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„Globalisierung durch den Heiligen Geist“

Hoher Besuch im bayerischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild: Kurienkardinal Peter Turkson predigte über die Kirche als Werkzeug der Einheit.
Peter Turkson in Maria Vesperbild
Foto: Merz | Prediger und Musiker: Kurienkardinal Peter Turkson in Maria Vesperbild.

„Loquebantur variis linguis Apostoli magnalia Dei, Alleluia“ (Die Apostel verkündeten in verschiedenen Sprachen die Großtaten Gottes, Alleluia) ist die wiederkehrende Antiphon und somit der Inhalt der Pfingstverkündigung der Kirche. Besonders greif- und hörbar wurde dies am Pfingstsonntag, als der aus Ghana stammende hohe Gast, Seine Eminenz Peter Kardinal Turkson, zusammen mit viel Klerus und dem liturgischen Dienst in die vollbesetzte Wallfahrtskirche von Maria Vesperbild einzog. Einen zusätzlichen international-europäischen Hauch und einen Ausdruck katholischer Weite bekam die Feier auch durch den Besuch von Dr. Markus Ferber, CSU-Europa-Abgeordneter und Vorstandsmitglied der Parlamentariergruppe der Europa-Union, den Rittern vom Hl. Grab zu Jerusalem und nicht zuletzt und besonders durch den hohen Adel, vertreten durch Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzogin Gabriela von Habsburg-Lothringen, die über den Sternkreuz-Orden mit dem Wallfahrtsdirektor verbunden ist.

Turkson brachte auch breite inhaltliche Expertise mit: Als Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften steht er im Brennpunkt aktueller Debatten. In dieser Funktion musste er auch bald nach Ende der Feier wieder abreisen, um tags darauf gemeinsam mit Papst Leo dessen erste Enzyklika „Magnifica Humanitas“ in Rom vorzustellen.

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Bei der Begrüßung zu Anfang der Hl. Messe zeigte Wallfahrtsdirektor Dr. Michael Menzinger auch biografische Anknüpfungspunkte zu Bayerisch-Schwaben auf, denn der Kardinal war in den Jahren 1979 und 1980 Aushilfspriester in der Nähe von Illertissen, woher seine guten Deutschkenntnisse resultieren. Mit seinen Ämtern und den Sprachkenntnissen – er spricht, neben seiner ghanaischen Muttersprache, auch Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch – war er geradezu prädestiniert für diese Pfingstpredigt, in der die Themen Einheit und Mission im Vordergrund standen.

Einheit in Schönheit und Vielfalt

Pfingsten werde oft als der Geburtstag der Kirche gesehen, aber eigentlich sei es der Beginn einer Mission, so der Kardinal. Kirche werde in der Bewegung geboren, sie bleibe nicht hinter verschlossenen Türen, sie gehe hinaus aus dem Obergemach, wo die Jünger sich in Furcht und Gebet versammelten, um Jesu Verheißung mutig zu erfüllen. Der Geist befreie von der Furcht und dränge nach außen. Der Kardinal betonte zudem, dass auch in jeder Heiligen Messe um die Gaben desselben Heiligen Geistes gebetet werde. Pfingsten sei der Übergang von Angst zur Mission, vom Schweigen zur Verkündigung, von der Isolation zur Gemeinschaft. Dieses Ereignis gehöre dem „Wir“ der Kirche, und diese werde von jedem einzelnen Getauften, der das Feuer zu tragen hat, gebildet, nicht von einigen wenigen besonderen Einzelpersonen. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt, dem ganzen Leib der Kirche wurde er gegeben, betonte Turkson.

Im Pfingstbericht wird vom Sprachenwunder gesprochen, das wahre Wunder sei jedoch, dass die verschiedenen Völker durch das Evangelium zu einem Volk werden, das das Evangelium verstehen und aufnehmen könne. Alle Jünger bekennten in der Vielheit das eine Evangelium, eine „Globalisierung durch den Heiligen Geist“. Aber die Menge blieb vielfältig, eine Einheit, ohne die Unterschiede zu zerstören; eine Umkehrung des Turmbaus zu Babel. Der Heilige Geist erzwinge, so der Kardinal weiter, keine Gleichförmigkeit, er ebne nicht die Schönheit der Völker und Kulturen ein. Die Kirche aber sei das Werkzeug für diese Einheit. Wo ein Volk in seiner Sprache das Evangelium verstehe, dort wirke der Heilige Geist. So endete der Kardinal mit einem Gebetswunsch: „Mache uns zu mutigen Zeugen Christi, wandle unsere Spaltungen in Gemeinschaft, mache uns zu einem Volk des Evangeliums der Erlösung. Amen“

Nach der Darbringung des Heiligen Meßopfers formierte sich dann die Prozession, um über den Schlossberg zur Fatimagrotte zu pilgern. Auf dem Weg wurden traditionelle Marienlieder und -gebete gesungen und gesprochen, und um den Heiligen Geist gebetet: ut unum sint. Der Heilige Geist mag hier schon sichtbar gewirkt haben, denn russisch-orthodoxe Gläubige, deren deutsche Auslands-Diözese das benachbarte Schloss kürzlich als zukünftiges Kloster erworben hat, waren auch als aufmerksame Beobachter an der Wegstrecke zu sehen. Die schöne und farbenfrohe Lichterprozession endete vor der Fatima-Muttergottes im Wald. Als Wallfahrtsdirektor Menzinger nach Gebet und Dankesworten den Kardinal um den Pontifikalsegen bat, fand eine Premiere in Maria Vesperbild statt: Zum ersten Mal stimmte ein bischöflicher Celebrans einen persönlichen Sologesang an. Turkson sang aus dem Herzen und zu Herzen gehend ein Lied auf Englisch zu Ehren der Muttergottes, der „virgin full of grace“. Mit der Bayern- und Papsthymne endete dieser kirchliche Tag der Einheit und der Sprachen.

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