Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Interview zum „Mariathon"

„Man kann fast sagen: Hier findet Weltkirche statt“

Diakon Michael Wielath im Gespräch mit der „Tagespost“ über den Aufbau von Radio Maria in Afrika und die wachsende Kirche des Kontinents.
Jude Thadaeus Ruwa'ichi und Michael Wielath
Foto: Radio Horeb | Erzbischof Jude Thadaeus Ruwa'ichi (Mitte) und Diakon Michael Wielath (Links) bei der Messe in Balderschwang.

Herr Diakon Wielath, alljährlich veranstaltet Radio Horeb einen Spendenmarathon, den sogenannten „Mariathon". Wie fällt Ihre Bilanz dieses Jahr aus?

Es ist eigentlich eine wachsende Bilanz im Vergleich zu den letzten Jahren. Wir merken, dass es von Jahr zu Jahr intensiver wird – intensiver im Miteinander, intensiver im Blick auf die Projekte und auch intensiver in der gemeinsamen Zeit, die wir hier verbringen. Für diese drei Tage wird Balderschwang zu einem zentralen Ort innerhalb der Weltfamilie von Radio Maria. Man kann fast sagen: Hier findet Weltkirche statt. Und dieses Wachsen ist weniger ein „größer werden“ im äußeren Sinn, sondern vielmehr ein inneres Wachstum. Es wird gesegneter, dichter, und man spürt, dass der Mariathon ein immer wichtigerer Punkt in unserem Jahresablauf wird.

Was bewirken die Spenden konkret?  

Die Spenden fließen in ganz unterschiedliche Projekte. Es gibt zum einen Vorhaben, bei denen neue Frequenzen aufgebaut werden, damit mehr Menschen Radio Maria empfangen können. Dann gibt es Projekte, bei denen komplette Radiostationen entstehen oder erweitert werden. Und schließlich unterstützen wir auch den laufenden Sendebetrieb, gerade in ärmeren Ländern, wo etwa Gehälter oder andere regelmäßige Kosten nicht aus eigener Kraft getragen werden können. Das Spektrum reicht also von der Neugründung über den Ausbau bis hin zur kontinuierlichen Unterstützung. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt klar auf Afrika, aber wir hatten auch Projekte in Lateinamerika, etwa in Mexiko und Argentinien, sowie im Nahen Osten, etwa im Irak, im Libanon und in Nazareth.

Warum liegt der Fokus weiterhin auf Afrika?  

Afrika ist innerhalb der Weltfamilie von Radio Maria ein besonderer Schwerpunkt, und das hat einen klaren Grund: Wenn wir auf die weltweite Kirche schauen, dann ist Afrika der Kontinent, auf dem sie derzeit am stärksten wächst. Dort geht es darum, die Gläubigen im Glauben zu begleiten und dieses Wachstum auch geistlich zu tragen. Gerade in vielen Ländern südlich der Sahara, die zu einem großen Teil christlich geprägt sind, macht es großen Sinn, ein solches Medium zu haben. Radio Maria kann dort helfen, Katechese zu vermitteln, Spiritualität zu fördern und auch ganz praktische Lebenshilfe zu geben. Wir wollen dieses Wachstum der Kirche unterstützen und begleiten.

Sie haben ein neues Studio in Nigeria erwähnt. Welche Bedeutung hat das konkret? 

In Nigeria sind wir derzeit dabei, mehrere Standorte zu unterstützen. Das Studio in Port Harcourt wurde am 8. Dezember 2025 eingeweiht und kann etwa zehn Millionen Menschen erreichen. In Afrika ist es oft so, dass wir mehrere Radiostationen innerhalb eines Landes haben. Das hängt zum einen mit der Größe der Länder zusammen, zum anderen aber auch mit der sprachlichen Vielfalt. Wir senden immer in der jeweiligen Landessprache, und in vielen afrikanischen Ländern gibt es mehrere davon. Deshalb entstehen mehrere Studios. Für die Bischöfe vor Ort ist das ein wichtiges Instrument für die pastorale Arbeit: Über das Radio können sie Katechismus, geistliche Inhalte, aber auch Bildungsangebote an ihre Gläubigen weitergeben und so die ganze Diözese erreichen.

Mit welchen Herausforderungen haben Sie vor Ort zu tun?  

Eine der größten Herausforderungen ist die Energieversorgung. In Ländern wie Nigeria kommt es täglich zu Stromausfällen. Das ist für ein Radioprogramm natürlich ein großes Problem, weil man nicht einfach offline gehen kann. Deshalb arbeiten wir daran, die Energieversorgung auf stabile Beine zu stellen, zum Beispiel durch den Ausbau von Solarenergie. Damit lässt sich ein großer Teil des Strombedarfs abdecken. Solche technischen Fragen sind ganz entscheidend, damit das Radio dauerhaft senden kann.

Wie hören die Menschen das Programm?  

Viele Menschen hören Radio Maria über einfache Radios oder über ihr Mobiltelefon. Oft werden diese Geräte ebenfalls mit Solarenergie betrieben oder über kleine lokale Stromquellen versorgt. Es gibt also viele pragmatische Lösungen, die es ermöglichen, dass die Menschen das Programm regelmäßig hören können – teilweise rund um die Uhr.

Welche Rolle spielt das Radio in Krisenregionen, etwa im Nahen Osten?  

Dort spielt das Radio eine besonders wichtige Rolle. Wenn man ehrlich ist, dann werden die Christen in vielen Regionen des Nahen Ostens regelrecht zwischen den Fronten zerrieben. Ihre Situation wird oft kaum wahrgenommen. Gleichzeitig leben sie in großer Unsicherheit, mit Krieg, Flucht und instabilen Verhältnissen. In solchen Situationen wird Radio Maria zu einem wichtigen Anker. Gerade im Libanon sehen wir, dass die Hörerzahlen wachsen, weil viele Menschen nicht mehr regelmäßig in den Gottesdienst gehen können. Sie sind zu Hause oder auf der Flucht, und das Radio gibt ihnen Orientierung im Glauben und einen gewissen Halt.

Gibt es auch Kontakte zu Muslimen?  

Ja, die gibt es durchaus. Das lässt sich nicht nur im Nahen Osten beobachten, sondern auch in afrikanischen Ländern. In Tansania zum Beispiel beteiligen sich Muslime an Sendungen wie dem Bibelteilen. Im Nahen Osten trägt Radio Maria den Namen „Radio Mariam“, was eine Brücke schlägt, weil Maria auch im Islam eine wichtige Rolle spielt. In diesem Sinne kann man sagen, dass das Radio auch einen Beitrag zur Friedensarbeit leistet, indem es Menschen verbindet.

Sie hatten beim Mariathon auch internationale Gäste. Welche Impulse haben Sie mitgenommen?  

Es gab viele prägende Impulse. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Programmdirektor aus Mosambik, der die Situation seines Landes sehr eindrücklich geschildert hat. Solche Einblicke helfen unseren Hörern, die Lebensrealität vor Ort besser zu verstehen. Auch der Programmdirektor aus Argentinien, Javier Soteras, war eine besondere Stimme. Er war ein enger Weggefährte von Papst Franziskus und hat uns diesen noch einmal nähergebracht – mit persönlichen Erinnerungen und Einordnungen. Solche Begegnungen machen deutlich, wie eng die weltweite Radio-Maria-Familie miteinander verbunden ist.

Mariathon 2026 Balderschwang
Foto: Radio Horeb | Gastgeber und Gäste des Mariathon 2026 in vor dem Pfarrhaus in Balderschwang.

Wie gelingt es, so viele Menschen dauerhaft für den Mariathon zu begeistern?  

Ein entscheidender Punkt ist die Nähe zwischen Spendern und Projekten. Die Gäste aus den Projektländern sind vor Ort, sie kommen ins Programm, berichten direkt und beantworten Fragen. Dadurch entsteht eine unmittelbare Verbindung. Die Hörer lernen die Menschen und ihre Situationen kennen. Außerdem endet der Kontakt nicht mit dem Mariathon. Wir berichten im Laufe des Jahres immer wieder darüber, wie sich die Projekte entwickeln – ob ein Studio gebaut wird oder neue Sendetürme entstehen. Diese Transparenz und Nähe schaffen Vertrauen.

Hat sich das Spendenverhalten in den vergangenen Jahren verändert? 

Es gibt immer eine gewisse Dynamik, aber keine grundlegende Verschiebung. Der Mariathon wird nach wie vor von vielen kleinen und mittleren Spenden getragen – oft Beträge zwischen 50 und 100 Euro. Gleichzeitig gibt es auch größere Spenden, teilweise im fünfstelligen Bereich. Insgesamt ergibt sich daraus eine sehr gesunde Mischung. Interessant ist auch, dass der Mariathon inzwischen für viele ein fester Termin im Jahr geworden ist. Wir bereiten die Hörer das ganze Jahr über darauf vor, und die drei Tage selbst sind dann der Höhepunkt.

Das Ziel ist, bis 2030 in allen Ländern südlich der Sahara präsent zu sein. Ist das realistisch?  

Wir gehen davon aus, dass dieses Ziel erreichbar ist, auch wenn es natürlich mit viel Arbeit verbunden ist. Der Aufbau einer Radiostation braucht Zeit – oft zwei bis drei Jahre, bis alles steht und der Sendebetrieb läuft. Ein Beispiel ist Nigeria: Die Frequenzen wurden 2021 vergeben, und erst jetzt, einige Jahre später, gehen die letzten Studios on air. Als nächstes Projekt ist Namibia im Blick, wo wir bereits erste Gespräche führen. Auch dort geht es darum, Gläubige über große Entfernungen hinweg miteinander zu verbinden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Radio Horeb und der Radio-Maria-Familie?  

Ich wünsche mir vor allem, dass wir noch stärker zusammenwachsen und für noch mehr Menschen eine Plattform werden, auf der sie ihren Glauben vertiefen können. In einer Zeit, die von Unsicherheiten und Konflikten geprägt ist, wollen wir Orientierung geben – einen Ort, an dem Menschen Halt finden. Man könnte sagen: eine Art Schutzraum. Und ich bin überzeugt, dass das gemeinsame Gebet eine große Kraft hat. Wenn wir gemeinsam beten, dann kann daraus auch Frieden wachsen.


Diakon Michael Wielath arbeitet seit fast drei Jahrzehnten bei Radio Horeb und koordiniert dort die Projekte der Weltfamilie Radio Maria in Afrika.

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