Auszeichnung

Katholischer Medienpreis für LGBT-Doku

Die LGBT-Dokumentation „Wie Gott uns schuf – Coming-out in der Katholischen Kirche“ wird mit der Auszeichnung der Deutschen Bischofskonferenz geehrt. 
Participants join the rainbow parade during the Prague Pride 2022 festival of LGBT+ minorities that culminated in Prague
Foto: IMAGO/Rene Fluger (www.imago-images.de) | Die Dokumentation, die im Rahmen von "out in Church" ausgestrahlt wurde, stieß bei einige deutschen Bischöfen auf fruchtbaren Boden.

Der diesjährige von der deutschen Bischofskonferenz ausgeschriebene „Katholische Medienpreis“ geht an die Produzenten der LGBT-Dokumentation „Wie Gott uns schuf – Coming-out in der Katholischen Kirche“. Das gab die DBK heute in einer Pressemitteilung bekannt. Die Doku ist im Januar im Rahmen der Aktion „Out in Church“ im ARD ausgestrahlt worden und setzt sich für eine Änderung der katholischen Sichtweise in Bezug auf Homosexualität sowie ein verändertes Kirchenrecht ein. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wird den Preis als Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz am 3. November beim Katholischen Medienkongress in Bonn verleihen.

Größtes Outing der Geschichte

Insgesamt sind 173 Beiträge eingereicht worden. Der mit 5000 Euro dotierte Hauptpreis geht an die Autoren der LGBT-Doku: Hajo Seppelt, Katharina Kühn, Marc Rosenthal und Peter Wozny. In der Begründung der Jury heißt es, geehrt würde „das wohl größte Coming-out, das es in der katholischen Kirche jemals gegeben hat: 100 Gläubige, die sich als nicht-heterosexuell identifizieren, wagen in der ARD-Dokumentation den Schritt an die Öffentlichkeit“. 

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Das Team habe „in ganz Deutschland mit Betroffenen gesprochen, behutsam und mit großem Feingefühl“. Die überleitende Moderation bewerte oder verurteile nicht; „die Schicksale der Protagonisten sprechen für sich“. Ergebnis sei ein „tief berührender, erschütternder Film, der beschämt und aufrüttelt“, so die Jury.

Bischöfe begrüßen die LGBT-Initiative 

Mehrere Jahre Arbeit hat das Projekt die Autoren gekostet. Im Rahmen der Initiative „Out in Church“ haben sich dann 125 Menschen geoutet, die homosexuell oder transgender sind und unter anderem eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts fordern, wie es derzeit mit großem Tempo in die Wege geleitet wird. Ziel ist unter anderem, dass in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft Lebende nicht mehr gekündigt werden dürfen. 

Die Forderung fiel bei vielen deutschen Bischöfen auf fruchtbaren Boden, darunter beim Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und bei Bischof Helmut Dieser aus Aachen. Beide waren der Meinung, der Synodale Weg könne an einer Lösung arbeiten. 

Der Synodale Weg wird es richten

Dieser, der auch DBK-Vorsitzender ist, nannte die Kampagne „ein Zeichen dafür, dass wir daran arbeiten, dass ein solches Klima der Angstfreiheit in unserer Kirche herrschen muss und entstehen muss“. Die sexuelle Orientierung und die geschlechtliche Identität seien Teil der Person „und wir haben ein Menschenbild, das uns sagt, dass die Person unbedingt von Gott geliebt ist“, so Dieser. Beim Synodalen Weg gehe man „an die Themen der sexuellen Orientierung, der Identität, aber auch des Gelingens von Sexualität neu heran".

Die DBK vergibt den „Katholischen Medienpreis“ seit 2003 in den Kategorien „Print“, „Hörfunk“ und „Fernsehen“ und seit 2021 auch für die Kategorie „Internet“. Er soll „Journalistinnen und Journalisten zu qualitäts- und werteorientiertem Journalismus motivieren“, so steht auf der Internetseite der DBK. 

Ausgezeichnet würden Beiträge, „die die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen, Kulturen und Einzelpersonen beitragen“.  DT/dsc

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