Sowohl der Apostolische Nuntius Nikola Eterović als auch Kardinal Rainer Maria Woelki nutzten die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), um den Bischöfen jeweils klare Wegweisungen mitzugeben: Eterović mahnte mit Blick auf Reformen zu Einheit, Nächstenliebe und Gehorsam gegenüber dem Papst, während Woelki dazu aufrief, Entscheidungen im gemeinsamen Hören auf den Willen Gottes zu treffen.
In seinem vermutlich letzten Grußwort zur Frühjahrsvollversammlung der DBK hob Eterović die Nächstenliebe als zentrales Prinzip kirchlichen Lebens hervor und warnte mit Blick auf deutschen Kirchenreformen vor Spaltungen in der Kirche: „Eine Kirche, die der Liebe keine Grenzen setzt, die keine zu bekämpfenden Feinde kennt, sondern nur Männer und Frauen, die es zu lieben gilt, das ist die Kirche, die die Welt heute braucht“, zitierte er aus der Enzyklika „Dilexit te“ von Papst Leo XIV..
Am Beispiel von Marcantonio de Dominis, einem früheren Erzbischof von Split (Kroatien), einem Theologen und Reformdenker, dessen Reformbemühungen „ihn in Konflikt mit dem Papsttum brachten“, verdeutlichte Eterović, „dass der gute Wille zur Durchführung von Kirchenreformen und selbst der Gebrauch von an sich gültigen Formeln mitunter zu Spaltung und sogar Schisma führen können“. Garant dieser Einheit sei der Papst als Hirte der Universalkirche.
In seiner Predigt am Dienstag betonte der Kölner Kardinal Woelki, dass Einheit und Synodalität nicht durch Strukturen oder menschliche Macht gesichert werden, sondern aus der Liebe Jesu Christi erwachsen, die konkret in der Gemeinschaft, im Glauben und im Zeugnis erfahrbar sei. Jesus fordere seine Jünger auf, unter allen Umständen und zu allen Zeiten in der Liebe Christi zu bleiben, sie zu bewahren und zu bezeugen.
Praktische Nächstenliebe
Während Woelki die Liebe Gottes im Kontext der Einheit der Kirche betrachtete, die nicht durch äußere Maßnahmen gesichert werden könne, „sondern ausschließlich durch das Bleiben in seiner Liebe“, fokussierte sich Eterović im weiteren Verlauf seiner Rede auf die gelebte Nächstenliebe als ordnendes Prinzip für kirchliche Vielfalt. Seine Ausführungen kulminierten in dem bekannten lateinischen Satz, den der heilige Johannes XXIII. In seiner ersten Enzyklika „Ad Petri Cathedram” aufgegriffen hatte: „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas“ (im Notwendigen die Einheit wahren, im Zweifel Freiheit geben, in allem herrsche die Nächstenliebe).
Damit zeigte Eterović, dass Nächstenliebe „keine Einheitlichkeit im Denken und Handeln“ erzwinge, „sondern Einheit in legitimer Vielfalt: der Theologien, der Spiritualität, der liturgischen Riten und der pastoralen Erfahrungen“. Nächstenliebe sei keine theoretische Reflexion, sondern konkrete Haltung, wie sie die Jünger Christi bereits in der Urgemeinde zeigten. Die Apostel organisierten Hilfen für Witwen, während sie selbst die Verkündigung fortführten.
Geschichtsverändernde Kraft der Nächstenliebe
„In der urchristlichen Gemeinde beruhte das Programm der Nächstenliebe nicht auf Analysen oder Projekten, sondern direkt auf dem Beispiel Jesu, auf den Worten des Evangeliums selbst", so der Nuntius. Nächstenliebe sei „nicht etwas Optionales, sondern das Kriterium für den wahren Gottesdienst." Sie sei eine „geschichtsverändernde Kraft“ und die Quelle, aus der sich „alles Bemühen, die strukturellen Ursachen der Armut zu beheben“ speisen müsse.
Abschließend verband Eterović die biblische Tradition mit der Gegenwart, die sozial, politisch und humanitär vor großen Herausforderungen stehe: Die Haltung des guten Samariters solle Leitlinie für christliches Handeln sein. Nächstenliebe müsse das gesamte Leben durchdringen, angefangen bei der Gemeinschaft der Glieder der Kirche, sagte der Nuntius und schloss mit den Worten Leos XIV.: „Das heißt es Christ zu sein.“ DT/dsc
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