Nein, es geht nicht um die emotionale Zumutung, auf sozialen Plattformen mit Kritik oder Widerspruch konfrontiert zu werden. Wenn Österreichs Innenministerium von „Hate Crime“ (Hassverbrechen) spricht, sind konkrete Straftaten im Zusammenhang mit einem Vorurteilsmotiv gemeint. Vorurteile alleine fallen weiter unter die Meinungs- und Gewissensfreiheit, doch daraus resultierende Straftaten gegen Leib und Leben, fremdes Eigentum, die Freiheit anderer oder den öffentlichen Frieden hat das Innenministerium in seinem am Montag veröffentlichten Lagebericht für das Jahr 2025 insgesamt 6 751 erfasst.
Die meisten davon (und zwar eine steigende Zahl) betreffen die Weltanschauung (4 009), recht viele die ethnische Herkunft (1 523), immerhin noch 696 die Religion (im Vergleich zu 763 im Jahr 2024), signifikant weniger die sexuelle Orientierung (330), die Hautfarbe (288), das Geschlecht (172), das Alter (107), eine Behinderung (104) oder den sozialen Status (98). Wenig überraschend mag sein, dass Hasskriminalität männlich ist (zu 86 Prozent), dass sie jünger und digitaler wird. Der häufigste Tatort ist das Internet, wo ja auch bei sonst verhaltensunauffälligen Zeitgenossen häufiger die Hemmungen fallen. Aufhorchen lässt das Ministerium mit der Feststellung, dass nur 28 Prozent der Taatverdächtigen keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, im Vergleich zu 48 Prozent bei sonstigen Straftaten.
Mehr muslimfeindlich motivierte Verbrechen in Österreich
Das gewinnt noch an Brisanz, wenn man sich die religionsfeindlich motivierten Hassverbrechen ansieht: Während 2023 und 2024 antisemitische Hassverbrechen, zu denen auch das Gutheißen terroristischer Straftaten und Verstöße gegen das Verbotsgesetz (Holocaustleugnung und NS-Propaganda) zählen, dominierten, ereigneten sich 2025 mehr muslimfeindlich motivierte Verbrechen in Österreich, darunter Körperverletzungen, gefährliche Drohungen und Sachbeschädigungen. Antimuslimische und antisemitische Hassverbrechen nehmen in der Kategorie „Religion“ jeweils ein Drittel ein, christenfeindliche Straftaten ein Fünftel.
Das beruhigt niemanden, der mit gefährlichen Drohungen oder Körperverletzungen, mit Vandalismus oder Diebstahl konfrontiert ist. Wenn angegriffen wird, was uns heilig ist, reagieren wir mit Recht besonders verletzlich. Zu beleidigen, zu schänden, zu stehlen (etwa Reliquien des heiligen Severin und eine Jesusfigur aus der Krippe) oder zu zerstören, was Menschen heilig ist, ist stets ein Anschlag auf die Würde dieser Gläubigen. In diesem Bereich gab es im Vorjahr 556 Tatverdächtige; bei den antimuslimischen und antisemitischen Straftaten hatte die Mehrheit der Täter die österreichische Staatsbürgerschaft, bei den christenfeindlichen Hassverbrechen jedoch nicht. Hier waren 57 Prozent „Fremde“ und im Durchschnitt deutlich jünger als die übrigen Straftäter.
Christen dürfen, ja sollen hochsensibel reagieren, wenn ihre Kirchen verwüstet und ihr Glaube verspottet werden. Mit Blick auf die Würde jedes Menschen dürfen und sollen sie nicht weniger sensibel reagieren, wenn Juden lautstark die Internierung in Konzentrationslager gewünscht wird oder Muslimas vulgär beschimpft werden. All das gehört nicht zum österreichischen Alltag, kommt aber vor. Wo immer Christen selbst zu Opfern werden, darf nicht fehlen, was die Pfarrei von Medjugorje am Dienstag den Gläubigen ans Herz legte, nachdem Madonnenstatuen verunstaltet wurden und der Außenaltar angezündet worden war: „Wir beten für die Umkehr der Herzen derer, die diese Tat begangen haben, dass der Herr sie mit seiner Gnade berühre und sie auf den Weg des Guten führe.“ Hass mit Hass zu beantworten, ist jedenfalls keine christliche Option.
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