Paukenschlag bei Synodalversammlung

Es hätte nie so weit kommen dürfen

Das Ergebnis des ersten Sitzungstages ist auch für lehramtstreue Katholiken kein echter Sieg. Auf dem Synodalen Weg verlieren alle. Ein Kommentar.
Vierte Synodalversammlung des Synodalen Weges - Tag 1
Foto: Maximilian von Lachner (Synodaler Weg / Maximilian von L) | Hat es den Bischöfen an Weitsicht gefehlt? Ist ihnen erst im Laufe des Prozesses aufgegangen, mit welcher Radikalität eine Mehrheit der Synodalversammlung an den Grundfesten des katholischen Glaubens rüttelt?

Was ist da gerade passiert? Das fragen die fassungslosen Gesichter der Synodalen. Langsam tröpfelt die Erkenntnis durch, die sich trotz zahlreicher Vorzeichen noch nicht so recht durchsetzen wollte: Der Synodale Weg, so wie er von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf die Beine gestellt wurde, ist gescheitert.

Der Grundtext des Synodalforums IV, der eine neue katholische Sexualethik eingeläutet hätte, hat die Zweidrittelmehrheit der deutschen Bischöfe verfehlt. Diese wäre – neben der Zweidrittelmehrheit der Synodalversammlung – für eine Annahme des Textes nötig gewesen. In lehramtstreuen Kreisen ist man im ersten Moment versucht, die Champagnerkorken knallen zu lassen. Dann überwiegt aber auch hier die Ernüchterung. Das ist kein Sieg. Auch kein Teilsieg. Es hätte niemals so weit kommen dürfen. 

Die Hirten müssen Mut zur Wahrheit haben

Das Synodalpräsidium zog sich nach Verkündigung des Ergebnisses zu einer Abstimmung hinter geschlossenen Türen zurück, bevor es die Abstimmung als gültig und satzungsgemäß anerkennen musste. Als Bischof Bätzing spricht, kann man ihm eigentlich nur zustimmen: Aus den Debatten war nicht zu erkennen, wie die Mehrheiten sein würden. Irme Stetter-Karp legt noch eins drauf: Sie sei enttäuscht, dass Bischöfe, die so große Verantwortung tragen, nicht dazu bereit sind, offen zu ihrer Meinung zu stehen.

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Genau darin liegt die Tragik des heutigen Tages. Nur wenige der 21 Bischöfe, die gegen den Text gestimmt haben, haben sich in den Auseinandersetzungen der letzten Monate öffentlich zu Wort gemeldet. Bischöfe sind Zeugen Christi und Mitarbeiter der Wahrheit. Gläubige dürfen mit Fug und Recht erwarten, dass ihre Hirten den nötigen Mut haben, auch für nicht mehrheitsfähige Glaubensinhalte einzustehen.

Tatsächlich war in der Synodalversammlung der Druck auf Minderheiten von Anfang an sehr groß. Wer mutig zur Lehre der Kirche stand, wurde nicht selten mit offenem Spott, Ablehnung und Verachtung übergossen. Es ist leicht nachzuvollziehen, wie schwer es sein muss, in solchen Situationen zu einer unliebsamen Position zu stehen. Einzelne mutige Laien und Bischöfe haben aber genau das getan. Keiner wäre mit seiner Meinung ganz alleine dagestanden. Für einfache Gläubige ist das Schweigen ihrer Hirten auch deswegen enttäuschend, weil sie selbst in ihrem täglichen Leben immer wieder mit Situationen konfrontiert sind, in denen sie ihre katholischen Positionen gegen eine Mehrheit Andersdenkender verteidigen müssen. Sie wissen genau, wie unangenehm das ist. Warum sollte es den Hirten besser gehen als der Herde?

Hat es den Bischöfen an Weitsicht gefehlt?

Eine zweite Überlegung drängt sich mit Blick auf das Abstimmungsergebnis auf: Hat es den Bischöfen an Weitsicht gefehlt? Ist ihnen erst im Laufe des Prozesses aufgegangen, mit welcher Radikalität eine Mehrheit der Synodalversammlung an den Grundfesten des katholischen Glaubens rüttelt? Dass ein Bruch mit der Lehre der Kirche kurz bevorsteht? Die Reißleine ziehen sie nur wenige Zentimeter vor dem Abgrund. 

Dabei hätte es niemals so weit kommen dürfen, dass eine selbst ernannte Synodalversammlung sich für legitimiert hält, demokratisch über zentrale Inhalte des katholischen Glaubens abzustimmen. Immerhin haben die Bischöfe über die Zweidrittel-Regelung einen Notschalter in die Satzung eingebaut, der im letzten Moment greifen konnte. Man mag darüber erleichtert sein, auch wenn es kein Grund zur Freude ist, dass 33 Bischöfe für einen Text gestimmt haben, der mit dem christlichen Menschenbild bricht.

Es passiert jetzt genau das, was viele schon seit Langem vorhersahen: Das falsche Spiel mit den falschen Hoffnungen hat ein Ende. Die liberalen Erwartungen sind jedoch mittlerweile ins Unendliche gewachsen, sodass die synodale Bruchlandung nun von bodenloser Frustration begleitet ist. Alle, die von systemischem Machtmissbrauch durch Bischöfe besessen sind, dürfen sich nun bestätigt fühlen.  

"Fehlende Synodalität" zu unterstellen ist naiv

Dementsprechend hoch ist die Fassungslosigkeit seitens der großen Mehrheit der Synodalen. Es kann allerdings nur als naiv bezeichnet werden, wenn sie den Bischöfen, die sich für ein Verbleiben in der katholischen Kirche ausgesprochen haben, nun „fehlende Synodalität“ unterstellen. Denn entgegen allen geduldigen Mahnungen von Papst Franziskus ist der Synodale Weg alles, nur nicht eins: synodal. 

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Eine synodale Kirche ist eine Kirche, deren Mitglieder aufeinander und auf den Heiligen Geist hören – auf der Grundlage von Bibel, Lehramt und Tradition. Eine synodale Kirche ist keine demokratische Veranstaltung, in denen Andersdenkende in bester Parteimanier ausgebuht und unter Druck gesetzt werden. Wer wirklich glaubt, der Synodale Weg sei synodal, der hat mit größter Konsequenz alles überhört, was Franziskus seit drei Jahren zu Synodalität gesagt hat.

Wie hätte es anders aussehen können? Der Synodale Weg hätte in dieser Form niemals begonnen werden dürfen. Auch dann hätten die Bischöfe für „fehlende Dialogbereitschaft“ Prügel eingesteckt, sie hätten dabei aber nicht den letzten Rest ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt.

Was es jetzt braucht

Es muss nun eine grundlegende Auseinandersetzung innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz erfolgen. Dass nun eine Korrektur des Synodalen Weges hin zu einer echten Synodalität erfolgen wird, ist unwahrscheinlich. Unwahrscheinlich ist auch, dass nun die große Rückbewegung hin zu einer Wiederentdeckung der Theologie des Leibes erfolgt.

Im Gegenteil: Unter dem Stichwort „Orthopraxie“ ist bereits klargeworden, was jetzt passiert: Nicht nur werden einzelne Inhalte des Grundtextes zerkleinert in verschiedene „Handlungstexte“ wieder Eingang in die Synodalversammlung finden. Auch werden in einzelnen Bistümern in Bezug auf einzelne Elemente wie kirchliche Segensfeiern für homosexuelle Paare und die Einstellung queerer Religionslehrer einfach Fakten geschaffen werden. Der Flickenteppich der Kirche in Deutschland wird in Zukunft noch bunter. Rosige Aussichten sind das nicht. 

Lesen Sie ausführliche Hintergründe, Berichte und Analysen zur vierten Synodalversammlung in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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