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Die Frau, die ein neues Pfingsten erbat

Sie „erfand" die Pfingstnovene: Die heilige Elena Guerra, eine Nonne aus Italien, die sich für die Frauenbildung einsetzte und die Presse als Weg der Evangelisierung sah.
Heilige Elena Guerra
Foto: IN | Elena Guerra stammte aus dem italienischen Adel, verehrte den Heiligen Geist und setzte sich nach dem Vorbild der heiligen Angela Merici für junge Frauen ein.

„Pfingsten ist nicht vorbei. In Wirklichkeit währt es überall und jederzeit fort, denn der Heilige Geist verlangt danach, sich allen Menschen zu schenken, und alle, die ihn wollen, können ihn jederzeit empfangen.“ Dies schrieb die italienische Ordensfrau Elena Guerra 1901 in einem Brief an Leo XIII. und bat den Papst, die Kirche durch die Hinwendung zum Heiligen Geist zu erneuern. Es entwickelte sich ein schriftlicher Austausch, der Papst empfing die Ordensfrau in einer Privataudienz, und ihre Worte fielen auf fruchtbaren Boden: Leo XIII. rief die katholische Kirche weltweit dazu auf, zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten eine Novene zum Heiligen Geist zu beten, verfasste 1897 die Enzyklika „Divinum illud munus“ über die Wertschätzung des Heiligen Geistes und seiner Gaben und rief am 1. Januar 1901 den Heiligen Geist auf das beginnende 20. Jahrhundert herab.

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Sein Nachfolger Johannes XXIII. sprach Elena Guerra selig – die erste Seligsprechung seines Pontifikats – und forderte die Kirche zur Vorbereitung des Zweiten Vatikanischen Konzils auf, zum Heiligen Geist zu beten, auf dass dieser sein „Wunder in unseren Tagen wie durch ein neues Pfingsten“ erneuern möge. Elena Guerras Gedenktag ist der 11. April, wird aber in der Erzdiözese Lucca, wo sie lebte und wirkte, am 23. Mai begangen, dem Tag der Überführung ihrer Reliquien in die Kirche Sant’Agostino, wo sie bis heute ruht.

Elena Guerra wurde am 23. Juni 1835 in Lucca geboren; ihre Familie gehörte dem Adel der toskanischen Stadt an. Vom Tag ihrer Firmung an, die sie mit acht Jahren empfing, empfand sie eine starke Verehrung für den Heiligen Geist. Gegen den Willen ihrer Mutter, die ihre Tochter mit Musik, Kunst und Handarbeiten beschäftigt sehen wollte, nahm sie heimlich am Unterricht teil, den ihr Bruder von Hauslehrern bekam, um sich auf das Priestertum vorzubereiten. Elena lernte Latein und las im Verborgenen theologische Bücher.

Beten und Werke der Nächstenliebe

Mit 21 Jahren gründete Elena einen Hauskreis für junge Frauen, die sich zu einem Leben nach dem Evangelium verpflichteten und einander geistlich unterstützten, und schloss sich später einem Zirkel vornehmer Damen an, die in der Stadt karitativ tätig waren. Als Lucca von einer Cholera-Epidemie heimgesucht wurde, besuchte Elena zahlreiche erkrankte Menschen zu Hause, pflegte sie und schenkte ihnen Trost im christlichen Glauben.

Nach einer Pilgerreise nach Rom im Jahr 1870 wollte sie zunächst eine Gruppe zur Anbetung des Allerheiligsten Sakraments gründen, wovon ihr geistlicher Begleiter ihr jedoch abriet. Kurz darauf las sie die Biografie der heiligen Angela Merici, Gründerin der Ursulinen, und beschloss, sich der Frauenbildung zuzuwenden. 1872 eröffnete sie eine höhere Mädchenschule in Lucca und konnte einige Frauen dafür gewinnen, dort zu unterrichten. Zehn Jahre später erwarb Elena mit ihrem Familienerbe ein Haus, das als Sitz der Schule und gleichzeitig als Konvent für die Gemeinschaft diente, die aus den Lehrerinnen hervorgegangen war und den Namen „Oblatinnen des Heiligen Geistes“ trug. Hunderte von Mädchen wurden hier im christlichen Geist unterrichtet, darunter auch Gemma Galgani, die nach ihrem Tod als Mystikerin des Leidens Christi heiliggesprochen wurde.

Verleumdung und Krankheit

Als wichtiges Mittel zur Evangelisierung erkannte Mutter Elena, wie sie inzwischen genannt wurde, die christliche Presse. Sie verfasste zahlreiche Beiträge zur Frauenbildung und zur christlichen Kultur, wandte sich mit zunehmendem Alter aber immer mehr dem Kern ihrer Spiritualität zu: dem Heiligen Geist und dem Pfingstereignis, was schließlich zu ihrem Austausch mit Papst Leo XIII. führte.

In ihren letzten Lebensjahren litt Mutter Elena unter Krankheiten und Schmerzen, ebenso wie unter Verleumdungen in der Gemeinschaft, die zu ihrem vorübergehenden Rücktritt als Generaloberin führten. Sie starb am Karsamstag, dem 11. April 1914, mit dem Wort: „Credo!“ – Ich glaube. Nach der Anerkennung eines Wunders wurde Elena Guerra am 20. Oktober 2024 von Papst Franziskus heiliggesprochen.

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