Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Mittwochskatechese

Leo XIV.: „Liturgischer Fortschritt gefährdet kirchliche Gemeinschaft nicht“

Der Papst erläutert in seiner Generalaudienz die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils „Sacrosanctum Concilium“ und mahnt Priester zur Treue.
Papst Leo XIV.
Foto: Imago/Avalon.red | Papst Leo XIV. bei seiner Generalaudienz am Mittwoch. Dieses Mal geht es in der Katechese um die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Papst Leo XIV. hat die Bedeutung der Liturgie für das Leben der Kirche hervorgehoben und vor eigenmächtigen Veränderungen gewarnt. In seiner Katechese bei der Generalaudienz am Mittwoch betonte der Papst, liturgische Reformen müssten in der kirchlichen Tradition verwurzelt bleiben und dürften die kirchliche Gemeinschaft nicht gefährden.

Lesen Sie auch:

Leo XIV. verwies auf die Enzyklika „Mediator Dei“ von Papst Pius XII. Dieser habe die Kirche als „lebendigen Organismus“ beschrieben, der wachse und sich auch in seiner Liturgie entfalte sowie zeitbedingten Umständen anpasse, jedoch stets „unter Wahrung der Unversehrtheit ihrer Lehre“. In „völliger Kontinuität mit diesem Grundsatz“ habe auch das Zweite Vatikanische Konzil in der Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium“ betont, es sei Pflicht der Kirche, „sich in besonderer Weise auch um die Erneuerung und die Förderung der Liturgie zu sorgen“.

Zudem habe die Liturgiekonstitution angestrebt, „jene Einrichtungen, die dem Wandel unterworfen sind, den Bedürfnissen unseres Zeitalters besser anzupassen“, sagte Leo XIV. Ziel von „Sacrosanctum Concilium“ sei es gewesen, „den Gläubigen den Zugang zu den Gnaden der heiligen Liturgie“ zu erleichtern. Dabei müsse man „die gesunde Tradition glücklich bewahren und doch dem berechtigten Fortschritt den Weg öffnen“.

Leo XIV. warnte davor, Tradition und Fortschritt gegeneinander auszuspielen. Er zitierte dabei Papst Benedikt XVI., der in einer Ansprache an die Mitglieder des Päpstlichen Liturgischen Instituts Sant’Anselmo im Jahr 2011 erklärt habe: „Nicht selten werden Tradition und Fortschritt auf ungeschickte Weise miteinander in Gegensatz gebracht.“ Tradition sei keine starre Größe, sondern eine lebendige Wirklichkeit, die Entwicklung einschließe.

Nutzen für Kirche muss erkennbar sein

Der Papst betonte, dass liturgischer Fortschritt nur dann rechtmäßig sei, wenn er in der authentischen Tradition wurzele. Das Konzil unterscheide in der Liturgie zwischen einem Teil, „der unveränderlich ist, weil von göttlicher Einsetzung“, und Teilen, „die dem Wandel unterworfen sind“. Diese könnten „im Laufe der Zeiten geändert werden oder müssen es sogar“, wenn einzelne Elemente der inneren Natur der Liturgie weniger entsprächen oder nicht mehr zeitgemäß seien. Auch seien liturgische Reformen an Bedingungen geknüpft. Änderungen dürften nur erfolgen, wenn ein wirklicher Nutzen für die Kirche erkennbar sei und neue Formen organisch aus dem Bestehenden hervorgingen.

Das „konziliare Lehramt“ lade dazu ein, „eine Verunsicherung der Gläubigen zu vermeiden“, erklärte der Papst. Zugleich halte es jeden davon ab, „in der Liturgie eigenmächtig etwas hinzuzufügen, wegzulassen oder zu ändern“. Der von der Liturgiekonstitution geforderte Fortschritt gefährde die kirchliche Gemeinschaft „keineswegs“, sondern wolle sie vielmehr „festigen und fördern“.

Lesen Sie auch:

Leo XIV. ermutigte zudem „alle, die Gottesdienste vorbereiten“ und insbesondere Priester, die liturgischen Texte und Ordnungen der Kirche treu zu beachten. Dieser Respekt entspringe einer inneren Haltung der Offenheit und des Vertrauens auf Gott sowie der Treue gegenüber der Gemeinschaft der Kirche. DT/jna

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Katechese Leo XIV. Liturgie Pius XII. Päpste Zweites Vatikanisches Konzil

Weitere Artikel

In seiner Mittwochskatechese und in einem Brief an spanische Priester erläutert Papst Leo, warum der säkularisierte Westen gerade heute die Präsenz lebendiger Gemeinden braucht.
05.03.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Seine Katechese über die Texte des Zweiten Vatikanums hat Papst Leo mit dem Konzilsdokument über die Offenbarung begonnen, das heißt mit dem Eintritt Gottes in die Menschheitsgeschichte.
05.02.2026, 13 Uhr
Guido Horst
Sie „erfand" die Pfingstnovene: Die heilige Elena Guerra, eine Nonne aus Italien, die sich für die Frauenbildung einsetzte und die Presse als Weg der Evangelisierung sah.
22.05.2026, 05 Uhr
Claudia Kock

Kirche

Wer möchte nächstes Jahr mit Papst Leo nach Seoul fliegen? Der kann sich bald anmelden, etwa bei den Bistümern. Oder auf Pilgerangebote von Gemeinschaften warten.
28.05.2026, 11 Uhr
Meldung
Der Papst sieht den Moment gekommen, die Künstliche Intelligenz zu „entwaffnen“. Eigentlich geht es in „Magnifica humanitas“ aber eher um das „technokratische Paradigma“.
27.05.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Kommt die Seligsprechung? Wie Erzbischof Georg Gänswein bestätigt, sammelt das Dikasterium für die Heiligsprechung Schreiben aus aller Welt, die Gebetserhörungen dokumentieren.
27.05.2026, 14 Uhr
Regina Einig
Trotz Warnungen aus Rom: Die FSSPX gibt die Namen der Kandidaten für die geplanten Bischofsweihen bekannt. Auch dem Papst sollen sie bereits vorgestellt worden sein.
27.05.2026, 11 Uhr
Meldung