Interview

Gerl-Falkovitz fordert Kurskorrektur des Synodalen Weges

Ohne ein Schisma könnten die Forderungen des Synodalen Weges nicht gebilligt werden, sagte die Religionsphilosophin und wünscht sich, dass der Papst eine rote Linie zieht.
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz zum Zölibat
Foto: Heiligenkreuz | Deutliche Worte: Der Papst müsse bei den Irrlehren des Syndoalen Weges eine rote Linie ziehen, findet Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz.  

In einem Interview mit dem „National Catholic Register“ (NCR) hat die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz eine Kurskorrektur des Synodalen Weges durch den Papst gefordert. Franziskus müsse eine rote Linie ziehen und deutlich machen, dass „die Ablehnung der katholischen Lehre über die alleinige Leitung der Kirche durch die Bischöfe, die Notwendigkeit des Priestertums, die Mission der Frauen und die Sexualmoral nicht ohne ein Schisma gebilligt werden kann“, sagte Gerl-Falkovitz.  

„Menschen sehnen sich nach Klarheit“

Die Religionsphilosophin äußerte den „starken Verdacht“, dass „die Ideen des deutschen Synodalen Weges“ außerdem „wie eine Infektion wirken“ könnten, „die sich in der Kirche ausbreitet“. Ihre Bedenken habe sie dem Papst in einem Brief persönlich mitgeteilt. Sie sei der Meinung, das Katholikenoberhaupt solle sich klar äußern, denn „so viele Menschen in Deutschland“ würden sein Urteil vermissen und seien verunsichert. „Sie sehnen sich nach Klarheit", so Gerl-Falkovitz.

Der Brief steht am Ende einer langen Liste von korrigierenden Äußerungen, die Gerl-Falkovitz bereits zum Synodalen Weg gemacht hat. Ihre Wortbeiträge seien in den Sitzungen des Forum III zu "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ allerdings „nicht in die endgültigen Texte des Forum III integriert“ worden, kritisiert die Synodale, die ihre Mitarbeit im Forum inzwischen aufgekündigt hat. Ihre Beiträge könne man aber auf einer Homepage der Diözese Regensburg nachlesen, auf der Bischof Rudolf Voderholzer die Stellungnahmen der Minderheit der Synodaldelegierten veröffentlicht.

Nur bestimmte Meinungen sind erwünscht 

Es habe sich gezeigt, dass auf dem Synodalen Weg "nur bestimmte Meinungen erwünscht waren“, berichtet Gerl-Falkovitz. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hätte besonders großen Einfluss, obwohl „die (innen-)politische Rolle der Katholiken“ immer ihr wesentliches Ziel gewesen sei — „nicht aber die Reform der Kirche selbst oder eine grundsätzliche Kritik an der Kirche“. Nicht alle Mitglieder brächten „theologischen Sachverstand“ mit , da viele von ihnen Politiker und Leiter von katholischen Organisationen seien, die sich mit dem sozialen und öffentlichen Leben befassten. Zudem repräsentierten sie "den katholischen Teil der deutschen Bevölkerung" nicht, da sie nicht demokratisch gewählt worden seien.

Sie habe den Eindruck, "dass sich die Bischöfe nach der Missbrauchskrise 2018 hilflos fühlten und verzweifelt nach Hilfe von Laien suchten". Das Problem dabei sei das Verfahren dieses Reformprozesses: "Ein Mann eine Stimme - unabhängig von der theologischen Befähigung, der realen Gebets- und Frömmigkeitspraxis und unabhängig davon, ob man geweiht und der Kirche durch Gelübde ausdrücklich verpflichtet ist."

Keine Grundlage in Kirchenrecht und der katholischen Tradition

Zu den inhaltlichen Entgleisungen lässt sie Papst Franziskus sprechen. Der habe im Juli eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er gesagt habe, „der Synodale Weg sei nicht befugt, ,die Bischöfe und die Gläubigen zu zwingen, neue Formen der Leitung und neue Ansätze in Lehre und Moral anzunehmen‘", zitiert Gerl-Falkovitz und fährt fort: „Dennoch schlug die Synodenversammlung im September die Schaffung eines ständigen Gremiums vor, das sich aus Laien und Bischöfen zusammensetzt und die Ortskirche beaufsichtigen soll.“

Die Philosophin sieht dies problematisch: Sowohl das Kirchenrecht als auch die katholische Tradition seien strikt gegen dieses Konzept. Zudem sei völlig unklar, „wie Laien theologisch legitimiert werden, gemeinsam mit Bischöfen die Diözesen zu leiten“, stellt Gerl-Falkovitz fest. Sie hofft, dass dies nicht nur aktuelle, sondern auch in der Zukunft ein „starkes Streitthema mit Rom“ sein wird und bis zur letzten Sitzung im März 2023 auch grundsätzlich für den Synodalen Weg „ein anderer, starker geistlicher Impuls die Richtung ändert“. 

Zurzeit noch würden die führenden deutschen Bischöfe versuchen, die Ängste in Rom in Bezug auf den Synodalen Weg zu beschwichtigen. „Aber“, so Gerl-Falkovitz, „Rom muss noch ein Urteil fällen über eine Theologie und eine Ethik, die so offen vom Neuen Testament und der Tradition der Kirche abweicht.“  DT/dsc

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