Den Tag morgens um sieben Uhr mit der Frühmesse im Augsburger Dom starten? Gute Idee, dachte ich mir. Was mit einer spontanen Idee begann, entwickelte sich zur lebensverändernden Fügung in meinem Leben als Katholikin. Als ich mich dazu entschied, die Laudes, das liturgische Morgengebet der katholischen Kirche, mit anschließendem Gottesdienst im Dom mitzufeiern, freute ich mich auf die neue Erfahrung. Das Gefühl, den Tag mit Gott zu starten und ihm zuerst die höchste Ehre zu erweisen, löste eine große Freude in meinem Herzen aus. Der Spruch „Morgenstund’ hat Gold im Mund“ erhielt im christlichen Kontext eine völlig neue Bedeutung für mich. Den Frieden, den ich gleich zu Beginn des neuen Tages spüren konnte, zog sich über den ganzen Tag hindurch.
Dadurch bemerkte ich, welche Bereicherung es ist, erst den lieben Gott zu loben und ihm für alles zu danken und sich dann den Arbeiten des Tages zu widmen, denn „alles vermag ich durch Christus, der mich stärkt“ (Philipper 4,13). Durch die Liebe Christi fühlte ich mich gewappnet, den Herausforderungen des Alltags mit der Kraft Gottes meistern zu können. Morgens war mein Geist noch unbefangen und frisch, und ich verstand mit der Zeit, dass es nicht zufällig im Römerbrief 8,5–14 heißt: „Wenn aber Gottes Geist uns leitet, richten wir uns nach seinem Willen aus. Wozu uns die alte, sündige Natur treibt, das bringt den Tod. Folgen wir aber dem, was Gottes Geist will, so bringt das Frieden und Leben.“
Gott an die erste Stelle setzen
Es ist verblüffend, wie viel Zeit wir Menschen heute in den sozialen Netzwerken, auf Konzerten oder im randvollen Fußballstadion verbringen und irdischen Aktivitäten eine so hohe Bedeutung beimessen. Umso wichtiger finde ich es, eine Stunde am Tag bewusst Gott an erste Stelle zu setzen und ihm alle Ehre zu gebühren. Mich dem Herrn völlig anzuvertrauen und seinen Willen zu befolgen, bestärkt mich, mich weiterhin der Führung und Weisung Gottes zu öffnen.
Der tägliche Messbesuch befeuerte die Liebe Christi in mir. Das Beispiel der Heiligen macht mir Mut: Ihr Leben zeigt mir, dass die Tugenden der Geduld, Beharrlichkeit im Gebet und Regelmäßigkeit zu einer immer tieferen und innigeren Beziehung zu Christus führen. Aus persönlicher Erfahrung habe ich die Überzeugung gewonnen, dass es keinen Grund gibt, sich auf diesem Weg zu fürchten. Es lohnt sich, auch in fremde Pfarrgemeinden zu gehen, Brücken zu bauen und dort wertvolle Begegnungen zu suchen. Beeindruckt haben mich vor allem die Worte des heiligen Johannes Chrysostomos: „Nichts kann einen so zum Nachfolger Christi machen wie die Sorge um den Nächsten.“ Die Liebe zu Gott ist nicht sichtbar, die Liebe zu unserem Nächsten jedoch durchaus, und darin zeigt sich auch der aufrichtige Glaube.
Das Gebet der Laudes ist für mich ein Muntermacher geworden und zeigt mir, was für ein schönes Geschenk wir Christen durch die Kirche erhalten: Wir können nicht nur gemeinsam beten und unseren Gott schon am Morgen loben, sondern sind als Getaufte auch in einer gespaltenen Gesellschaft dazu berufen, Gemeinschaft zu pflegen und Verbundenheit zu spüren.
Die Autorin (27) hat Grundschullehramt in Augsburg studiert.
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