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Papst: „Afrika muss von der Plage der Korruption befreit werden“

Vor Vertretern der akademischen Welt warnt Leo XIV. vor digitaler Entfremdung, moralischer Erosion und Korruption – und ruft Afrikas Jugend auf, dem eigenen Land zu dienen.
Papst Leo besucht die Katholische Universität Zentralafrikas
Foto: IMAGO/Luca Zennaro (www.imago-images.de) | Bei seinem Besuch der Katholischen Universität Zentralafrikas in Douala sprach Papst Leo vor Studenten und Dozenten.

Nach einem privaten Besuch im katholischen Krankenhaus „Saint Paul“ in Yaoundé in Kamerun ist Papst Leo XIV. im Rahmen seiner Afrikareise an der Katholischen Universität Zentralafrikas in Douala mit Vertretern der akademischen Welt zusammengetroffen. Dabei würdigte er die Hochschule als „einen Leuchtturm“, der „der Kirche und Afrika bei ihrer Suche nach der Wahrheit und bei der Förderung von Gerechtigkeit und Solidarität zugutekommt“.

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Afrika könne, so Leo XIV., „einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die allzu engen Horizonte einer Menschheit zu erweitern, der es schwerfällt, zu hoffen“. Forschung müsse sich auf dem Kontinent „interdisziplinären, internationalen und interkulturellen Perspektiven öffnen“. Zugleich sei es nötig, den Glauben in den heutigen kulturellen und gesellschaftlichen Herausforderungen neu zur Sprache zu bringen, damit seine Schönheit und Glaubwürdigkeit auch dort sichtbar werde, wo Ungerechtigkeit, Konflikte und geistlicher Verfall herrschten.

Wahre „Kultur der Begegnung“ notwendig

Mit Verweis auf Papst Franziskus erinnerte Leo XIV. an die Notwendigkeit „einer wahren Kultur der Begegnung“. Universitäten – und erst recht katholische Hochschulen – müssten echte Lebens- und Forschungsgemeinschaften sein, in denen Studenten und Lehrende „die Erfahrung der Freude der Wahrheit machen“.

Besonders eindringlich sprach der Papst über Gewissen und Verantwortung. Keine Gesellschaft könne gedeihen, wenn sie sich nicht auf „redliche Gewissen“ gründe, die zur Wahrheit erzogen seien. Das Leitwort der Universität, „Im Dienst der Wahrheit und der Gerechtigkeit“, bedeute deshalb den Auftrag, freie und gebildete Gewissen zu formen. Das Gewissen sei jenes „innere Heiligtum“, in dem der Mensch lerne, in Freiheit nach dem zu suchen, „was wahr und recht ist“.

Mit Nachdruck wandte sich Leo XIV. auch der digitalen Revolution und der künstlichen Intelligenz zu. Christen – insbesondere junge Afrikaner – sollten keine Angst vor den „neuen Medien“ haben. Gerade die Universität könne „Pioniere eines neuen Humanismus“ hervorbringen. Doch technisches Wissen allein reiche nicht aus; nötig sei eine humanistische Bildung, die wirtschaftliche Interessen, Vorurteile und Machtstrukturen sichtbar mache.

Wenn sich die Beziehung zur Wahrheit selbst verändert

In digitalen Räumen drohe die persönliche Begegnung überflüssig zu werden, warnte er. Beziehungen würden auf funktionale Reaktionen reduziert, Andersheit neutralisiert. Dem hielt er entgegen: „Ihr seid jedoch ganz reale Menschen!“ Wenn virtuelle Simulationen zur Norm würden, verkümmerten Urteilsfähigkeit und soziale Bindungen; Polarisierung, Angst und Gewalt nähmen zu. Dann gehe es nicht nur um Irrtum, sondern darum, dass sich „die Beziehung zur Wahrheit selbst verändert“.

Zugleich beklagte der Papst eine Erosion moralischer Maßstäbe, auch in Kamerun. Gerade deshalb müsse die Katholische Universität eine führende Rolle übernehmen: Sie vermittle nicht nur Wissen, sondern bilde Menschen mit kritischer Urteilskraft aus, die zu Liebe und Dienst bereit seien. Den Studenten rief er angesichts der Versuchung zur Auswanderung zu, sie sollten dem eigenen Land dienen und ihr Wissen zum Wohl ihrer Mitbürger einsetzen. Die Dozenten mahnte er, „Gerechtigkeit und Fairness, Integrität, einen Geist des Dienens und der Verantwortung“ vorzuleben. Afrika müsse „von der Plage der Korruption befreit werden“. Dafür erntete er besonderen Beifall von den Anwesenden.

Rektor Thomas Bienvenu Tchoungui begrüßte den Papst „mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit“. Die Universität gehe auf die „prophetische Vision“ Johannes Pauls II. zurück und habe sich seit 1991 von 135 Studenten zu einem Netzwerk mit mehr als zehn Standorten und 8.000 Studenten entwickelt. „Sie sind hier bei sich zu Hause“, sagte der Rektor. Er stellte zudem mehrere Zukunftsprojekte vor, darunter ein Friedenszentrum, einen Augustinus-Kongress und ein Universitätsklinikum, das den Namen „Pape Léon XIV“ tragen solle.

„Ihre Gegenwart unter uns ist ein Zeichen der Hoffnung“

Auch aus der Studentenschaft kamen herzliche Worte. Eine Studentin sagte dem Papst: „Ihre Gegenwart unter uns ist ein Zeichen der Hoffnung.“ Bildung sei „ein Privileg, aber auch eine Verantwortung“. Man wolle zu integren Frauen und Männern im Dienst von Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung werden. Zugleich bat sie unter lautem Beifall der anwesenden Studenten um mehr Stipendien und bessere Infrastruktur. Sie verdeutlichte aber, dass es den Studenten nicht nur um materielle Unterstützung gehe. „Wir bitten vor allem um ein Wort der Ermutigung, ein Licht, das uns bei unseren Entscheidungen leitet.“ Ein spanischsprachiger Studentenvertreter sprach von einem „Herzen voller Rührung“ und sagte: „Der Traum ist Wirklichkeit geworden.“ Den Papst nannte er einen „Botschafter und Apostel des Friedens“.

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José García Leo XIV. Papstreisen

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