„Wichtig ist, dass Gott dich sieht!“ Dieser Satz meines Vaters prägt sich mir ein. Zusammen mit meiner Schwester und meinem Vater hat sich ein gutes Töchter-Vater-Gespräch ergeben. Wir reden über vieles, irgendwann auch über Charaktereigenschaften. Eine von uns stellt fest: „Es ist ja schön, wenn man eine gute Eigenschaft hat, aber es ist frustrierend, wenn niemand sie sieht!“ Darauf sagt unser Vater diesen eklatanten Satz. An dieser Stelle möchte ich an alle Väter appellieren: Ihr seid unglaublich wichtig für uns Töchter! Ihr seid (normalerweise) der erste Mann in unserem Leben. Ihr seid das erste männliche Wesen, das uns als kleinen Prinzessinnen zeigt, dass wir geliebt und angenommen sind. Wenn ihr eine offene, ehrliche, liebevolle Beziehung zu euren Töchtern pflegt und eure Mädchen wissen, dass sie über alles mit euch reden können – egal was –, dann kann das ihnen den Mut geben, mit euch offen über vieles zu reden, dann werdet ihr als Väter in das komplizierte Leben eurer kleinen Fräuleins miteinbezogen und seid ein gefragter Mann! Aber das nur am Rande, wie wichtig der Vater für die Tochter ist und wie viel auch vom Vater abhängt, wie sich die Vater-Tochter-Beziehung entwickelt und gestaltet.
Aber jetzt, lieber Leser, denken Sie bitte über diesen Satz nach: Wichtig ist, dass Gott dich sieht! Diese Aussage verweist eindeutig auf eine Tugend: die Demut – sich selbst nicht zu hoch zu achten, weil man weiß, dass man auf Gott angewiesen ist und ohne ihn nichts kann. Im 2. Korintherbrief 12,1–10 schreibt Paulus von einer Versuchung und endet: „(D)enn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ Stark in Gott, stark durch seine Gnade. Demut sucht nicht nach Anerkennung und Aufmerksamkeit, sie wünscht nur, Gott zu gefallen und sich (im Verborgenen) hinzugeben. Es genügt, dass Gott es sieht.
Weil jeder gewollt ist
Schon im Alten Testament macht Gott dem Propheten Samuel gegenüber klar, dass er uns Menschen anders sieht, als wir uns untereinander. Samuel erhält von Gott den Auftrag, den neuen König Israels zu suchen. Der Prophet macht sich auf, sieht einen Sohn Isais und denkt sich: Der ist es! Aber Gott sagt zu ihm: „Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt (…); Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der HERR aber sieht auf das Herz.“ (1. Sam 16,7) Wir Menschen beurteilen einander von außen mit dem, was wir voneinander wissen und erfahren haben, mit dem, was wir sehen. Niemand kennt die Lebensgeschichte eines Menschen von der ersten Sekunde bis zur letzten. Keiner weiß, was der Gegenüber alles erlebt und durchgemacht hat. Wir wissen niemals alles über einen Menschen, egal wie gut wir ihn kennen, wir sehen doch immer nur Ausschnitte. Gott allein kann den Menschen auf Herz und Nieren prüfen (vgl. Jer 17,10), das heißt, in seiner Ganzheit sehen.
Jede und jeder Einzelne von uns ist von Gott gewollt, bewusst geschaffen und dort, wo er hineingeboren wurde, hingesetzt. Gott ist der Meister. Was er macht und schafft, das ist sehr gut! Bei dir sprach Gott: „Sehr gut!“ Gott macht keine Fehler und keine halben Sachen. Was er tut, hat Sinn und Logik. Auch wenn man es selber manchmal nicht sieht! Dann heißt es, auf Gott vertrauen und sein Bestes geben! Klingt plump, ist aber wahr! Gott sorgt wunderbar! Aber er respektiert unseren freien Willen. Er kann uns schlecht in seine Heilsgeschichte miteinbinden, wenn wir ihm die Arbeit verweigern. Wir sollen das Unsere tun und Gott tut das Seine. Wie wir an Gottes Heilsplan für uns und für andere mitwirken sollen, sehen wir möglicherweise noch nicht. Dennoch: Gott hat einen Plan mit dir, auch wenn du dich selber für unnütz, dumm oder sonst etwas hältst! Gott sieht dich, will dich und liebt dich! So sehr, dass er alles gegeben hat, sogar sein eigenes Leben, damit du und ich, damit jede und jeder weiß, wie sehr Gott uns alle liebt und dass seine Liebe zu uns keine Grenzen hat – so wie bei einem guten Vater. Nur, dass Gott eben der beste aller Väter ist.
Die Autorin, Jahrgang 2007, ist Schülerin.
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