Vierte Synodalversammlung

Feindliche Übernahme der katholischen Kirche

Am letzten Versammlungstag wurde der Grundstein für die Deutsche Nationalkirche gelegt. Allerdings mit unfairen Mitteln. Persönliche Eindrücke einer Synodalen.
Vierte Synodalversammlung des Synodalen Weges
Foto: Maximilian von Lachner (Synodaler Weg / Maximilian von L) | "Ich fühle mich, als hätten wir Jesus nochmal ans Kreuz geschlagen und seine Kirche fröhlich-feierlich zu Grabe getragen", schreibt Dorothea Schmidt.

Ich habe in den vergangenen Tagen die feindliche Übernahme der katholischen Kirche miterlebt, eine Art Putsch mit verbalen Säbeln. Erst malt man von der katholischen Kirche das Bild eines Ungeheuers, indem man sie mit Etiketten dekoriert wie „menschenfeindlich“, „blutrünstig" und „diskriminierend“, „eiskalt“ und „totalitär“. Jeden, der an der Lehre der katholischen Kirche festhält, beschimpft man mit „von allen guten Geistern“ oder gleich "von Gott verlassen“. Dann stößt man sie vom Thron.

Bischöfe werden Verantwortung abgeben müssen

Früher hätte man wohl die Kleider gerissen, denke ich an diesem letzten Tag der Vierten Synodalversammlung. Mir ist schlecht. Mein Kopf brummt. Und nur die Frage, ob das, was ich hier erlebe, wirklich so ist, wie ich es erlebe, hält mich noch auf dem Sitz. Ich fasse es nicht.

Vor meinem inneren Auge sehe ich Panzer das Kirchenschiff plattfahren, um Platz zu machen für die deutsch-nationale freizügig-feministische Genderkirche. Das Fundament ist vorbereitet. In der Pressekonferenz nach der Synodalversammlung jubelt der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Exeget Thomas Söding sinngemäß, man habe den Bischofsstab des einzelnen Bischofs zumindest schon einmal verzwergt, wenn nicht sogar viel von seiner Kompetenz und Verantwortung genommen und an das neue Gremium abgegeben, das nun entstehen soll: der Synodale Rat, eine Art auf Dauer angelegter Synodaler Weg.

Abschied von der christlichen Anthropologie 

Soviel zum Narrativ, es würde keinen deutschen Sonderweg geben, man bewege sich selbstverständlich innerhalb der katholischen Lehre. Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück hat indirekt angekündigt, römische Aussagen zu ignorieren, sollten sie nicht so ausfallen wie gewünscht.

Man boxt durch, was man durchboxen will. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne Rücksicht auf die Minderheit und die kirchliche Lehre. Von Rom hat man den Blick schon lange abgewendet. Man ist dabei, die kirchliche Lehre durch die LGBT-Agenda zu ersetzen und sich von der christlichen Anthropologie zu verabschieden. Und dafür scheint jedes Mittel Recht. Das Präsidium manipuliert über jedes vorstellbare Maß hinaus.

Präsidium kappt Recht auf geheime Abstimmung

Die Mehrheit hat sogar darüber entschieden, dass die Minderheit kein Recht auf geheime Abstimmung hat. Geheim abstimmen zu können, ist ein klassisches Minderheitenrecht. Wenn hier nicht gründlich etwas schiefläuft… Wenn das Präsidium spricht, dann hat das zu gelten. Machtmissbrauch hin oder her. In diesem Fall scheint er legitim zu sein. Das alles hier ist ein so abgekartetes Spiel, das einem die Ohren schlackern.

Warum wurden Bischöfe eigentlich vor den Abstimmungen nochmal in episkopale Beratungen geschickt? Um sie nochmal einzuschwören auf das gewollte Ergebnis? Noch mehr Druck zu erzeugen? Ich hoffe nicht, aber davon ausgehen muss man fast schon nach all dem, was man hier erlebt. Wo gestern Bischöfen eingeschärft wurde, sie sollten endlich alle öffentlich Stellung beziehen, sollten sie heute dann doch lieber schweigen. War wohl nicht nach dem Geschmack des Präsidiums, was da gesagt worden war.

Potenzial einer innerkirchlichen Christenverfolgung

Alles wird nach dessen Gusto gedreht und gewendet. Sogar die zum abgelehnten Grundtext des Forum IV gehörenden Handlungstexte wurden behandelt. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat zwar angemerkt, dass dies nicht möglich sei, aber das Präsidium winkte schnell ab — und weiter ging‘s. Erst als auch diese Texte durchgewunken worden waren, erklärte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp triumphierend, nun habe man den Grundtext über die Handlungstexte doch noch gerettet. Und damit die Diskriminierung all derer beschlossen, die sich der neuen Lehre nicht anschließen. Für mich schlummert hier das Potenzial einer innerkirchlichen Christenverfolgung. Mal sehen, ob diese Texte noch korrigiert werden.

Für die Drahtzieher des Synodalen Weges läuft alles nach Plan. Die Gegner sind entschärft. Alles passt. Machtmissbrauch ist zwar nicht ausgerottet, sondern der Spieß ist umgedreht, aber das scheint auch das Entscheidende zu sein. Künftig wird das ZdK die bischöflichen Schafe weiden. Nur „nicht auf den grünen Auen des Herrn“, wie ein Bischof richtig bemerkte.  

Hier regiert Willkür, nicht der Heilige Geist

Ich fühle mich, als hätten wir Jesus nochmal ans Kreuz geschlagen und seine Kirche fröhlich-feierlich zu Grabe getragen. An ihre Stelle wird nun eine Kirche aus dem Boden gestampft, die für mich den Geruch der Unterwelt atmet; hier regiert Willkür, nicht der Heilige Geist. Es ist unerträglich.

Aber ich bleibe — und zehre von dem schönsten Moment dieses Tages: der Heiligen Messe am frühen Morgen. Auch ein Satz aus dieser Messe geht mir nach: Bei Jesus geht es nicht um Erfolge, sondern um Fruchtbarkeit. Welche Früchte der Synodale Weg bringen wird, wird sich zeigen. Hier wird noch nach dem Gamaliel-Prinzip ausgesiebt werden. Der Status quo ist jedenfalls verheerend. Freude vermittelt diese Nationalkirche nicht, sie strahlt Egoismus und Leere aus. Mich stößt sie ab. Wer oder was wird hier nur angebetet? Macht, Freizügigkeit, eigene Wünsche?

Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht

Die heutige Lesung bringt es treffend auf den Punkt: Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht, sich vor ihm niedergeworfen und ihm Opfer geschlachtet, wobei sie sagten: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten herausgeführt haben.

Ich gehe trotzdem voran. Mit der Muttergottes und dem Lehramt, das die Kirche braucht, um sich gesund weiterzuentwickeln und nicht stehen zu bleiben. Wie gut, dass Gott treu ist. Immerhin haben die Irrungen und Wirrungen des Synodalen Weges bei mir auch dazu geführt, dass ich bei jeder Wandlung mit noch mehr Staunen und Dankbarkeit in die Knie gehe.

 

Lesen Sie ausführliche Hintergründe, Berichte und Analysen zur vierten Synodalversammlung in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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