Köln

„Weite und Tiefe des Glaubens“

Regens Salvador Pane Dominguez vom Priesterseminar Redemptoris Mater Köln ist zuversichtlich, dass die Kölner Hochschule für Katholische Theologie Zukunft hat.
Salvador Pane Dominguez
Foto: Erzbistum Köln | Salvador Pane Dominguez, Regens vom Priesterseminar Redemptoris Mater Köln, ist sich sicher dass die KHKT den Priesterkandidaten einen verlässlichen Einblick in die Vernunft und in die Schönheit des Glaubens gibt.

Herr Regens, der Kölner Diözesanrat fordert die Auflösung der Kölner Hochschule für Katholische Theologie. Wie sehen Sie das?

Es ist nachvollziehbar, dass in einer solch schwerwiegenden Frage wie die der dauerhaften Existenz einer theologischen Hochschule im Erzbistum verschiedene Meinungen herrschen. Wenn der Diözesanrat momentan zu einer Auffassung kommt, dass es besser sei, dieses Projekt nicht fortzusetzen, ist es eine legitime Meinung innerhalb der eigenen Aufgabe, „den Erzbischof und die Diözesanverwaltung zu beraten“ (Satzung des Diözesanrats des Erzbistums Köln §2a).

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So bin ich auch davon überzeugt, dass das Gremium hier unabhängig davon, wie die Entscheidung Kardinal Woelkis letztlich ausfällt, diese akzeptieren wird. Ich persönlich sehe durchaus die Notwendigkeit, die KHKT beizubehalten. Was wir aber als Katholiken alle tun können, ist es, um Geist der Unterscheidung für den Kardinal zu beten, den er benötigt.

Aus welchen Gründen ist die Ausbildung an der neuen Hochschule aus Ihrer Sicht attraktiv?

Diese Frage kann ich nur aus der Perspektive des Regens eines diözesanen Priesterseminars beantworten. Das Studium der Theologie ist für die Priesterkandidaten zunächst eine wesentliche Dimension der Ausbildung. Denn bei ihrer Priesterweihe empfangen sie durch die Handauflegung und das Weihegebet des Bischofs, mittels der Herabrufung des Heiligen Geistes, Anteil an den drei Ämtern Christi, den tria munera: Lehren, Leiten und Heiligen. Eine gründliche und kirchlich orientierte theologische Ausbildung erlaubt ihnen, den Glauben zu ergründen, den sie amtlich zu vertreten haben und ihn in die jeweilige Zeit erneut auszusagen.

„Es braucht eine Theologie,
die eine große Strahlkraft entwickelt."

Diese Grundeinsichten bilden den Verstehenshintergrund für meine Sichtweise auf die KHKT. Sei es über unseren an der Kölner Hochschule promovierenden Subregens oder durch die Beobachtung von regen Diskussionen bei den Mahlzeiten oder in Lerngruppen in unserem Priesterseminar, wird für mich deutlich, dass ich bei der KHKT davon ausgehen kann, dass die Priesterkandidaten dort einen verlässlichen Einblick in die Vernunft und in die Schönheit des ihnen geschenkten kirchlichen Glaubens erhalten. Die dort gelehrte Weite und Tiefe des Glaubens korrespondiert mit der Internationalität unseres Hauses.

Diese zeigt sich auch in den verschiedenartigen Praktika, die unsere Seminaristen auf internationaler Ebene erleben. Das Anliegen der KHKT, so, wie es Kardinal Woelki am Anfang beschrieben hat, ist somit auch das von Redemptoris Mater Köln, und, wie ich glaube, eines jeden Priesterseminars: „Es braucht eine Theologie, die eine große Strahlkraft entwickelt. […] Eine Theologie, die eine ,Gesellschaftswissenschaft‘ ist, die zu einer ‚Evangelisierung‘ führt und Menschen davon überzeugt, dass Gott mit uns und bei uns ist“.

Was raten Sie Ihren Studenten angesichts der offenen Fragen bezüglich der Finanzierung der Hochschule?

Erlauben Sie mir, hier nach dem scholastischen Prinzip agere sequitur esse (das Handeln folgt dem Sein) vorzugehen. Denn bevor organisatorische Fragen von Finanzierung geklärt werden, muss man meines Erachtens zunächst verdeutlichen, dass die KHKT – wie bereits ausgeführt – eine fundierte theologische Ausbildung auch für Priesterkandidaten anbietet. Was aber ist ein Priesterkandidat? Kurz gesagt: Ein Mann, der den Ruf Christi zu seiner Nachfolge in einem radikalen, ausschließlichen Dienst an der Kirche gehört hat.

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Das Priesterseminar ist damit eine Zeit, um mit Hilfe des Hausvorstandes und der geistlichen Begleiter, unter der Führung des jeweiligen Diözesanbischofs diese Berufung kirchlicherseits und im Lichte Christi ernsthaft zu prüfen. Diese Berufung ist aber auch ein Stück Ruf in eine „Ungewissheit“, ein Sprung in das Vertrauen hinein. Das „Komm und folge mir nach“ (Markus 10,21) ist ein Aufruf zum Leben in der Fürsorge Gottes. Dieser wesenshaft „vorläufige“, auf Vorsehung angewiesene Charakter des Priesterkandidaten korrespondiert meines Erachtens mit den nun aufgekommenen Finanzierungsfragen.

So kommt mir in diesem Zusammenhang eine Ansprache Benedikts XVI. in Erinnerung: „Lassen Sie mich hier einen Punkt der spezifischen Situation in Deutschland ansprechen. In Deutschland ist die Kirche bestens organisiert. Aber steht hinter den Strukturen auch die entsprechende geistige Kraft – Kraft des Glaubens an den lebendigen Gott?“ Ich denke: Jetzt haben wir die Gelegenheit zu zeigen, dass wir mit Glauben in diese Situation gehen. So bin ich davon überzeugt, dass es gelingen wird, die Finanzierung der KHKT mittel- und langfristig zu sichern. Aus meiner langjährigen Erfahrung in Deutschland weiß ich, dass es auch hier zahlreiche Katholiken gibt, die unsere Ausbildung im Gebet und mit finanzieller Unterstützung begleiten. In Bezug auf die Zukunft der KHKT habe ich also ein grundlegendes Vertrauen: einerseits auf die Hilfsbereitschaft solcher Menschen, andererseits und vor allem auf Gottes Vorsehung.

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