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Eine Warnung vor synodalen Irrwegen und Sackgassen

Kardinal Schönborn kritisiert den deutschen Synodalen Weg und setzt Wegweiser für den weltkirchlichen Synodalen Prozess – mit klarer Ekklesiologie und betonter Christozentrik.
Österreichische Bischöfe zu Responsum der Glaubenskongregation
Foto: Georg Hochmuth (APA) | Kardinal Schönborn bezweifelt, „dass Missbrauch in der Kirche geschehen ist, weil es keine Gewaltenteilung im Sinne demokratischer Rechtsstaaten gibt“.

Weltkirchlich betrachtet dient der deutsche Synodale Weg vor allem als abschreckendes Beispiel. Das wird deutlich, wenn ein so diplomatischer und konsensorientierter Kirchenfürst wie der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, sichtbare Warn- und Stoppschilder aufstellt. Er kritisiert nun im Gespräch mit „Communio“, dass bei der 3. Synodalversammlung über die Zukunft des geweihten Amtes abgestimmt wurde: Hier sei „etwas falsch gelaufen“, über diese Frage „kann man nicht synodal verhandeln“, da hätte „das Präsidium einschreiten müssen“, denn es handle sich um ein nicht verhandelbares Thema, so Schönborn.

Kritik am kirchenpolitischen Missbrauch des Missbrauchs 

Befremdet zeigt sich der Wiener Kardinal auch, „dass man so schnell vom Missbrauchsthema zu Kirchenverfassungsfragen übergeht“. Er bezweifle, „dass Missbrauch in der Kirche geschehen ist, weil es keine Gewaltenteilung im Sinne demokratischer Rechtsstaaten gibt“. Um seine Wortmeldung einzuordnen, muss man wissen, dass Schönborn seit der Debatte um seinen Vorgänger im Jahr 1995 mit der Missbrauchsfrage befasst und diesbezüglich durchaus emotionalisiert ist.

Wenn er nun den kirchenpolitischen Missbrauch des Missbrauchs kritisiert, wenn er die Rede von einem „Lehramt der Betroffenen“ als „Instrumentalisierung des Missbrauchs“ entlarvt, wenn er die Legitimation des ZdK betont kritisch hinterfragt, dann wird klar, dass beim Synodalen Weg etwas völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

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Doch Kardinal Schönborn geht im „Communio“-Interview noch weiter und versucht, Synodalität in ein Gesamt der katholischen Ekklesiologie einzubetten. Das ist im Sinn von Papst Franziskus, der davor gewarnt hat, Synodalität mit einem Kirchenparlament und simpler Mehrheitssuche zu verwechseln. Schönborn warnt, dass ein bloß pragmatischer oder soziologischer Versuch, synodal zu agieren, in die Irre gehen müsse. Die Kirche ist eben weder Staat noch Verein oder Firma, sondern „Sakrament des Heils“, wie Schönborn unter Berufung auf „Lumen gentium“ („die Magna Charta für den Weg der Kirche“) betont.

Schönborns Thesen lassen sich als Kritik am deutschen Synodalen Weg wie auch als Spielregeln für den weltweiten Synodalen Prozess lesen. Der mit römischen Bischofssynoden erfahrene Wiener Kardinal versteht Synodalität als „geistlichen Weg des Suchens, des Betens und Bittens, ja als Prozess des Unterscheidens“. Aber eben in einem geistlichen, nicht politischen Sinn, denn es gehe um die Wege des Herrn.

Ohne Glaubensreflexion gib t es nur verkürzte Resultate 

Die christozentrische Ausrichtung dieser Suche ist für Schönborn die einzige Garantie, nicht in „Irrwege oder Sackgassen“ zu geraten. Wer meint, sich die Theologie sparen und pragmatische Abkürzungen nehmen zu können, stößt hier auf Widerspruch: „Wer sich dieser Mühe der Glaubensreflexion entschlägt, wird nur verkürzte Resultate haben.“ Auch der Bischof sei „nicht frei zu lehren, was er will“, sondern stets „rückgebunden an die Verfassung der Kirche“, mahnt Schönborn. Also ein Diener, kein Despot.

Noch ein weiteres Sicherheitsnetz baut der Wiener Kardinal ein, indem er daran erinnert, dass die Kirche ein „lebendiger Organismus“ quer durch die Zeiten ist, also aus irdischer und himmlischer Kirche besteht. Das vermeintlich Zeitgemäße muss sich also daran messen lassen, ob es auch der Tradition und der Ewigkeit gemäß ist. Ob Schönborns deutliche und argumentierte Bedenken von den Akteuren des Synodalen Wegs ernst genommen werden? Die auf „Katholisch.de“ publizierte Replik des Fundamentaltheologen Gregor Hoff, der dazu aufruft, „die systemischen Ursachen“ des Missbrauchs „zu durchbrechen“, lässt daran zweifeln.

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