Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Leo XIV. reist nach Spanien

Päpstlicher Segen für den höchsten Kirchturm der Welt

Am 10. Juni wird Papst Leo XIV. im Zuge seiner apostolischen Reise nach Spanien den zentralen Turm der Sagrada Família segnen. Erste Details zum Ablauf des Papstbesuchs sind nun bekannt.
Die Sagrada Família in Barcelona
Foto: IMAGO/Joan Gosa (www.imago-images.de) | Am 10. Juni 1926 erlag Gaudí seinen schweren Verletzungen, nachdem ihn eine Straßenbahn erfasst hatte. Exakt ein Jahrhundert später, am kommenden 10. Juni, wird Papst Leo XIV.

Ein Tag der Freude und der Trauer, ein Tag des Abschieds und der neuen Strahlkraft: Der 10. Juni wird ewig mit der Geschichte Barcelonas und der Sagrada Família, der großen Sühnekirche von Antoni Gaudí, verbunden bleiben.

Am 10. Juni 1926 erlag Gaudí seinen schweren Verletzungen, nachdem ihn eine Straßenbahn erfasst hatte. Exakt ein Jahrhundert später, am kommenden 10. Juni, wird Papst Leo XIV. im Zuge seiner apostolischen Reise nach Spanien den zentralen Turm der Sagrada Família segnen. Dieser Christusturm ist mit 172,5 Metern bereits jetzt der höchste Kirchturm der Welt. Bei einer Pressekonferenz vor Ort gab die Baukommission der Sagrada Família nun Details zum Ablauf bekannt.

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Das Wort ergriff dabei auch der langjährige Chefarchitekt Jordi Faulí (66), für den der Tag zum krönenden Höhepunkt seines Berufslebens avancieren wird. Seit 2012 steht er in verantwortender Position und hatte im Vorfeld auf die Frage, was Gaudí dazu sagen würde, wenn er heute vor seinem Werk stünde, geantwortet: „Er würde dieses Projekt dank des Einsatzes so vieler Menschen zufrieden anerkennen, denke ich.“ Und dies lag Faulí mit Blick auf den Turmgiganten gleichermaßen am Herzen: „Wir haben absolut treu nach den Plänen Gaudís gearbeitet. Er wusste, dass er dieses Projekt mit 18 Türmen und drei großen Fassaden zu Lebzeiten nicht abschließen konnte. In seinen Plänen und Beschreibungen war das Konzept sehr klar. Dank eines Maßstabsplans kennen wir die exakten Höhen der Türme. 172,5 Meter, das war genauso, wie von ihm vorgesehen.“ Das Innere der Türme, so Faulí, habe Gaudí allerdings nicht definiert.

Blumengabe am Grab

Xavier Martínez, der Generaldirektor der Sagrada Família, präsentierte den Ablauf für den vermeintlich unvergesslichen Tag. Bereits am Morgen ist eine Blumengabe am Grab des Architekten Gaudí in der Krypta vorgesehen, als Zeichen der Erinnerung und Dankbarkeit gegenüber dem Jahrhundertgenie. Dies dürfte ganz der Gesinnung des Papstes entsprechen, der als bescheiden und bodenständig gilt. Im Untergrund der Sagrada Família begibt man sich weg von der großen Sakralbühne, weg von den Massen in die intimere Aura der Krypta.

Xavier Martínez und Jordi Faulí
Foto: IMAGO/David Zorrakino (www.imago-images.de) | Xavier Martínez (links), der Generaldirektor der Sagrada Família, präsentierte zusammen mit dem langjährigen Chefarchitekten Jordi Faulí den Ablauf für den Papstbesuch.

Dort weicht das gigantische Bild aus Säulen, Buntglasfenstern und Tiefenwirkung einem gewöhnlicheren Kirchenraum, in den eine Treppe hinabführt. In einer Kapelle etwas seitlich des Hauptaltars, unterhalb zweier kunstvoller Leuchter und eines Podests mit einer Marienskulptur, liegt Gaudí begraben. Kein pompöses Mausoleum, lediglich eine große Grabplatte mit der Inschrift „Antonius Gaudí Cornet“ zeigt seine letzte Ruhestätte an; der zweite Nachname Cornet stammt von seiner Mutter Antònia, die 1876 starb, wenige Jahre bevor der Sohn die Arbeiten an seinem Lebenswerk Sagrada Família übernahm. Papst Leo und Gaudí eint dies: Weder war der eine, noch ist der andere ein Selbstdarsteller. Die Abgeschiedenheit in der Krypta ist ein Segen.

Feierliche Messe und Segnung

Später am Tag, um 19.30 Uhr, beginnt die feierliche Messe zu Ehren Gaudís, zelebriert von Papst Leo XIV. gemeinsam mit Kardinälen, Bischöfen und Priestern. Musikalisch begleitet wird die Feier von Musikern und Chören aus der ganzen Region Katalonien, deren Hauptstadt Barcelona ist. Im Anschluss wird der Heilige Vater die Basilika verlassen und den Christusturm segnen: eine Zeremonie von großer spiritueller und institutioneller Bedeutung.

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Das spanische Königspaar Felipe und Letizia, Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Pedro Sánchez und Salvador Illa, der oberste politische Repräsentant Kataloniens, haben bereits ihre Teilnahme bestätigt. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen werden über 4.000 geladene Gäste die feierliche Messe persönlich verfolgen, im Außenbereich wird die Zeremonie über Großbildschirme übertragen. Ebenso sind Fernsehkanäle und soziale Medien live dabei.

Allerneuester Besuchermagnet

Chefarchitekt Faulí rief im Rahmen der Pressekonferenz die komplexen Bauetappen des Christusturms ins Gedächtnis: von der Montage der ersten Elemente 2018 in 85 Metern Höhe, bis es im laufenden Jahr zur Installation des letzten Teils des Kreuzes kam. Dieses Kreuz stammt bekanntermaßen vom Fassadenspezialisten Josef Gartner aus dem bayerischen Gundelfingen, der schon in Basel, Schanghai, London und New York zivile Hingucker geschaffen hat. Faulí berichtete, dass die Arbeiten an der Innenverkleidung bereits seit mehreren Monaten laufen und die Figur des Lammes Gottes kürzlich installiert wurde. Parallel dazu werde aktuell ein Aufzug eingebaut. In Kürze soll außerdem die Verankerung des Krans entfernt werden.

Bedeckt hält sich Faulí bei der Prognose zur Fertigstellung des Gesamtbaus der Sagrada Família: „Die Zukunft weiß nur Gott.“ Das könnte durchaus noch zehn oder fünfzehn Jahre dauern. Fest steht, dass sich die Folge der Veranstaltungen im jetzigen Gaudí-Gedenkjahr bis zur Weihnachtszeit fortsetzt – und dass das vom Übertourismus gebeutelte Barcelona einen allerneuesten Besuchermagneten hat.

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Andreas Drouve Leo XIV.

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