Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Diskussion um Kinderbeichte

Bischof Hanke verteidigt Kinderbeichte

Der Eichstätter Bischof weist den Vorwurf, bei der Kinderbeichte handele es sich um Zwang, gegenüber der „Tagespost" zurück. Auch für Kinder sei die Beichte ein wichtiges Instrument.
Gregor Maria Hanke OSB, Bischof von Eichstätt
Foto: IMAGO/Friedrich Stark (www.imago-images.de) | Gregor Maria Hanke nimmt die Kinderbeichte in Schutz

Der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, hat die Beichte als Sakrament der Umkehr und Versöhnung als kostbar bezeichnet. Bezugnehmend auf eine kürzlich auf der Webseite „avaaz.org“ veröffentlichte Petition gegen die Kinderbeichte warf er im Gespräch mit dieser Zeitung die Frage auf: „Warum sollte solch eine Gnade einem Kind, das getauft ist und zum Tisch des Herrn hinzutreten darf, vorenthalten werden und nur für Erwachsene sein?“ Buße und Umkehr seien ein zentraler Bestandteil des christlichen Glaubens, so Hanke gegenüber der „Tagespost". „Auch für Kinder ist dieses Sakrament ein wichtiges Instrument für die Reifung des Personseins in Christus“, betonte Hanke.

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Weiter erklärte der Eichstätter Bischof, dass der Anruf des Evangeliums zu Buße und Umkehr in der Gestalt der Beichte als Sakrament der Versöhnung eine tiefe spirituelle, seelsorgerische und kirchliche Bedeutung habe. Sie biete den Menschen die Möglichkeit, sich mit Gott, mit anderen und mit sich selbst zu versöhnen und stelle „in einer Zeit, die oft von Hektik, innerer Zerrissenheit und Schuldgefühlen geprägt ist“, einen „geschützten Raum“ dar, in dem Reflexion, Heilung und Neuanfang möglich würden. „In der Beichte wird die Sorge um die Ökologie des Herzens, auf die uns die Bergpredigt verweist, ganz konkret, und Kirche erbaut“, so der Eichstätter Bischof. 

„Botschaft der Vergebung kann existenziell erlebt werden"

Damit dieses Sakrament jedoch in seiner transformierenden Kraft erfahrbar werde, sei entscheidend, es in „einer altersgerechten und menschenzugewandten Weise“ durchzuführen. Die unterschiedlichen Bedürfnisse und Lebenswirklichkeiten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen müssten „in der Gestaltung der Beichte berücksichtigt werden“, so Hanke weiter. Dann könne „die Botschaft der Vergebung nicht nur verstanden, sondern auch existenziell erlebt“ werden.  

Den Vorwurf, die Kinderbeichte sei ein Zwang, wies der Bischof mit der Begründung vom Tisch, dass „seelsorgerische Begleitung, die von Empathie, Wertschätzung und einem tiefen Verständnis für die Situation des Einzelnen geprägt“ sei, helfe, dass sich der Beichtende respektiert und von Gott angenommen fühlen könne — „ohne das Gefühl von Druck oder Zwang“. In einem solchen Rahmen könne die Beichte „zu einem Ort der inneren Freiheit werden, an dem die vergebende Liebe und Barmherzigkeit Gottes ganz konkret erfahrbar wird“. 

„Gut von Böse unterscheiden lernen"

Seit Oktober 2024 liegt beim Sejm, dem polnischen Parlament, eine vom Künstler Rafał Betlejewski initiierte Petition zum Verbot der Kinderbeichte vor — ein Thema, das in Deutschland wie Polen für Polarisierung und kontroverse Debatten sorgte. Während sich in Deutschland bislang kein Bischof zu dem Thema äußern wollte, wehrten sich in Polen nicht nur Geistliche gegen die Petition. Der Erzbischof von Posen, Stanisław Gądecki, sah sich an kirchenfeindliche Gesetze in der Ära des Stalinismus erinnert.

Pfarrer Wojciech Węgrzyniak von der Päpstlichen Universität Johannes Paul II. in Krakau, sprach von Ungerechtigkeit, „denn durch die Beichte lerne man, Gut von Böse zu unterscheiden und an sich selbst zu arbeiten“.  Gegner der Kinderbeichte sprechen dagegen von Angst, Zwang und möglichem Missbrauch. Auch in der Petition ist davon die Rede. Auf dem Internetportal „katholisch.de“ hieß es kürzlich, dass Kinder im Alter von acht oder neun Jahren „nicht in der Lage“ seien, „Konzepte wie Schuld oder Sünde richtig zu begreifen“. Im deutschsprachigen Raum wurde das Thema bereits vor zwei Jahren vermehrt kontrovers diskutiert.  DT/dsc

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