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Jesuitenpater Zollner: Missbrauchsgipfel hat Lawine losgetreten

Weltweit sei die Botschaft angekommen, dass man konzertiert und konsistent Maßnahmen ergreifen müsse, um Missbrauch aufzuarbeiten und zu bekämpfen, so der Leiter des Kinderschutzzentrums der Päpstlichen Universität Gregoriana, Hans Zollner.
Vatikan - Kampf gegen Missbrauch
Foto: Alessandro Di Meo (ANSA) | Papst Franziskus habe den Finger in die Wunde gelegt, dass es beim Missbrauch in der Kirche auch um eine spirituelle Dimension geht, „die für Menschen, die keinen Zugang zum Glauben haben, wirklich schwer ...

Der Jesuitenpater Hans Zollner ist der Meinung, dass der Missbrauchsgipfel, der im Februar im Vatikan stattgefunden hat, tatsächlich die von ihm erhoffte Lawine losgetreten hat, die man nicht mehr stoppen kann. „Aus all dem, was ich höre, aus der ganzen Welt, ist es tatsächlich so, dass wir von einem niedrigen Niveau weltkirchlich gesehen, also für alle Länder, für alle Kirchen in den Kontinenten, zu einem viel größeren Bewusstsein gekommen sind.“ So äußerte sich der Leiter des Kinderschutzzentrums der Päpstlichen Universität Gregoriana im ZDF-Morgenmagazin.

Zollner: Papst hat von Anfang an Interesse auf Missbrach gelenkt

Die Vorsitzenden der weltweiten Bischofskonferenz und die Leiter der großen Ordensgemeinschaften, die an dem Treffen teilgenommen hatten, seien mit einer anderen Botschaft nach Hause gefahren, so Zollner. „Diese Botschaft lautete, wir müssen konzertiert und konsistent etwas tun in unserem Verantwortungsbereich, wir müssen das tun, was im Kirchenrecht steht, was das staatliche Recht fordert und wir müssen als Kirche unseren Auftrag erfüllen.“ Diese Botschaft sei weltweit angekommen. Zollner hat den Missbrauchsgipfel im Vatikan mitorganisiert.

Der 52 Jahre alte Theologe und Psychologe verteidigte zudem den Einsatz von Papst Franziskus für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. „Ich glaube, dass der Papst von Anfang an das Interesse auf dieses Thema gelenkt hat. Er hat begonnen, schon in seiner ersten Audienz, über diese Thema zu reden. Er hat den 2014 die päpstliche Kinderschutzkomission eingerichtet und ihr den Auftrag gegen, alles zu tun was möglich ist, damit Kinder und Jugendliche in der Kirche sicher aufwachsen können.“

Zollner: Papst betont spirituelle Dimension des Missbrauchs

Zudem habe Papst Franziskus hat den Finger in die Wunde gelegt, dass es auch um eine spirituelle Dimension geht, „die für Menschen, die keinen Zugang zum Glauben haben, wirklich schwer verständlich ist“. Er habe aber auch gesagt, so Zollner, dass es um Verantwortung und Rechenschaftspflicht aller kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht, besonders der Verantwortungsträger.

Auf die Frage, warum der Papst nicht klarere und deutlichere Worte gefunden habe, antwortete Zollner: „Er hat sich in anderen Zusammenhängen sehr klar und eindeutig geäußert, er hat gesagt, dass wir eine Nulltoleranz-Politik haben müssen. Das heißt, dass Priester, die sich an Kindern vergangen haben, nicht mehr in den pastoralen Dienst zurückkehren können.“

Es braucht eine Motivation, die nur aus dem Herzen kommen kann

Es wird in Zukunft wichtig sein, dass der Papst weitermache mit dem was er angekündigt hat, dass die Gesetze verschärft werden, aber auch, dass man auf eine Änderung der Einstellung hinarbeite. „Denn bei allen Normen, bei allen Worten braucht es eine Motivation, die nur aus dem Herzen kommen kann“, so Zollner.

DT/mlu

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