Als „Mensch der Wertschätzung, offen, zugewandt“, beschreibt Bernhard Meuser, der Gründer von Youcat und der Initiative „Neuer Anfang“, den Heiligen Vater. Meuser muss es wissen, denn er hatte gemeinsam mit Martin Brüske (Neuer Anfang) und „Tagespost“-Chefredakteurin Franziska Harter am Mittwoch die große Freude, Papst Leo XIV. persönlich zu begegnen. In einer 20-minütigen Privataudienz empfing der römische Pontifex Brüske, Harter und Meuser kurz vor der ersten Generalaudienz des Jahres.
Die Begegnung mit Papst Leo fassen Brüske und Meuser so zusammen: „Alles was hier und da über den Papst geschrieben wurde, was man gehört hat, stimmt. Er ist ein Mensch der Wertschätzung, offen, zugewandt. In kürzester Zeit ist man auf einer menschlichen Ebene, auf der man offen reden kann. Er hört genau zu, ergänzt aus eigener Erfahrung und scheut sich nicht vor Urteilen, das Ganze in amerikanischer Direktheit.“
Papst: „Ich teile eure Sorgen"
Dabei habe man zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er sich vereinnahmen lasse oder sich in verletzende Einschätzungen begebe. „Er hat eine Weite des Denkens, die etwas Versöhnendes hat und auch die mitnehmen möchte, die er mit Sorge betrachtet. Wir haben vieles aus Deutschland vorgetragen, was ihn erschüttert hat, und es hat uns sehr bewegt, dass der Papst sagte: ,Ja, … ich teile eure Sorgen‘.“

Im Mittelpunkt der Begegnung stand die Übergabe eines 20 Seiten langen Dokuments, das ausgewählte Stimmen katholischer Gläubiger aus Deutschland bündelt. Die Beiträge stammen aus einer Aktion unter dem Motto „Schreibt dem Papst!“, zu der die Initiative „Neuer Anfang“ und die „Tagespost“ im Vorfeld der Pilgerreise aufgerufen hatten. Die große Resonanz überraschte selbst die Initiatoren: „Eine Flut von Briefen“, so Bernhard Meuser, bringe Dankbarkeit für den Glauben, Verbundenheit mit der Kirche, aber auch tiefe Sorge über die Entwicklung der katholischen Kirche in Deutschland zum Ausdruck.
Auch Franziska Harter war tief beeindruckt von Papst Leo: „Es war mir wichtig, gegenüber dem Heiligen Vater die Stimmen gerade der jungen Katholiken zu Gehör zu bringen, die für Evangelisierung brennen und den Weg, den ein Großteil der deutschen Bischöfe mit dem Synodalen Weg geht, mit tiefer Besorgnis sehen.“
Einblick in die geistliche Lage vieler Gläubiger
Das Dokument, das Meuser, Brüske und Harter Papst Leo überreichten, gibt Einblick in die geistliche Lage vieler Gläubiger, die sich von der offiziellen Kirche in Deutschland – insbesondere im Kontext des Synodalen Weges – nicht mehr gehört fühlen. Die Stimmen eint eine tiefe Liebe zur Kirche, Loyalität zu ihrer Lehre und Tradition sowie der Wunsch nach Erneuerung aus dem Evangelium heraus. Zugleich artikulieren sie eine wachsende Entfremdung von kirchlichen Reformansätzen, die primär auf strukturelle, parlamentarische und kulturelle Anpassung setzen.
Weiter schildert Harter: „Der Heilige Vater hat uns liebevoll und mit großer Aufmerksamkeit zugehört und uns eine kleine Botschaft an die Mitglieder des Neuen Anfangs, die Leser der Tagespost und alle gläubigen Katholiken in Deutschland mitgegeben: ‚Stellt Jesus Christus ins Zentrum! Das war meine Botschaft vom ersten Tag an. Wir wollen uns gemeinsam bemühen, missionarische Jünger Christi zu sein.‘ Papst Leo XIV. erinnerte --- daran, dass es im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder Laien gewesen seien, die das Leben der Kirche in einem Land gerettet hätten und sagte uns dann: ,Ihr könnt die Zukunft sein, mit der die Kirche vorwärts geht!‘ - Diesen Satz des Heiligen Vaters werde ich mir merken. Es stimme ihn hoffnungsvoll, dass es Initiativen wie den Neuen Anfang und Publikationen wie Die Tagespost und Youcat gebe, die – so der Heilige Vater – einen echten Unterschied machen können“.
Im Begleittext zu den Briefen schreiben „Neuer Anfang“ und „Tagespost“: „Es sind keine extremen oder randständigen Positionen, die hier zu Wort kommen.“ Vielmehr handele es sich um die breite kirchliche Mitte: Gläubige, die sich eine geistlich fundierte Erneuerung wünschen, echte Synodalität im Hören auf den Heiligen Geist und eine Kirche der Jünger, wie sie Evangelii gaudium beschreibt.
Gläubige in geistiger Not nicht allein lassen
In der Privataudienz baten Harter, Brüske und Meuser Papst Leo ausdrücklich, die Stimmen dieser Gläubigen wahrzunehmen und sie in ihrer geistlichen Not nicht allein zu lassen. Der Papst hatte bereits zu Beginn seines Pontifikats betont, dass die Stimmen der Ungehörten gehört werden müssen. „Als Chefredakteurin hat es mich besonders gefreut, dass Papst Leo sagte, es sei sehr wichtig, dass eine Stimme wie die Tagespost weiterhin gehört werde“, so Harter.
Die Begegnung in Rom verstehen die „Tagespost“ und die Initiative „Neuer Anfang“ als Zeichen der Hoffnung – und als Ermutigung für jene Katholiken in Deutschland, die ihrer Kirche trotz aller Spannungen treu bleiben und sich eine Erneuerung aus ihrem geistlichen Zentrum wünschen. Die etwa 100-köpfige Pilgergruppe vom „Neuen Anfang“ und der „Tagespost“ ist noch bis Donnerstag in Rom.
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