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Anglikanisches Schisma

Die Church of England hat das Spaltpotential unterschätzt, das in der Frage der Homosexuellen-Segnungen liegt.
Erzbischof von Canterbury Justin Welby
Foto: IMAGO/Thomas Lohnes (www.imago-images.de) | Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, hat mit einem Schisma zu kämpfen. Aus Afrika kommt Widerstand gegen die von den Anglikanern ermöglichte Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Wer Grundsätze des Glaubens ändert, provoziert ein Schisma: Das aktuelle Fallbeispiel der Anglikanischen Gemeinschaft untermauert diese simple These, die auch den Katholiken zu denken geben sollte.

Anfang Februar hatte die Generalsynode der Church of England für die Einführung von Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt, die bereits zivil verheiratet sind. Gleichzeitig möchte die Church of England die kirchliche Eheschließung weiterhin einer Verbindung von Mann und Frau vorbehalten wissen. Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, freute sich, dass mit dieser Entscheidung „erstmals öffentlich, freudig und ohne Vorbehalte gleichgeschlechtliche Paare in der Kirche empfangen“ werden könnten. Als Primas der Church of England ist der Erzbischof von Canterbury der oberste geistliche Leiter der Anglikanischen Gemeinschaft. 

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Es brodelt

Nur eine Segnungsfeier also, keine Ehe. Welbys Enthusiasmus in allen Ehren, es handelt sich da nicht um ein Detail, das mit einer – legitimen, notwendigen, vom christlichen Glauben ganz und gar gebotenen – vorbehaltlosen Aufnahme homosexuell empfindender Menschen in der Kirche gleichzusetzen ist, sondern um eine Änderung einer grundlegenden Glaubenswahrheit. (Worin diese besteht, kann in aller Ausführlichkeit in der Klarstellung durch die (katholische) Glaubenskongregation vom 22. Februar 2021 nachgelesen werden, in der diese das Verbot von Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare bekräftigt hat.) Genau das ist dann auch einigen Gliedern der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft aufgefallen, die aus selbständigen Kirchen auf der ganzen Welt besteht. Dass es in dieser seit der Entscheidung der Church of England brodelt, ist eine gelinde Untertreibung. 

Die „Global South Fellowship of Anglikan Churches“ (GSFA), hat diese Woche der Church von England faktisch die Kirchengemeinschaft aufgekündigt. Die GSFA ist ein Verbund von 14 anglikanischen Provinzen vor allem aus Afrika und Amerika und repräsentiert nach eigenen Angaben 75 Prozent der Anglikaner weltweit. In einer diese Woche veröffentlichten Erklärung stellen die unterzeichnenden Bischöfe fest, die Church of England habe sich durch diese Neuerung vom von den Aposteln überlieferten Glauben entfernt, den „Weg der falschen Lehre eingeschlagen“ und „sich selbst von der Führung der Gemeinschaft als historische „Mutterkirche“ disqualifiziert“. Damit habe die Church of England beschlossen, „die Gemeinschaft mit denjenigen Provinzen zu brechen, die dem historischen biblischen Glauben treu bleiben“. Die GSFA sei „nicht mehr in der Lage, den derzeitigen Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, als den „Ersten unter Gleichen“ an der Spitze der weltweiten Gemeinschaft anzuerkennen“ und plant nun, die Führungsrolle in der Anglikanischen Gemeinschaft gemeinsam mit den anderen anglikanischen Kirchen der Welt neu zu organisieren.

Der Glaube der Apostel

Der Erzbischof von Canterbury ließ postwenden wissen, dass eine Neustrukturierung der Anglikanischen Gemeinschaft nur mit Zustimmung der „Instruments of Communion“ erfolgen könne, zu denen er selbst ebenso gehört wie der „Anglican Consultative Council“ und die weltweite „Lambeth Conference“. Was folgen wird, sind lange Verhandlungen rund um den Globus. Die Wortwahl des Statements der GSFA lässt aber wenig Zweifel daran, dass die Kirchengemeinschaft der Anglikaner dauerhaft zerbrochen ist.

Wohlgemerkt: Nicht die GSFA löst sich – nach eigenen Worten – aus dem Verband der Anglikanischen Kirchen heraus, sondern „exkommuniziert“ die Church of England. Nun behaupten bei einem Schisma ja gemeinhin immer beide Seiten, die „wahre“ Kirche zu sein. Wer aber in diesem Fall den Glauben der Apostel auf seiner Seite hat, ist eindeutig.

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Widerstand aus Afrika

Offensichtlich hat die Church of England das Spaltpotential weit unterschätzt, das in der Frage der Segnungen homosexueller Paare liegt. Dass Widerstand gerade aus Afrika kommt, war zu erwarten. Angesichts der Kriminalisierung von Homosexuellen in vielen afrikanischen Ländern hat sich auch Papst Franziskus bemüßigt gefühlt, im Rahmen seiner Kongoreise zu betonen, dass Homosexualität kein Verbrechen oder Vergehen ist und dass viel Nachholbedarf bei der Aufnahme homosexuell empfindender Personen in der Kirche besteht.

Gleichzeitig hält er daran fest, dass homosexuelle Praxis Sünde ist. Und folglich auch nicht gesegnet werden kann. Es handelt sich bei Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare eben nicht um eine Frage der Kirchendisziplin, sondern hier sind die Grundlagen des Glaubens berührt, die zu verändern keine Synode und kein Papst ein Recht hat. Wer daran rüttelt, muss damit rechnen, dass er aus anderen Teilen der Kirche zurechtgewiesen wird – mit Nachdruck und möglicherweise mit Konsequenzen. Das könnte auch der Kirche in Deutschland blühen.

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