Straßensperrungen, überfüllte U-Bahnen, Demos, Baustellen, Staus. Die Madrilenen sind einiges gewohnt, wenn Staatsbesuche, Großevents oder internationale Messen in der spanischen Hauptstadt stattfinden. Doch am kommenden Wochenende müssen sie den „perfekten Sturm“ ertragen: Neben dem Papstbesuch finden gleich mehrere Großveranstaltung statt.
Auch Superstar Bad Bunny ist in der Stadt. Gleich über mehrere Tage füllt der Latin-Pop-Sänger aus Puerto Rico das Fußballstadion von Atletico Madrid. Zu seinen Großkonzerten werden über eine halbe Million Fans erwartet. Er gehört aktuell zu den einflussreichsten und kommerziell erfolgreichsten Musikstars der Welt.
Der Papst trifft Felipe VI. im Königspalast
Doch damit nicht genug: Neben der Madrider Buchmesse, die jährlich um die 800.000 Besucher anzieht, richtet der Fußballclub Real Madrid ausgerechnet noch am 7. Juni Präsidentschaftswahlen aus. Die 100.000 Wahlberechtigten werden ihre Stimmen aber nicht wie gewohnt im Santiago-Bernabéu-Stadion abgeben. Denn auf dem angrenzenden Lima-Platz feiert Papst Leo XIV. am 6. Juni eine Andachtsmesse mit Jugendlichen, und zwei Tage später trifft sich der Pontifex mit Zigtausenden der Madrider Diözesen im Stadion von Real Madrid.
Bis zu 1,5 Millionen Gläubige dürften die Großmessen und Veranstaltungen des Papstes in Madrid anziehen. Der Papst wird Felipe VI. im Königspalast treffen, vor dem Parlament sprechen und Fronleichnam vor dem Rathaus feiern. Für den Aufenthalt des Papstes in Madrid vom 6. bis 9. Juni mobilisiert Spanien rund 14.000 Polizisten. Es ist das größte Sicherheitsaufgebot in der Geschichte der Hauptstadt – größer noch als beim NATO-Gipfel 2022.
Zentrale Verkehrsachsen sind bereits seit Tagen gesperrt und verursachen Verkehrschaos. In den vier Tagen, in denen sich Papst Leo in der spanischen Hauptstadt befindet, kreuzt er im Papamobil gleich mehrmals die gesamte Stadt. Die Stadtverwaltung erhöhte die Frequenz der öffentlichen Verkehrsmittel, bat die Bevölkerung, aufs Auto zu verzichten. Ministerien, die Stadtverwaltung, aber auch Hunderte von Unternehmen lassen ihre Beschäftigten im Homeoffice. Madrids Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida sprach offen von „komplizierten Tagen“ für die Mobilität, versprach aber, Madrid sei auf den „außergewöhnlichen“ Zustrom von Menschen vorbereitet.
Spiritueller und wirtschaftlicher Gewinn
Über 430.000 Menschen haben sich bereits für die Veranstaltungen mit dem Papst angemeldet. Mehr als 200.000 Jugendliche werden offiziell an der geplanten Vigil teilnehmen, und über 300.000 Gläubige den Fronleichnamsgottesdienst vor dem Rathaus auf dem Cibeles-Platz besuchen. Giménez Barriocanal stellte klar, dass die Anmeldungen täglich um 10.000 steigen, zusätzlich zu all den Pilgern, die ohne Anmeldung teilnehmen werden.
Ein Zustrom, der viele Einwohner und vor allem die Pendler nervt. Doch Madrids Hotel- und Gastronomiebranche ist begeistert. Seine einwöchige Spanienreise, die den Papst auch nach Barcelona und auf die Kanarischen Inseln führt, wird einen wirtschaftlichen Effekt von mindestens 150 Millionen Euro haben, schätzte Fernando Giménez Barriocanal, Vizesekretär für Wirtschaftsangelegenheiten der Spanischen Bischofskonferenz und Finanzkoordinator des Papstbesuchs.
„Der Besuch des Heiligen Vaters wird einen spirituellen Gewinn bringen. Millionen von Menschen werden die Worte Leos XIV. in ihren Herzen aufnehmen. Er wird sie tief berühren, aber auch wirtschaftliche Auswirkungen haben“, erklärte Giménez Barriocanal.
Dem wirtschaftlichen Gewinn stehen hingegen nur 25 Millionen Euro entgegen, welche der Papstbesuch kostet. 20 Prozent dieses Reisebudget sind für die Veranstaltungen selbst vorgesehen. Der Rest deckt Logistik, Kommunikation und sonstige organisatorische Kosten. Sachspenden wie die vom Madrider Stadtrat verteilten Blumen und Banner sind darin nicht enthalten.
Wer finanziert den Besuch?
Doch wer finanziert den Besuch? 45 Prozent des Reisebudgets werden von Förderern wie Unternehmen und Stiftungen getragen. Zu diesem Betrag kommen die Mittel der Diözesen und der Bischofskonferenz hinzu, die 35 Prozent der Gesamtsumme ausmachen. „Diese Summe stammt aus den Spenden der Gläubigen“, erklärte Giménez Barriocanal. Weitere 20 Prozent des Budgets werden von den Regionalregierungen der Kanarischen Inseln und Kataloniens getragen, die – anders als Madrid und die Zentralregierung – direkte Mittel beigesteuert haben.
Die restlichen fünf Prozent werden durch Kleinspenden gesammelt. „Es ist herzerwärmend zu sehen, wie viele Menschen sich mit nur fünf oder 20 Euro an dieser Initiative beteiligen“, lobte der stellvertretende Sekretär der Bischöfe. „Wir müssen noch einen Teil des Budgets decken, und zu diesem Zweck ist eine Sonderkollekte zu Fronleichnam geplant“, fügte er hinzu.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.










