Synodaler Weg

Die Enttarnung der Zeitgeisttheologie des synodalen Weges

Kotau vor dem Zeitgeist. 46 Tagespost-Autoren denken über den Synodalen Weg nach. Eine Veranstaltung im Elfenbeinturm des offiziösen Katholizismus.
Vollversammlung des Synodalen Wegs
Foto: Julia Steinbrecht (KNA) | In kritischen Beiträgen haben sich 46 Tagespostautoren mit der defizitären Theologie des synodalen Weges auseinander gesetzt.

Der Synodale Weg, jene mit einem Kunstnamen versehene Diskussions-Veranstaltung des offiziösen deutschen Katholizismus, beschäftigt die Gemüter. Von seinen Befürwortern als „letzte Chance“ für die katholische Kirche in Deutschland verkauft, sehen die Kritiker in den Lösungsversuchen für die Themen einen weiteren Kotau vor dem Zeitgeist, eine Selbstermächtigung, auf nationaler Ebene diverse Konstitutiva des Glaubens zunächst zum Problem zu erklären und dann „Lösungen“ vorzuschlagen, die theologisch nicht gehen und weltkirchlich nicht vermittelbar sind.

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Gegen die Evangelisierung

Nach dem emeritierten Münchener Pastoraltheologen Ludwig Mödl hat sich nun ein ganzes Autoren-Kollektiv ans Werk gemacht, die Zielvorstellungen des Synodalen Weg zu beleuchten und vom Standpunkt der Lehre aus zu kritisieren. Die Beiträge erschienen zunächst in der Beilage „Welt & Kirche“ der „Tagespost“ und sind jetzt noch einmal übersichtlich in einem Band zusammen ediert worden.

Grund zur Sorge besteht zweifellos, wenn die Synodalen gleich zweimal gegen die Evangelisierung als einen Schwerpunkt ihrer Arbeit votiert haben. Die missionarische Ausrichtung, die der deutschen Kirche schon aus Selbsterhaltungsgründen wichtig sein sollte, störte von Anfang an, denn man hatte anderes vor: „Für viele Delegierte rechtfertigt der Missbrauchsskandal offenbar Änderungen der Glaubenslehre und des Kirchenrechts. Unter dem vieldeutigen Banner der ,Zeichen der Zeit‘ und angeblich ,neuer humanwissenschaftlicher Erkenntnisse‘ werden bisher bereits abgelehnte Forderungen in Stellung gebracht.“

Wozu Priester?

Noch grotesker ist es, wenn die Kirchen-Parlamentarier ihre Rezepte der Entsakramentalisierung der Kirche und der Säkularisierung des Priester- und Bischofsamtes der Weltkirche als deutsche Wertarbeit verkaufen wollen. Deutliche Warnschüsse aus Rom werden ignoriert, während zugleich selbst Bischöfe munter an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Der Sammelband schafft Klarheit, wenn er Fragen stellt wie: Woher weiß die Kirche, was Gott will? Wie geht sie mit Macht um, braucht sie wirklich Priester? Dass Zeitgeist-Botschaften aller Art am harten Kern des Christentums zerschellen, weist Karl-Heinz Menke nach. Dieser ist nicht Ethos, Moral oder ein Kerygma, das betroffen macht, sondern die Person Jesus selber. Der Erlöser hat sich nicht als Angebot bezeichnet hat, sondern als der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Einen Widerspruch zwischen der Rede vom immer neu schaffenden Geist Gottes, unter dessen Wirken Dogmen zur Verhandlungsmasse schmelzen und einem bestimmten Argumentationsmuster der Befürworter der Frauenweihe findet Helmut Hoping. Denn hier bediene man sich neuerdings der absoluten Macht Gottes, mit der er sich auch in einer Frau hätte inkarnieren können. Wenn allerdings Gott in einem galiläischen Juden Mensch wurde und werden wollte, kann dies nicht a priori als theologisch irrelevant abgetan werden. Das Dilemma der heutigen Theologie besteht darin, dass es keinen Konsens mehr bezüglich der Prinzipien theologischer Erkenntnis gibt, Offenbarung, Glaube und Überlieferung werden auseinandergerissen.

Postmoderner Relativismus

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz enttarnt eine, zumal in Deutschland geläufige Widerspruchs-Linie zum kirchlichen Anspruch auf Wahrheit: Die Postmoderne habe Einwände gegen die „einzige“ Wahrheit, weil sie diese an die Ideologien des 20. Jahrhunderts erinnere, „die nur eine einzige Klasse oder nur eine einzige Rasse gelten ließ“. Jede Leitkultur stehe seitdem unter Generalverdacht: „Die Einzahl der Wahrheit wird als solche verdächtig. Entsprechend fehlt nicht nur das Eine, Verbindliche im postmodernen Lebensstil, es fehlt auch der Eine: Gott.“ Dagegen scheint man sich im politischen Bereich auf Wahrheit durch Mehrheit einigen zu können.

Christoph Ohly warnt davor, diese Haltung über den synodalen Prozess auch für die Kirche zu übernehmen. Er hebt den Glaubenssinn als gemeinschaftliche Aktivität des Volkes Gottes hervor, dessen Bedeutung etwa der 12. Abschnitt im Konzils-Dokument „Lumen gentium“ unterstreicht und hält fest: „Zur Feststellung der Authentizität des im Glaubenssinn bekundeten Glaubens bedarf es stets der prüfenden Instanz des apostolischen Lehramtes.“ Denn, so Thomas Möllenbeck: „Wer an die apostolische Kirche glaubt, der weiß: Eine Kirche, die heute das Gegenteil von dem sagt, was sie früher sagte, kann offensichtlich nicht apostolisch sein.“ Beides aber, Apostolizität und Synodalität, sind ekklesiologische Prinzipien, worauf Gerhard Ludwig Kardinal Müller hinweist.

Gegen irrende Bischöfe

Für ihn steht fest: „Die Laien haben eine konstruktive und unter Umständen kritische Mitverantwortung in Glaubensfragen“, sie haben sogar einmal gegen eine Mehrheit von irrenden Bischöfen den wahren Glauben gegen den Arianismus verteidigt. „Der Glaubenssinn des Gottesvolkes, der sich im Hören des Wortes Gottes und der Treue zur Lehre der Kirche bildet – und daher nicht auf dem Machtanspruch einer demokratischen Mehrheit wie im Staat beruht – geht konsultativ einer höchsten lehramtlichen Entscheidung voraus.“

Doch könne sich niemand „gegen eine geoffenbarte und definierte Lehre auf den sensus fidei fidelium berufen, weil die verbindliche Erklärung der Offenbarung nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut wurde, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird“.

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Rechtliche Fehler

Der verstorbene Münchener Kanonist Stephan Haering ordnet in der gebotenen Nüchternheit den Synoden-Begriff historisch-juristisch ein und unterscheidet ihn von evangelischen Kirchen-Parlamenten und orthodoxen Bischofs-Synoden. Der Synodale Weg in Deutschland ist keine kanonische Institution, seine Satzung eine bloße Konventional-Ordnung. Wenn schon der Bischofskonferenz eine generelle Kompetenz zur Gesetzgebung fehle und sie nur die „eigene Vorgehensweise“ ordnen könne, gelte dies auch für den Synodalen Weg, für den man bewusst nicht die an sich naheliegende Form des Plenarkonzils gewählt habe.

Als Fehler sieht der Kirchenrechtler, dass sich bei den von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gestellten Synodalen „Klerus beziehungsweise Episkopat und Laien gewissermaßen gegenüberstehen“. Dies entspräche nicht dem Communio-Gedanken und dem Kirchenbild des letzten Konzils. Hier sei getrickst worden, um die gewünschten Mehrheiten zustande kommen zu lassen.

Ein Gegenlehramt

Wer wie Markus Graulich SDB die Geschichte des Zentralkomitees der deutschen Katholiken studiert, lernt, dass es als „ultramontane Bewegung entstand, denn die Freiheit der Kirche in Deutschland sollte auch durch die Bindung an den Papst gewährleistet werden“. Durch die nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte Zusammensetzung wird das ZdK „nicht mehr in erster Linie als katholische Stimme in Politik und Gesellschaft, sondern als kritische Stimme innerhalb der Kirche wahrgenommen“.

Vor Jahren schon nannte Kardinal Ratzinger das ZdK eine „Art von Gegenlehramt“, sprach der Münchener Kanonist Klaus Mörsdorf von einer „anderen Hierarchie“, die auf der Polarisierung von „Amtskirche“ und „Laienkirche“ aufbaue. Über das Ende des Synodalen Weges lässt sich aktuell nur spekulieren. Möge es nicht so sein, wie Andreas Wollbold es in einem Bild ausdrückt: „Der Synodale Weg erinnert mich an jene Feuerwehr in einem kleinen Ort. Man traf sich im Obergeschoß des Feuerwehrhauses zum Feiern. Währenddessen brannte es im Untergeschoß. Dann musste die Feuerwehr aus dem Nachbarort gerufen werden, um den Brand zu löschen.“


Christoph Binninger/Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz/ Karl-Heinz Menke/Christoph Ohly (Hgg.):
Was ER euch sagt, das tut! – Kritische Beleuchtung des Synodalen Weges,
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 2021,
262 Seiten, ISBN 978-3-7917-3288-6,
EUR 19,95

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