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Gadecki: „Die Zerstörung des Christentums könnte von Europa ausgehen“

Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanisław  Gądecki, bekräftigt im Interview mit der „Tagespost“ seine Bedenken zum Synodalen Weg in Deutschland.
Stanislaw Gadecki Im Interview mit der „Tagespost“
Foto: IMAGO/Mateusz Wlodarczyk (www.imago-images.de) | Im Interview mit der „Tagespost“ spricht Stanislaw Gadecki über den anstehende Bischofssynode, den Synodalen Weg und katholische Theologie in Deutschland.

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof  Stanisław Gądecki,  hat sich im Interview mit der „Tagespost“ erneut kritisch zum Synodalen Weg geäußert. „Heute scheint es die größte Krise der Kirche in Deutschland seit der Reformation zu geben“, so der Metropolit von Posen (Pozna). Es bestehe eine große Gefahr, dass eine falsch verstandene Reform des Christentums erneut zu einer Spaltung der Kirche führen werden, die auf die Nachbarländer übergreift. Es sei wichtig, die Bedeutung der brüderlichen Korrektur richtig zu verstehen. „Manche mögen sie mit der Überhöhung der einen über die anderen in Verbindung bringen, aber wir tun es mit Tränen“, so der Erzbischof. Auch die polnische Kirche habe eigene Probleme.

Gądecki betonte die Aktualität des Briefes, den er an Bischof Bätzing als Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz im Februar gerichtet hatte. Darin hatte Gadecki Anliegen der Handlungstexte des Synodalen Weges kritisiert, die ihm zufolge nicht immer auf dem Evangelium beruhten. Er habe in brüderlicher Beziehung keine Entscheidung für den Limburger Bischof treffen, sondern auf die Risiken hinweisen wollen, die „falsche pastorale Entscheidungen und lehrmäßige Verwirrung“ mit sich bringen können. 

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Intellektuelle Missstände in deutscher Theologie

In Deutschland habe die Abkopplung der akademischen Theologie von der Seelsorge und der pastoralen Verantwortung zu Problemen geführt. Laut Gądecki gebe es dort intellektuelle Missstände, auch wenn die deutsche Theologie, zum Beispiel die Benedikt XVI., wertvolle Leistungen erbracht habe. In der Theologie gehe es letztlich um das Heil des Menschen, weshalb Professoren in ständigem Kontakt mit der Seelsorge stehen sollten, so Gądecki. Der Erzbischof warnte auch vor „Minderwertigkeitskomplexen“ von Theologen gegenüber Wissenschaftlern anderer Disziplinen, die das Bedürfnis hätten, sich selbst zu beweisen, dass er diesen Kollegen nicht unterlegen sei.


Der bevorstehenden Bischofssynode sehe Gądecki mit Sorge entgegen. Er sehe Schwierigkeiten dort, wo die Prozesse der Säkularisierung und Entchristlichung der Kultur relativ schnell voranschritten. So sei die „Inklusion“, wie die von der UNO definiert werde, ausschließlich auf die Einbeziehung von nicht-binären Menschen in die Gesellschaft bezogen. Der Begriff des Nicht-Binären sei aber nicht Teil des klassischen Vokabulars der christlichen Theologie. „Ist es für die Kirche – auf der Suche nach einer neuen Sprache für die Kommunikation mit den Menschen von heute – angemessen, Begriffe aus der politischen Sprache der UNO zu übernehmen, hinter denen oft eine Ideologie steht?“, fragt Gądecki. Parallel werde die theologische Kategorie des „Dienstes“ in der synodalen Diskussion häufig durch die soziologische Kategorie der „Elite“ ersetzt. Das könne nicht nur zu Klerikalismus sondern auch zur Klerikalisierung der Laien unter dem Deckmantel der Förderung der Laien führen. Gądecki erwarte hingegen nicht, dass die Kirche dogmatische Änderungen im synodalen Modus vornehmen werde. DT/sdu

Das vollständige Interview mit Erzbischof Stanisław  Gądecki finden Sie in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

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