Kurz bevor die Piusbrüder eigene Bischöfe weihen und damit eine Exkommunikation riskieren, hat Papst Leo XIV. einen erneuten Schritt unternommen, um die Gemeinschaft zum Einlenken zu bewegen. Am Dienstagabend sprach er laut einem Bericht der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Castel Gandolfo von einem „neuen Appell an die Lefebvrianer“. Er wolle ihnen „sagen, dass sie das nicht tun sollten; wir sollten versuchen, in der kirchlichen Gemeinschaft zu bleiben“. Es sei deren Entscheidung, aber man müsse sich klarmachen, was es für sie und für die Kirche bedeute. „Eine Spaltung ist für Christen immer schmerzhaft.“
Um in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu bleiben, müssten die Piusbrüder, so der Papst weiter, das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) akzeptieren. Sie würden sich weigern, „einige fundamentale Elemente der Kirche zu akzeptieren, angefangen mit mehreren Punkten des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das finde ich schade, aber wir müssen unseren Weg fortsetzen“. Die Gemeinschaft lehnt unter anderem die Öffnung der katholischen Kirche gegenüber anderen christlichen Kirchen sowie nichtchristlichen Religionen ab und geht seitdem eigene Wege.
Alle Gespräche zur Wiedereingliederung blieben ergebnislos
Die Piusbruderschaft hatte am 2. Februar angekündigt, am 1. Juli ohne päpstliche Erlaubnis Bischöfe weihen zu wollen. Nach geltendem Kirchenrecht würden sie sich damit selbst von der katholischen Kirche abspalten und exkommunizieren. Damit würde sich wiederholen, was bereits 1988 unter Johannes Paul II. geschehen ist: Am 30. Juni 1988 weihte der Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre in Écône vier Priester zu Bischöfen – obwohl Johannes Paul II. dies ausdrücklich verboten hatte. Schon am darauffolgenden Tag stellte die zuständige Kongregation die Exkommunikation fest. Johannes Paul II. erklärte die Betreffenden – den weihenden Erzbischof Marcel Lefebvre, den mitkonsekrierenden Bischof Antônio de Castro Mayer sowie die vier neugeweihten Bischöfe – am 2. Juli 1988 formell für exkommuniziert.
Benedikt XVI. hatte die Exkommunikation 2009 wieder aufgehoben – als Akt väterlicher Barmherzigkeit und Geste zur Überwindung der Kirchenspaltung. Die Bischöfe blieben jedoch weiterhin von ihren Ämtern suspendiert. Benedikt wollte verhindern, dass sich die Bruderschaft mit ihren Hunderttausenden Gläubigen dauerhaft von der römisch-katholischen Kirche entfremdet, und setzte auf Gespräche zu einer Wiedereingliederung. Diese blieben jedoch bis heute ergebnislos.
Die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. arbeitet auf Spendenbasis und wurde 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991) gegründet. Eigenen Angaben zufolge zählt sie etwa 700 Priester weltweit. Ihren internationalen Sitz hat die Gemeinschaft in Menzingen im Schweizer Kanton Zug. Ein Merkmal ist, dass sie konsequent an der vorkonziliaren Gottesdienstform festhält. DT/dsc










