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80 Jahre KHG Wien: Hoffnung bewegt Hochschule

„Wissen muss mit Gewissen zu tun haben“, fordert der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl beim Festakt zum 80. Geburtstag der Katholischen Hochschulgemeinde Wien.
Josef Grünwidl
Foto: mayr | Hofft auf eine "Generation Plus": Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl bei seiner Ansprache vor der KHG.

„Die 80-jährige Geschichte der KHG ist selbst ein Stück Kirchengeschichte“, meint der Wiener Kardinal Christoph Schönborn in seinem Grußwort zur Festschrift „Die Geschichte der Katholischen Hochschulgemeinde Wien. Jubiläumsschrift zur 80-Jahr-Feier 2026“. In der Tat wird gerade auch diese Dimension beim Lesen des ausführlichen Lebensbildes der Wiener Hochschulgemeinde bewusst. Die 1946 durch den Wiener Diözesanpriester Karl Strobl gegründete KHG war nie eine statische Institution, sondern präsentierte sich als Studentengemeinde immer als jung und lebendig, aber auch als vielfach mit ihrer Identität ringende Gemeinde.

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Im Ursprung wollte sie „sakramental-liturgisch, karitativ-sozial und intellektuell-theologisch“ sein, wie es vor 80 Jahren Prälat Karl Strobl, Pionier der Universitätsseelsorge, definierte. Auch der aktuelle Leiter der Hochschulgemeinde Wien, Pater Simon de Keukelaere FSO, nimmt in der Festschrift darauf Bezug, dass es in den letzten 80 Jahren für die KHG „bewegte Zeiten und kirchenpolitische Auseinandersetzungen“ gegeben habe. Die Lektüre der beeindruckenden Festschrift, die von Benedikt Bischof verfasst wurde, lässt allerdings spekulieren, ob die Ende der 1960er- und Ende der 1980er-Jahre hochgekochten strukturellen und (kirchen-)politischen Konflikte der Wiener KHG nicht frühe und regionale Phänotypen jener tiefgehenden Auseinandersetzungen darstellen, die sich auf größerer Ebene in den letzten Jahren etwa im deutschen Synodalen Weg manifestierten.

Hoffnungsfroh vorwärtsgehen

Beim Festakt im Großen Festsaal der Universität Wien vor etwa einer Woche waren keinerlei Wolken zu sehen, sondern nur Feierlaune und Dankbarkeit – über einen Ort, der Heimat und Orientierung bietet – immer schon für Studenten aus den österreichischen Bundesländern und aus aller Welt. Das unterstrich beim Podiumsgespräch die Psychologiestudentin Miriam Haslauer: Die KHG sei ein Ort, der es einem einfach mache, Leute kennenzulernen. Außerdem geschehe dort Glaubensvertiefung und man könne eine persönliche Beziehung zu Christus entwickeln. Aspekte, die auch die Videoeinspielungen verschiedener KHG-Studenten unterstrichen, deren spiritueller und liturgischer Zugang Hoffnung auf eine neue, fest im kirchlichen Glauben verankerte Generation macht.

KHG-Leiter Simon de Keukelaere FSO betonte die „Ermächtigung von Studenten“ als sein Anliegen und auch, dass ihn eine dem Glauben völlig fernstehende Studentin einmal gefragt habe, ob der Priesterkragen und das schwarze Gewand sein Halloweenkostüm sei. Pater Simon lachte und meinte: „Mittlerweile ist die Studentin gefirmt!“ Er wünsche sich für die KHG viele Studierende, die „die Uni nicht nur mit einem Diplom, sondern mit einer Mission verlassen“ und die für die Gesellschaft eine große Fruchtbarkeit entwickelten.

Dem früheren KHG-Seelsorger Franz Haslinger waren die Person und das Erbe des KHG-Gründers Karl Strobl, den er als Seminarist persönlich kennengelernt hatte, das große Anliegen; die frühere KHG-Bildungsreferentin Gudrun Trausmuth skizzierte die KHG als Raum von „Fides et Ratio“, wo gemäß der Enzyklika von Papst Johannes Paul II. „mit beiden Flügeln des menschlichen Geistes“ versucht werden solle, die Wirklichkeit zu verstehen. Dabei sei wichtig, Skepsis nicht mit Intelligenz zu verwechseln und aus der Begegnung mit Christus mit „brennendem Herzen“ und hoffnungsfroh vorwärtszugehen.

Missionarisch und mutig sein

Mit Spannung hörten mehrere hundert Gäste die Rede des neuen Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl, der in Bezug auf die KHG die Grundspannung absteckte, in der die 80-jährige Gemeinde steht: „Es geht um die Wurzeln, den Gründergeist und die Vision nach vorne.“ Die Industriegesellschaft habe sich zur Wissensgesellschaft entwickelt. Doch mehr Wissen sei nicht automatisch gleichzusetzen mit ethischem Vorsprung. Auch Grünwidl blickte auf den Anfang der KHG zurück: „Angesichts der ethischen und materiellen Trümmer der Nachkriegszeit wollte die KHG Wien eine Hoffnungsträgerin im akademischen Umfeld sein. Heute, 80 Jahre später, sind die Herausforderungen ganz andere, doch die Notwendigkeit von Hoffnung ist geblieben.“ Grenzenlos verfügbares Wissen allein reiche nicht aus; im „Wissensdschungel der Daten“ braucht es vielmehr Bildung, die mehr denn je mit Orientierung zu tun habe: „Wissen muss mit Gewissen zu tun haben“, stellte der Erzbischof fest.

Die KHG sei in diesem Sinn ein „religiöses Kompetenzzentrum“ für die Universität und in einer entscheidenden Lebensphase ein Ort, an dem das akademische Gewissen gebildet und ein christlicher Wertekanon eingeübt werden könne. Der Wiener Erzbischof ermutigte die KHG, einladend, offen, aber zugleich missionarisch und mutig zu sein. Grünwidl zitierte Papst Leo XIV., der gegenüber Jugendlichen sagte: „Wie schön wäre es, wenn eure Generation eines Tages als Generation Plus bezeichnet würde, als eine Generation, die für den zusätzlichen Schwung in Erinnerung bleibt, den ihr der Kirche und der Welt geben werdet.“ Erzbischof Grünwidl schloss mit der Aufforderung an die KHG, sich neu von der Begeisterung der Gründergeneration inspirieren zu lassen: „Machen wir aus Wissen Weisheit, aus Angst Hoffnung und aus Resignation Elan und Mut. Damit wir alle zum Plus für unsere Kirche und Gesellschaft werden!“

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