Interview

Wie Gordon Haupt zur katholischen Kirche fand

Wie der ehemalige Profi-Kickboxer Gordon Haupt zur katholischen Kirche fand. 
Gordon Haupt, Profi-Kickboxer
Foto: Privat | Gordon Haupt las Ignatius von Antiochien und erkannte katholische Glaubenswahrheiten.

Wann fingen Sie an, an Gott zu denken?

Der Gedanke an Gott sowie der Glaube an Gott gehörten schon immer in meinem Leben dazu. Diesen Gottglauben hatte ich aber nie definieren können. Als Kind wurde ich evangelisch getauft, hatte aber kein religiöses Leben. Zur Konfirmation bekamen wir von der Kirche eine Bibel geschenkt. Diese Bibel hatte immer einen besonderen Platz in meinem Bücherregal, auch wenn ich sie nie wirklich gelesen habe. Gott hat mich schon damals angezogen. Auch wenn ich dem noch widerstand, wusste ich, dass ich dem eines Tages nachgeben werde.

Sie waren Profi-Kickboxer. Hat dieser Beruf mit Ihrer Bekehrung etwas zu tun?

Im Alter von 16 Jahren fing ich eher zufällig mit dem Kampfsport an. Ich hatte eine neue Leidenschaft in meinem Leben. Im Kickboxen wurde mir auch schnell ein großes Talent zugesprochen. Zu dieser Zeit fing ich an, in der Bibel zu lesen, sehr intensiv sogar. Innerhalb von zwei Wochen vom 1. Buch Mose bis zum 2. Buch Samuel, wenn ich mich recht erinnere. Dann legte ich die Bibel aber wieder für eine sehr lange Zeit weg. Nach sechs Monaten Training hatte ich schon meine ersten Kämpfe. Der Entschluss Profi zu werden war in mir herangereift. Unter dem Kampfnamen „The German Barbarian“ bestritt ich Profi-Kämpfe in Holland, Südkorea, Russland, den USA und vielen weiteren Ländern Europas. Als ich meine jetzige Frau kennenlernte, stellte sie mir die überraschende Frage: „Glaubst du an Gott?“

Wie haben Sie reagiert?

Ratlosigkeit machte sich in mir  breit, auch wenn ich es mir nicht anmerken lassen wollte. Was soll ich sagen? Wie meint sie die Frage? Verschrecke ich sie mit meiner Antwort? Ich glaubte zwar an Gott, hatte aber keinerlei Ahnung von ihm. Schließlich antwortete ich: „Ja, ich glaube an Gott! Du auch?“ Diese Antwort gefiel ihr, und es entwickelte sich daraus ein interessantes Gespräch. Als wir zusammenkamen, hatte ich den inneren Zwang, ihr vom Evangelium berichten zu müssen. Ab diesem Zeitpunkt fing ich an im Internet zu recherchieren und so viel über den christlichen Glauben zu erfahren wie nur möglich.

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Trotz widersprüchlicher Informationen bekehrte ich mich, und glaubte an unseren Erlöser, den Herrn Jesus Christus. Zu dieser Zeit gehörte ich noch zu keiner Kirche, Gemeinde oder sonstigen Gruppierung. Im Matthäusevangelium lesen wir die Worte des Herrn: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer es um meinetwillen verliert, wird es finden.“ Um dem Herrn Jesus Christus konsequent nachzufolgen, war es nötig, mein Leben aufzugeben, welches vom Kickboxen bestimmt war. So beendete ich kurzerhand meine Karriere, für den Herrn Jesus Christus.

Ihr Weg führte zunächst zu einer Freikirche. Was war das Entscheidende, um katholisch zu werden?

Nach einiger Zeit entschied ich, dass es notwendig sei, einer Gemeinschaft anzugehören. Unser Weg führte uns in eine Freikirche. Dort wurden wir sehr herzlich aufgenommen und es entwickelten sich Freundschaften. Ich fühlte mich sehr wohl. Mein Interesse an der Theologie war geweckt. Dutzende Bücher protestantischer Theologen las ich. Im Internet verfolgte ich einige Debatten zwischen protestantischen und katholischen Theologen, wobei die katholischen immer eine gute Figur machten, auch wenn ihre Positionen mich damals nicht überzeugen konnten. Über Facebook wurde ich auch in Diskussionen mit Katholiken verwickelt, und wir versuchten uns gegenseitig von unseren Standpunkten zu überzeugen.

In der letzten Frage ging ich schon auf zwei Themen ein, die mich ins Grübeln brachten, dass der Herr Jesus sein Fleisch als das Brot des Lebens bezeichnet und auf Petrus seine Kirche baute. Bei diesen Themen fand ich plausible Antworten auf katholischer Seite. Mein Bücherregal, voller protestantischer Theologie, wurde um einige Werke katholischer Theologen erweitert. Als ich mich mit der katholischen Lehre über die heilige Eucharistie beschäftigte, wurde ich endlich fündig, auch wenn ich noch nicht alles verstanden hatte. Ich glaubte an die Eucharistie. Katholisch werden wollte ich aber noch nicht. Ich versuchte beides zu vermischen, besuchte die Freikirche und die katholische Kirche zeitgleich. Nun beschloss ich, zu prüfen, was die ersten Christen glaubten. So stieß ich auf Ignatius von Antiochien, den Schüler des Apostels Johannes. Die ersten Christen glaubten, dass die Eucharistie wahrhaft Fleisch und Blut Christi ist, sie hatten ein Presbyterium, also ein geweihtes Priestertum, Bischöfe, einen Opferaltar und all dies nannten sie „Gottes Willen.“ Die ersten Christen waren durch und durch katholisch! Es wurde Zeit, selbst katholisch zu werden.

Wer ist Jesus Christus für Sie?

Mein Herr und mein Gott, wie der Apostel Thomas den Herrn Jesus Christus bekannte, als er den auferstandenen Heiland sah und seine Wundmale betastete (Johannes 20, 28). Der Herr Jesus Christus ist der Ausweg aus der Finsternis, denn er ist das Licht der Welt (Johannes 8, 12). Er ist der König der Könige und der Herr der Herren (Offenbarung 19, 16). Ich habe dem Herrn alles zu verdanken. Die Wege, die er mich gehen ließ, wären ohne ihn unmöglich zu bewältigen gewesen.

Was würden Sie jemandem empfehlen, der sich auf der Suche nach der Wahrheit befindet, und der nicht weiß, wo er sie finden kann?

In der Tat kreisen meine Gedanken ständig um dieses Thema. Es war eine große Gnade, dass mir der Herr diesen Weg zeigte. Jeder, der auf der Suche nach dem wahren Christentum ist, sollte in der Bibel lesen und in der frühen Kirchengeschichte prüfen, was die direkten Nachfolger der Apostel glaubten, und wie sie diesen Glauben praktizierten. Ich versuche, den Leuten meine Erfahrungen zu vermitteln, indem ich auf YouTube einen Kanal betreibe (KathPlosiv) und auch schon angefangen habe ein Buch zu schreiben. Jeder Katholik sollte immer bereit sein, Zeugnis zu geben und den Menschen von der Schönheit des katholischen Glaubens zu erzählen. Vor allem in diesen stürmischen Zeiten, in denen der Synodale Weg dabei ist, die Kirche zu zerstören. Die Glaubenswahrheiten der katholischen Kirche werden untergraben und die Kirche in Deutschland droht in ein Schisma zu geraten. Doch im Inneren der lebendigen katholischen Kirche gibt es sehr viele tolle Priester und fromme Gemeinden, die jeden Wahrheitssuchenden ans Ziel führen können. Das Ende der Suche ist der Tabernakel, die Kommunion, die absolute Begegnung mit Gott.

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