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Corona: Ab Montag keine öffentlichen Gottesdienste mehr in Österreich

Kirchen- und Religionsvertreter verschärfen ihr Vorgehen nach Beratungen mit der Bundesregierung.
Coronavirus in Österreich: Keine öffentlichen Gottesdienste mehr
Foto: Herbert Neubauer (APA)

Ab Montag wird es in Österreich nahezu keine öffentlichen Gottesdienste mehr geben. Darauf einigten sich die Vertreter der anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften am Donnerstag mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der für Kultusangelegenheiten zuständigen Kanzleramtsministerin Susanne Raab (ÖVP), Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Bei einem Gespräch im Bundeskanzleramt in Wien wurden die Religionsvertreter über die jüngsten Erkenntnisse der Regierung zum Coronavirus aufgeklärt. Nicht nur öffentliche Gottesdienste und religiöse Versammlungen werden ab Montag in Österreich weitestgehend ausgesetzt. Auch kirchliche Familienfeiern, Taufen und Hochzeiten sollen verschoben werden.

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Gottesdienste ohne physische Anwesenheit der Gläubigen

Für die Erzdiözese Wien hat Kardinal Christoph Schönborn zudem Maßnahmen angeordnet, die dazu beitragen sollen, die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. So werden Gottesdienste ab Montag ohne physische Anwesenheit der Gläubigen stattfinden. „Versammlungen aller Art (in geschlossenen Räumen und im Freien) bedeuten ein hohes Übertragungsrisiko und sind bis auf weiteres abzusagen“, heißt es in der Verordnung des Wiener Erzbischofs. Die Priester werden aufgerufen, die Eucharistie weiterhin für die Gemeinde und für die Welt zu feiern.

Die Gläubigen sind eingeladen, über Medien wie Radio, Fernsehen und Onlinestream teilzunehmen. Feiern wie Taufen und Hochzeiten seien zu verschieben, Begräbnisse sollten nur im kleinsten Rahmen und nur am Grab stattfinden. Das Requiem oder andere liturgische Feiern im Zuge des Begräbnisses seien auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Schönborn ordnete für die Erzdiözese Wien an, dass die Kirchen zum persönlichen Gebet tagsüber offen zu halten sind.

Freitagsgebete in allen Moscheen ausgesetzt

Die Erzdiözese Wien empfiehlt darüber hinaus, Telefondienste in den Pfarreien einzurichten. Zudem sollen alle Möglichkeiten der sozialen Medien ausgeschöpft werden, um mit der Gemeinde in Kontakt zu bleiben. Der Parteienverkehr in Pfarrkanzleien solle sich nach Möglichkeit auf Telefonate und Email beschränken. In den Pfarreien soll zudem ein Krisenstab zur Umsetzung der Anordnungen eingerichtet werden.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hat bereits am Mittwoch entschieden, österreichweit die Freitagsgebete in allen Moscheen auszusetzen. Menschenmengen sollten vermieden werden, doch blieben die „Tore der Moscheen für die täglichen Gebete und die Seelsorge weiter geöffnet“, heißt es in einer Erklärung der IGGÖ. Begründung: „Gerade in Zeiten wie diesen brauchen die Menschen den seelsischen und spirituellen Zuspruch ganz besonders.“

DT/KAP/sba

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