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Der heilige Josef: Kein „Ja-Sager", sondern ein „Ja-Tuer" 

Josef von Nazaret spricht kein einziges Wort, hat den Menschen aber gerade darum etwas zu sagen.
Der heilige Josef
| Statt nur auf den eigenen Verstand zu bauen, vertraut der heilige Josef ganz und gar dem Herrn.

Warum hat ausgerechnet der wichtigste Mann an der Seite Jesu kein einziges Wort in der Bibel hinterlassen? Petrus poltert, Paulus schreibt Briefe. Aber Josef? Schweigen. Absolute Funkstille, könnte man meinen. Doch Josef hat sicher geredet. Der Punkt ist: Das ist nicht wichtig. Denn Josef war kein „Ja-Sager", sondern ein „Ja-Tuer". Und damit war er alles andere als eine Randfigur, ein Statist im göttlichen Drama. Bis heute – und gerade heute – ist er der wunderbar beispielhafte Gegenentwurf in einer Welt, die vor lauter Selbstdarstellung und Dauergequassel fast platzt.

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Die Bibel nennt ihn einen „Gerechten“. Das bedeutet vor allem, dass er eng mit Gott verbunden und „stets bereit war, Gottes Willen zu tun“ [Vgl. YOUCAT 83]. An vielen Stellen der Heiligen Schrift wird betont, dass nicht Werke den Menschen gerecht machen, sondern die Freundschaft mit und der Glaube an Gott – so wie es bereits Abraham erfahren durfte, dem der Glaube als Gerechtigkeit angerechnet wurde (Genesis 15,6).

Offenheit gegenüber dem übernatürlichen Wirken Gottes

Josefs Glaube und Gottvertrauen waren unerschütterlich. Als ein Engel ihm im Traum erschien, folgte er dessen Weisungen ohne Umschweife. Er wusste, dass es sich um einen prophetischen Traum handelte. Er legte ihn nicht bloß als Träumerei beiseite. Er kannte den Unterschied. Er war mit Gottes Sprache vertraut, weil er so eng mit ihm verbunden war.

Selbst als er erfährt, dass Maria schwanger ist – was ihn im ersten Moment tief erschüttert haben muss –, plant er keinen Skandal. Das Recht dazu hätte er damals gehabt. Er hätte Maria steinigen lassen können, weil das Kind offensichtlich nicht von ihm war und sie dem Anschein nach Ehebruch begangen hatte. Aber „da Joseph, ihr Mann, gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss er, sich in aller Stille von ihr zu trennen.“ (Mt 1,19)

Und als der Erzengel ihn eines anderen belehrt, bleibt er sogar bei ihr. Josef hört auf die durch den Engel überbrachte Weisung Gottes im Traum. Diese Offenheit gegenüber dem übernatürlichen Wirken Gottes macht Josef zu einem großen Vorbild der Heilsgeschichte, gerade heute, wo das Hören auf Gottes Stimme für viele etwas Vages, Unspezifisches ist und die Kirche ihre geistigen Antennen in weiten Teilen eingefahren zu haben scheint.

Urgestalt echter Vaterschaft

Josef zeigt, wie man sie wieder ausfährt; er ist einfach im Glauben, zeigt Gottvertrauen und Entschlossenheit. So wird er zum entscheidenden Türöffner für Gottes Wirken in der Heilsgeschichte – und heute besonders für Männer zur Urgestalt echter Vaterschaft. Statt nur auf den eigenen Verstand zu bauen, vertraut er ganz und gar dem Herrn – und ebnet damit nicht nur den Weg für Maria, die den Messias gebären soll, sondern für seine eigene Berufung: Er begleitet und beschützt Maria und ihr Baby. Er wird ganz Vater. Er ist da, wenn es kompliziert und gefährlich wird. Er steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern handelt.

Die Worte des Engels bei der Verkündigung an Maria – „Für Gott ist nichts unmöglich" – trägt Josef wie selbstverständlich in seinem Herzen. Er nimmt das Unmögliche im Glauben an. Damit lehrt er auch uns: Es geht nicht darum, Gott zu verstehen, sondern darum, ihm zu vertrauen. Josef diskutiert nicht. Er hört, gehorcht und handelt. Er dient.

Er gibt Jesus den Namen und damit die rechtliche Heimat im Hause Davids. Er behütet seine kleine Familie vor Gefahren, zieht Jesus groß, lehrt ihn Handwerk und Gebet. Er bietet ein echtes Zuhause. Man kann sich vorstellen, dass dieser Gerechte sich seiner Aufgabe als unwürdig empfand. Aber er tat, was Gott von ihm wollte – in Demut. In entscheidenden Momenten war er einfach immer da: für seine Familie und für den Ruf Gottes. 

Ein Heiliger für alle

Zusammengefasst lässt sich sein Leben als Lehrer für heute so formulieren: Weniger reden, mehr lieben. Weniger diskutieren, mehr Gott vertrauen. Weniger Selbstdarstellung, mehr Dienst. „Christ sein heißt nicht nur, das Richtige wissen, sondern das Rechte tun." (YOUCAT, Nr. 469) Josef hat genau das gelebt.

Papst Franziskus beschrieb ihn in seinem Apostolischen Schreiben Patris corde (2020) als einen, „der immer im Schatten steht", der es aber verstand, „sich nie selbst in den Mittelpunkt zu stellen", sondern Maria und Jesus zur Mitte seines Lebens zu machen. Gleich zu Beginn seines Pontifikats hatte Franziskus dafür gesorgt, dass dieser Heilige in alle vier Hochgebete der Eucharistiefeier aufgenommen wurde. Und Papst Johannes XXIII. bestimmte ihn zum Schutzpatron des Zweiten Vatikanischen Konzils. Heute ist er der Patron der Kirche und der Heilige für alle, die gerade nicht wissen, wie es weitergeht. Er ist der Patron der Kirche, der Arbeiter, der Familien – und der Sterbenden. Der Mann, der im Stillen gedient hat, steht auch im letzten Moment still dabei.

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