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Der Fall Aupetit wirft einen Schatten auf die Bischofskongregation

Fehler in der Kandidatenauswahl. Der Pariser Erzbischof war als Hoffnungsträger gestartet und scheitert mit Donnerhall. Die Bischofskongregation gerät in den Fokus.
Michel Aupetit
Foto: Ludovic Marin (POOL AFP/AP) | Der Fall Aupetit wirft einen Schatten auf der Bischofskongregation, der die sorgfältige Prüfung geeigneter Bischofskandidaten obliegt.

Bischofsrücktritte sind im Allgemeinen ein Indiz für gravierende Fehler. Als der Papst gestern das Rücktrittsgesuch des französischen Erzbischofs Michel Aupetit (70) annahm, rangen Kommentatoren um Worte. Tatsächlich ist der Fall Aupetit durchaus untypisch für einen Bischofsrücktritt. Der gelernte Arzt, der als Spätberufener den Weg zum Priestertum fand, galt bei seinem Amtsantritt 2017 als Hoffnungsträger.

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Weniger Priester

Für die konfliktreichen bioethischen Debatten in der Hauptstadt erhoffte man sich mit ihm einen kompetenten Gesprächspartner. Jahr für Jahr weihte er in Paris eine – aus deutscher Perspektive - beneidenswert große Schar von Priesteramtskandidaten. Dass Aupetit bisher nicht den einem Pariser Erzbischof üblicherweise zustehenden Kardinalshut erhielt, fiel innerhalb der Französischen Bischofskonferenz allerdings auf. Dass die Eintrittszahlen ins Pariser Seminar in seiner Amtszeit sanken, ebenso.  

Autoritärer Bischof

Im Pariser Diözesanklerus sahen nicht wenige in ihm den autoritären Durchgreifer. Zwei Generalvikare warfen das Handtuch. Nach dem Brand der Kathedrale Notre-Dame wuchs der Druck auf den Erzbischof: Die Pläne für den Aufbau ernteten öffentlichen Sarkasmus, die Schließung des progressiven Pastoralzentrums Saint-Merry verursachte medialen Wirbel. Auch die Entlassung eines traditionalistischen Schulleiters und fehlendes seelsorgliche Gespür des Oberhirten im Umgang mit den wegen des Motu proprio „Traditionis custodes“ beunruhigten Anhängern der alten Messe trübten die Stimmung im Erzbistum.

Ein ungeklärtes Verhältnis

Als ein politisches Magazin Aupetit vorige Woche angeblich ein Jahre zurückliegendes mehrdeutiges Verhältnis zu einer Frau vorwarf, reagierte der Erzbischof dünnhäutig – obwohl keine stichhaltigen Beweise für eine Verfehlung seinerseits öffentlich wurden. Ausgerechnet im Vorfeld des Besuchs von Staatspräsident Emmanuel Macron bei Papst Franziskus ließ er dann seinem Zorn über die Pläne der Behörden zur Einschränkung der Messbesucherzahlen im Bistumsradio freien Lauf. So politisch unklug dieser Auftritt zweifellos war, als alleinigen Rücktrittsgrund wird man ihn kaum bewerten können. Nun blühen die Spekulationen um Aupetis angebliche Affäre, die er selbst jedoch vehement abstreitet. Der Vatikan hüllt sich in Schweigen. Es bleibt ein Schatten auf der Bischofskongregation, der das sorgfältige Screening der Bischofskandidaten obliegt.

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