Die Osternacht ist für viele Christen der wichtigste Gottesdienst des Jahres. In diesem Jahr durfte ich sie nicht nur als Besucher erleben, sondern als Ministrant mitten im Geschehen. Schon vor Beginn der Messe spürte ich eine besondere Spannung vor dieser besonderen Liturgie. Die Kirche war voller Menschen, doch alles begann draußen in der Dunkelheit – am Osterfeuer.
Gemeinsam mit den anderen Ministranten stand ich um das Feuer herum. Die Flammen leuchteten hell in der Nacht und erinnerten daran, dass Gott Licht in die Dunkelheit bringt. Der Priester segnete das Feuer, während alle still wurden. Nur das Knistern des brennenden Holzes war zu hören. Aus diesem Feuer wurde die große Osterkerze entzündet – das Zeichen für den auferstandenen Christus. Auch unsere Kerzen wurden gesegnet. In diesem Moment darf uns immer neu bewusst werden, dass dieses Licht mehr ist als nur eine Flamme. Es ist ein Zeichen der Hoffnung und des neuen Lebens.
Dann begann die Prozession in die dunkle Kirche. Vorne ging der Priester mit der brennenden Osterkerze. Dahinter folgten wir Ministranten, und schließlich zog die ganze Gemeinde in die dunkle Kirche ein. Es war ein stiller, feierlicher Moment. Mitten in der Kirche blieb der Priester stehen und sang mit kräftiger Stimme: „Lumen Christi“ – „Das Licht Christi“. Die ganze Gemeinde antwortete: „Deo gratias“ – „Dank sei Gott“. Ein zweites Mal erklang sein Ruf durch die Kirche: „Lumen Christi“. Und wieder antworteten alle gemeinsam: „Deo gratias“. Zum dritten Mal sang der Priester: „Lumen Christi“. Und wieder antwortete die Gemeinde voller Überzeugung: „Deo gratias“.
Teil eines heiligen Moments
Nach und nach wurde das Licht der Osterkerze an die Kerzen der Menschen weitergegeben, wie es in dieser Nacht rund um den Globus in vielen, vielen Tausenden Kirchen auch geschah. Immer mehr kleine Flammen erhellten die Kirche, bis der ganze Raum im warmen Kerzenlicht leuchtete. Aus der Dunkelheit wurde Licht – ein starkes Zeichen der Auferstehung.
Als wir schließlich den Altar erreichten, blickte ich in die voll besetzten Bänke. Die Atmosphäre war feierlich und gleichzeitig tief spirituell. Man spürte, dass diese Nacht für viele Menschen eine besondere Bedeutung hat.
Der Höhepunkt der Messe kam später mit dem Gloria. Nach der stillen Zeit der Fastenzeit brach plötzlich ein mächtiger Klang los. Die Orgel begann mit voller Kraft zu spielen, und die Gemeinde erhob sich zum Gesang. Unsere Orgel wurde in den letzten Monaten restauriert, sodass wir sie zum ersten Mal nach langer Zeit wieder hören durften. Wir Ministranten ließen unsere Schellen erklingen, und gleichzeitig begannen die großen Kirchenglocken zu läuten. Ihr Klang erfüllte die ganze Kirche. Musik, Gesang und Glocken verschmolzen zu einem großen Lob Gottes. Die Gemeinde sang voller Freude. Viele Menschen sangen mit geschlossenen Augen, andere blickten auf die brennenden Kerzen. In diesem Moment spürte man eine tiefe Gemeinschaft im Glauben. Für mich als Ministrant war es ein besonderer Augenblick. Vom Altar aus konnte ich sehen, wie das Licht der Kerzen die Gesichter der Menschen erhellte. Die ganze Kirche war erfüllt von Hoffnung, Freude und Dankbarkeit.
Die Osternacht erinnert daran, dass das Licht stärker ist als die Dunkelheit und dass Christus den Tod besiegt hat. Diese Botschaft wurde in dieser Nacht nicht nur gesprochen – sie war im ganzen Gottesdienst spürbar. Und so verließ ich die Kirche mit dem Gefühl, Teil eines heiligen und unvergesslichen Moments gewesen zu sein.
Der Autor ist 20 Jahre alt und arbeitet als Medizinischer Fachangestellter. Er engagiert sich im Pfarrgemeinderat in Jossgrund.
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