Halbzeit bei Papst Leos bisher längster Auslandsreise: Mit einem Gottesdienst auf dem Flughafengelände von Yaoundé hat der Heilige Vater seinen dreitägigen Besuch in Kamerun beendet und reist heute nach Angola weiter. Nach Algerien, wo Leo XIV. einer kleinen katholischen Minderheit in einer weitgehend muslimisch geprägten Gesellschaft begegnet ist, war Kamerun eine Station in einem Land, in dem die Christen eine Mehrheit darstellen und die katholische Ortskirche blüht und überall öffentlich sichtbar ist. „Die Kirche in Kamerun ist lebendig, jung, reich an Gaben und Begeisterung, lebendig in ihrer Vielfalt und wundervoll in ihrer Eintracht“, lobte der Papst die Katholiken am Ende seiner Predigt am Flughafen, nachdem ihm die Gläubigen einen begeisterten Empfang bereitet hatten.
Das Papamobil mit Leo XIV. war vor der Messe mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit durch die Reihen der Menschen gefahren, die einheimischen Leibwächter erwiesen sich als geübte Läufer, um neben dem Wagen Schritt zu halten. Dennoch begann der Gottesdienst mit einer Verspätung von 25 Minuten. In Douala am Vortag war eine halbe Million meist junger Menschen zur Freiluftmesse mit Leo XIV. zusammengekommen, jetzt auf dem Flughafengelände von Yaoundé war es wieder eine mehrere Hunderttausend umfassende Menschenmenge.
Afrika schenkt der ganzen Kirche Kraft
In seinen Dankesworten drückte Erzbischof Jean Mbarga von Yaoundé die Hoffnung aus, dass von der jungen Kirche Kameruns ein Signal ausgehe: „Mit Ihnen und durch Sie wird die Kirche in Afrika, treu zu Christus, der seit mehr als zwei Jahrtausenden der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, eine beständige Kraft der Versöhnung, des Friedens und der Gerechtigkeit im Herzen des Kontinents bleiben. Mit Ihnen und durch Sie wird Afrika der Kirche weiterhin die Kraft seiner lebendigen Energie, den Reichtum seiner Kultur und die Tiefe seines Glaubens schenken, für eine beständige Verkörperung des Evangeliums in ihrem Inneren.“
Das Wort Jesu an die Jünger auf stürmischer See, „Fürchtet euch nicht“, war das Thema der Predigt des Papstes. Die Kirche habe auf ihrem Weg durch die Jahrhunderte oft Stürme und „Gegenwinde“ erlebt, sagte Leo XIV. und man könne sich manchmal in die Gefühle der Angst und des Zweifels hineinversetzen, die die Jünger während der Überfahrt über den See Gennesaret empfunden hätten. Es gebe Momente, „in denen wir unterzugehen scheinen, überwältigt von widrigen Kräften, wenn alles dunkel zu sein scheint und wir uns allein und schwach fühlen“. Doch so sei es nicht: „Jesus ist bei uns, immer, stärker als jede Macht des Bösen; in jedem Sturm kommt er zu uns und sagt uns erneut: Ich bin hier bei dir: Fürchte dich nicht.“
Das Geistliche nicht vom Sozialen trennen
So wie Jesus uns nahe sei, fuhr der Papst fort, so lade er auch dazu ein, untereinander wie die Jünger im selben Boot solidarisch im selben Boot zu sein. „Der Glaube trennt das Geistliche nicht vom Sozialen, sondern gibt dem Christen vielmehr die Kraft, mit der Welt in Beziehung zu stehen, um auf die Bedürfnisse der anderen, insbesondere der Schwächsten, einzugehen.“ Für das Heil einer Gemeinschaft, so der Papst, würden die individuellen und isolierten Bemühungen einzelner Menschen nicht ausreichen. „Es bedarf einer gemeinsamen Entscheidung, die die geistliche und ethische Dimension des Evangeliums in das Herz der Institutionen und Strukturen integriert und sie zu Werkzeugen für das Gemeinwohl macht statt zu Schauplätzen von Konflikten, Eigeninteressen oder fruchtlosen Kämpfen.“
Eine der Schwierigkeiten der jungen Kirche sei die rasche Zunahme der Getauften gewesen, meinte Papst Leo weiter. Der tägliche Dienst an den Armen sei eine wesentliche Praxis in der Urkirche gewesen und habe darauf abgezielt, die Schwächsten zu unterstützen, insbesondere Waisen und Witwen. „Manche jedoch wurden bei der Essensausgabe vernachlässigt, weshalb das Murren zunimmt und ein Gefühl der Ungerechtigkeit die Einheit bedroht“ – eine Herausforderung, der die Apostel allein nicht mehr gerecht werden konnten. „Die Apostel versammelten sich also“, sagte der Papst, „tauschten ihre Sorgen aus, beratschlagten im Lichte der Lehren Jesu und beteten gemeinsam, wodurch es ihnen gelang, Hindernisse und Missverständnisse zu überwinden, die auf den ersten Blick unüberwindbar schienen.“
Der Mut, Strukturen zu verändern
Auf diese Weise hätten die Apostel etwas Neues geschaffen, fuhr Leo XIV, fort, indem sie „Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ ausgewählt und sie durch Handauflegung zu einem praktischen Dienst bestimmt hätten, der zugleich eine geistliche Mission gewesen sei. „Indem sie auf die Stimme des Heiligen Geistes hörten und auf den Schrei der Leidenden achteten, haben sie nicht nur einen Bruch innerhalb der Gemeinschaft verhindert, sondern diese auch durch göttliche Inspiration mit neuen und für ihr Wachstum geeigneten Mitteln versehen. So verwandelten sie einen Moment der Krise in eine Gelegenheit der Bereicherung und Entwicklung für alle.“
Manchmal erfordere das Leben einer Familie und einer Gesellschaft auch dies: „den Mut, Gewohnheiten und Strukturen zu verändern“, damit die Würde des Menschen stets im Mittelpunkt bleibe und Ungleichheiten und Ausgrenzungen überwunden würden.
Nach der Messe auf dem Flughafengelände verabschiedete sich Papst Leo von den Bischöfen Kameruns und den zivilen Autoritäten und reiste nach Angola weiter, der dritten und vorletzten Station seiner Afrikareise.
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