IM BLICKPUNKT

Ein Papst, der die Prozesse liebt

Die Weltsynode um ein Jahr zu verlängern, war eine Entscheidung des Papstes, die selbst das römische Synodensekretariat überrascht hat. Soll die Basis der Gläubigen das Lehramt ersetzen?
Papst Franziskus: Gläubige warten auf klare Lehre
Foto: Andrew Medichini (AP) | Wenn der Papst auf die Leute hören würde, könnte er feststellen, dass viele darauf warten, dass die Lehre der Kirche wieder rein und klar dargestellt wird und die Verunsicherung durch Synodale Wege ein Ende findet.

Es gibt da ein Missverständnis. Viele meinen, der seit einem Jahr laufende Prozess einer zunächst auf zwei Jahre angelegten Weltsynode diene dazu, ganz bestimmte Reformen in der universalen Kirche umzusetzen. So hieß es etwa am Ende des Beratungs- und Konsultationsprozesses in Österreich, viele Gläubige wünschten mehr Mitwirkung von Laien in der Liturgie, einen pastoralen Umgang mit Menschen in irregulären Beziehungen, Frauenweihe, die Lockerung des Zölibats und ein Überdenken der kirchlichen Sexualmoral.

Mission statt konkreter Agenda

Aber genau das ist es nicht, was Papst Franziskus wollte. Anders auch als beim Synodalen Weg in Deutschland geht es bei der Weltsynode nicht um eine konkrete Agenda, sondern um Dialog und Unterscheidung, um mehr Partizipation der Gläubigen, um die Teilhabe der Basis, die die Mission beflügeln soll.

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Jetzt kam die Nachricht, dass Franziskus die Weltsynode um ein Jahr verlängert hat und diese erst 2024 enden soll. Das römische Synodensekretariat war offenbar überrascht. Synodalität hat ihre Grenzen, wenn der Papst seine einsamen Entscheidungen fällt und sie dann beim Gebet des „Angelus“ öffentlich macht, ohne vorher die Kurie von seinen Plänen in Kenntnis zu setzen.

Weg des Hörens und der Unterscheidung

Noch am gleich Sonntag reichte das Synodensekretariat eine etwas verlegene Erklärung nach: Die kommende Bischofssynode werde nach der Ankündigung des Papstes wohl in zwei Sessionen stattfinden. Eine – wie geplant – vom 6. bis 29. Oktober 2023, und eine zweite im Oktober 2024. „Von Anfang an hat das Generalsekretariat der Synode“, heißt es in der Mitteilung weiter, „den Weg des Hörens und der Unterscheidung gewählt... In den nächsten Wochen werden wir unsere Unterscheidung fortsetzen, um die Feier der beiden Sessionen der 16. Ordentlichen Versammlung der Bischofssynode und die dazwischenliegende Zeit besser zu definieren. Zu gegebener Zeit werden wir uns dazu äußern“.

Zu gegebener Zeit: Vielleicht dann, wenn sich der Papst ganz synodal einmal mit dem Synodensekretariat darüber verständigt, was am Ende bei dem Mammutunternehmen einer zwei Mal dreiwöchigen Synode mit Bischöfen aus aller Welt herauskommen soll. Offenbar will Franziskus, dass die Ergebnisse der Synode im Oktober 2023 wieder an die Basis, zum gläubigen Volk Gottes gelangen und dort reflektiert werden. Ein Jahr später soll dann nochmals Bilanz gezogen werden.

Gläubige warten auf klare Lehre

Haben die Gläubigen wirklich gelernt, (auf wen?) zu hören und (was?) zu unterscheiden? Von dort ist der Übergang zum Jahr 2025 nicht mehr weit, wenn ein Heiliges Jahr auf die katholische Kirche wartet. Der Papst bleibt seiner Devise treu, Prozesse anzustoßen und Steine ins Wasser zu werfen, damit sie Kreise ziehen. Ergebnis: offen. Wenn der Papst auf die Leute hören würde, könnte er feststellen, dass viele Gläubige darauf warten, dass die Lehre der Kirche wieder rein und klar dargestellt wird und die Zeit der Verunsicherung durch Synodale Wege und ganze Heerscharen von Theologen ein Ende findet.

Dafür zu sorgen, ist eigentlich Aufgabe der Bischöfe in Einheit mit dem Papst, der der Garant der Einheit unter ihnen ist. Franziskus hat vielleicht ein anderes Ziel: Dass der Heilige Geist die ganze Kirche erfasst und alle zusammen, von den Bischöfen bis hin zu den Gläubigen, im Hören und Unterscheiden erfassen, was das Gebot der Stunde ist. Die Realität sieht aber anders auch. Nur ein Bruchteil der Gläubigen hat sich an den Konsultationsprozessen beteiligt. Und der Part, der eigentlich dem Heiligen Geist zukommen sollte, übernehmen derweil der Papst selber und das römische Synodensekretariat.

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