DBK-Vollversammlung

„Echte Synodalität statt neue Strukturen“

Nuntius Nikola Eterovic übt auf der DBK-Vollversammlung subtile Kritik am Vorgehen des Synodalen Weges.
Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt das Diplomatische Corps Deutschland Meseberg 09 07 2019 I
Foto: Christian Spicker via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Bezugnehmend auf den Synodalen Weg in Deutschland legte Nuntius Nikola Eterović den Bischöfe den Begriff der Syndolität aus.

Subtil, aber deutlich stellte der Nuntius, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, in seinem Grußwort auf der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda die Vorgehensweisen auf dem Synodalen Weg in Frage. Indem er die Bedeutung von Synodalität, Kollegialität und Gemeinschaft entfaltete, korrigierte er gewissenmaßen den Kurs dieses Reformprozesses und appellierte an die Bischöfe, sich ihre Aufgabe als Hirten wieder bewusst vor Augen zu führen, sich kritisch selbst zu hinterfragen, ob der eingeschlagene Kurs auch mit der Richtung übereinstimme, die Papst Franziskus vorgegeben hat

Ziel von Synodalität ist Mission

Ausgehend vom Begriff der Synodalität erinnerte der Nuntius an Worte von Papst Franziskus im „Brief an das pilgernde Volk in Deutschland“ von 2019: Wesentlich sei, dass man sich mit dem Geist Gottes auf den Weg mache, „unter seiner Führung und seinem Aufrütteln, um das Hinhören zu lernen“. Synodalität, die eine Gabe des Heiligen Geistes sei, ziele „auf die Mission als Hinausgehen in die ganze Welt, um das Evangelium jeder Kreatur zu verkünden“. 

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Und wenn Entscheidungen anstünden, „die alle betreffen“, müsse die Weltkirche mit einbezogen werden, schärfte der Nuntius den Bischöfen ein. Das sei von fundamentaler Bedeutung für eine wahre Kollegialität und Gemeinschaft unter Bischöfen und Gläubigen gleichermaßen. Kirchliche Synodalität verwirkliche sich somit in der communio sowohl auf Orts- wie auf Weltebene. Das erst sei echte bischöfliche Kollegialität und Gemeinschaft nach Maßgabe des Zweiten Vatikanums. Wobei Gemeinschaft neben den menschlichen Beziehungen auch die Communio mit Gott einschließe und "vor allem in der Eucharistie und im Bischofsamt verwurzelt" sei.

Im Gleichschritt mit dem Papst

Ekklesiologisch betrachtet sei Gemeinschaft „die sakramentale Grundhaltung der bischöflichen Kollegialität“, erklärte Eterović. Kollegiales Tun impliziere, dass Bischöfe im Gleichschritt mit dem Papst gehen. Die kommende Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode solle die Bedeutung des Begriffs der Synodalität weiter klären, appellierte der Nuntius.

Besonders kritisierte er die Vorgänge, nach denen hohe Zustimmungsraten erreicht werden sollten. Der Papst habe hier vor einem Parlamentarismus gewarnt, erinnerte Eterović. Durch Parlamentarisus verkomme die Synode zur Meinungsumfrage, „Mehrheiten und Minderheiten“ würde sich etablieren und „mit angemessenem Druck“ sollen dann „die angestrebten Ziele erreicht werden“. Dabei müssten „alle Abstimmungen der Synodalversammlung“ geheim geschehen, mahnte er. Auf der jüngsten Synodalvollversammlung ist die Möglichkeit einer geheimen Abstimmung gekappt worden.

Die Freiheit der Bischöfe wahren

Die geheime Abstimmung sei seit Jahrhunderten Usus bei wichtigen Abstimmungen in der Kirche, auch bei Synoden, „die viele von Euch aus eigener Erfahrung kennen“. Es brauche viel Gebet sowie Pausen des Schweigens und er Reflexion. Normalerweise seien sogar Journalisten gar nicht zugelassen, „um die Freiheit der Bischöfe zu wahren“.

Wieder den Papst zitierend betonte der Nuntius die Bedeutung der persönlichen Umkehr und schob deutschen Alleingängen einen Riegel vor: „Die apostolische Kollegialität und die Einheit mit dem Nachfolger Petri muss die Bekehrung und die Reform der Kirche auf jeder Ebene beseelen.“ 

Nicht befugt, neue Strukturen zu etablieren

Der Synodale Weg sei nicht befugt, „die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten“. Das würde sowohl die kirchliche Gemeinschaft verletzen als auch die Einheit der Kirche bedrohen, zitierte er weiter aus der jüngsten Erklärung des Heiligen Stuhls

Statt neue Strukturen zu etablieren, müsse es darum gehen, echte Synodalität zu leben, sagte Eterović und gab den Bischöfen abschließend die Marschrichtung vor: „Bitten wir den Heiligen Geist, er möge uns auf diesem synodalen Weg nach dem Beispiel der Urkirche führen, denn ,sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten‘“.  DT/dsc

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