannt.

Zum Apostolischen Administrator der Diözese im Norden der Insel Puerto Rico ernannte Papst Franziskus Bischof Álvaro Corrada del Río, S.J., den emeritierten Bischof von Mayagüez im Westen Puerto Ricos.  DT/jga

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Die Lage in Nicaragua spitzt sich immer mehr zu: Das Regime von Staatspräsident Ortega beschuldigt die Kirche, an einem Putschversuch beteiligt gewesen zu sein.
25.08.2022, 17  Uhr
José García
Wie die Katholiken in der Sowjetunion unter Gorbatschow die Freiheit wiedererlangten: Letzter Teil einer Serie über die Situation der Katholiken in der Sowjetunion.
19.07.2022, 19  Uhr
Rudolf Grulich
Der Horror aus den russisch besetzten Gebieten der Ukraine erreicht mit den Flüchtlingsströmen auch die westukrainische Metropole Lemberg.
22.07.2022, 06  Uhr
Stephan Baier
Themen & Autoren
Meldung Bischofskonferenz Erzbischöfe Erzbistum Hamburg Papst Franziskus Päpste

Kirche

Nach bald 20 Jahren der Erneuerung ist die „Kirche im Gebirge“, die Diözese Innsbruck, an einem Punkt angekommen, wo die Verwirrung größer ist als die Vision.
02.10.2022, 15 Uhr
Martin Kolozs
Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Kirchenlehrer Franz von Sales (1567–1622) war Bischof von Genf und reformierte die Kirche, indem er die Menschen zum Gebet hinführte und geistliche Schriften verfasste.
01.10.2022, 19 Uhr
Uwe Michael Lang C.O.