Berlin

Strittige Fragen beim Synodalen Weg

An den Dauerthemen Sexualität und Frauenweihe scheiden sich die (Berliner) Teilnehmer am Synodalen Weg.
Synodaler Weg
Foto: Rudolf Gehrig | Das Erzbistum Berlin hatte am Mittwoch Abend zu einer Zwischenbilanz des Synodalen Wegs eingeladen.

„Ich kann viele Dinge nicht mehr teilen.“ Die Aussage von Johannes Schaan, Leitendem Pfarrer in der wohl räumlich größten Pfarrei Deutschlands Stralsund-Rügen-Demmin, über seine Arbeit im „Synodalforum 4 – Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ des Synodalen Wegs, macht den Riss deutlich, der offensichtlich durch die Teilnehmer des innerkirchlichen Reformprozesses geht.

Zwischenbilanz zum Synodalen Weg

Das Erzbistum Berlin hatte am Mittwoch Abend zu einer Zwischenbilanz des Synodalen Wegs eingeladen. Unter dem Titel „Zwischenhalt nach zwei Jahren. Stimmen und Einschätzungen zum Synodalen Weg aus dem Erzbistum Berlin“ sprachen von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen der Berliner Erzbischof Heiner Koch, Weihbischof Matthias Heinrich, Generalvikar Pater Manfred Kollig, Pfarrer Johannes Schaan sowie die Vizepräsidenten des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Claudia Nothelle und Wolfgang Klose.

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„Wir debattieren über strittige Themen“, hatte Nothelle, seit kurzem Vizepräsidentin des ZdK, gesagt. Sie erhoffe sich vom Synodalen Weg, dass die christliche Botschaft danach „wieder klarer wird“, dass sich die deutschen Bistümer die Themen des Synodalen Wegs zu eigen machen. Für sie sei ein wichtiges Thema die Frauenweihe, die kein „Frauenthema“ sei, denn viele Männer wünschten sich ebenso die Möglichkeit, dass Frauen der Zugang zu den Weihen ermöglichen werde. 

Vorher hatte Erzbischof Heiner Koch allerdings darauf hingewiesen, dass das Zweite Vatikanische Konzil und alle Päpste nach ihm eine eindeutige Antwort auf die Frage gegeben hätten: Aufgrund der Sakramentalität der Kirche sowie der Schöpfungsordnung und der Verbindung zwischen Jesus und seiner Kirche bleibt die Priesterweihe Männern vorbehalten. Ob eine Neuausrichtung der Diakonweihe eine Möglichkeit für Diakonissen eröffnen könnte, sei zu prüfen.

Nicht jeder Geschlechtsakt muss offen für Fruchtbarkeit sein

Die Unterscheidung überzeugt Claudia Nothelle jedoch nicht. Denn das Weihesakrament sei eins, zwar in drei Stufen, aber eine Einheit. Zwischen Diakon-, Priester- und Bischofsweihe sei der Unterschied graduell – wenn Frauen die Diakonweihe offen stehe, müsse auch die Priesterweihe für Frauen möglich sein.

Allerdings war das Dauerthema „Frauenweihe“ nicht die einzige strittige Frage, in der die Unterschiede zwischen den Teilnehmern des Synodalen Wegs deutlich wurden. Auch im Forum 4 „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ scheint es keine Einigkeit zu herrschen:

Wolfgang Klose, seit 2017 Vizepräsident im ZdK, ist insbesondere die „Segnung homosexueller Paare“ wichtig, wobei im erwähnten Forum 4 die Formel gefunden worden sei: „Segnung für Paare, die sich lieben“. Die katholische Kirche müsse die Sexualität differenziert sehen, und Homosexualität „lehramtlich neu bewerten“. Denn „Homosexualität ist für uns keine Sünde“ und nicht jeder Geschlechtsakt müsse offen sein für Fruchtbarkeit.

Aspekt der Evangelisierung fehlt im Synodalen Weg

Darum geht es wohl, wenn Johannes Schaan – wie eingangs erwähnt – der Meinung ist, dass er „vieles“ in dem Forum nicht mehr mittragen könne. Anfangs seien im Forum 4 Alternativtexte zu den Mehrheitsmeinungen vorgelegt und die Minderheitenmeinungen positiv bewertet worden, aber nun sei dies „schwieriger“ geworden. Pfarrer Schaan vermisst außerdem beim Synodalen Weg etwas, was in den Botschaften des Heiligen Vaters immer wieder vorkomme: Zeugen sein.

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Darauf kommt ebenfalls Weihbischof Heinrich zu sprechen: Der Aspekt der Evangelisierung fehle im Synodalen Weg. Auch wenn die Einrichtung eines weiteren Forums, das sich mit der Weitergabe des Glaubens beschäftigt hätte, durchaus einen Mehraufwand dargestellt hätte, wäre die „Glaubensweitergabe in Zeiten des sexuellen Missbrauchs“ ein zentraler Aspekt gewesen. Außerdem bestehe eine Gefahr beim Synodalen Weg darin, dass die daraus hervorgehenden Papiere „anders gelesen werden, als die Intention“ ihrer Verfasser, und dadurch Erwartungen geweckt würden, die nicht gehalten werden könnten. 

Erzbischof Koch bestätigte, dass es im Synodalen Weg „Fragen fehlen“: Der Synodale Weg „ist viel mehr als das, was wir jetzt tun“. Aber er sei aus einer Situation entstanden, „die wir uns nicht gewünscht haben“.

Außerdem dürfe Synodalität nicht auf einen bestimmten Kreis oder auf eine einzige Ebene beschränkt bleiben. Darin pflichtete ihm Generalvikar Pater Manfred Kollig bei: „Im Idealfall“ sollten alle Getauften daran teilnehmen und teilhaben. 

Die Einrichtung eines ständigen „Synodalen Rats“ in Deutschland, die dazu vom Synodalforum 1 „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“ vorgeschlagen wird, bleibt ebenso strittig wie die Fragen der Sexualität und der Frauenweihe. Dies veranschaulichte die digitale Veranstaltung des Erzbistums Berlin zum Synodalen Weg.

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