Jesus nur noch „Randfigur“, stattdessen „Scharia und Geschlechtsidentität“, hieß es vor wenigen Tagen im Onlineportal „Nius“, und auch die „Bild“ titelte ähnlich. Was war geschehen? Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hatte vermeldet, dass in Niedersachsen zum kommenden Schuljahr das neue Fach „Christliche Religion“ eingeführt werden und perspektivisch sowohl den evangelischen als auch den katholischen Religionsunterricht ersetzen solle.
In diesem ökumenisch angelegten Fach, so die Sorge mit Blick auf den prospektiven Lehrplan, drohten Jesus, die Bibel und der Glaube zur bloßen Staffage zu werden. Stattdessen würden grüne Modethemen wie Islam, Scharia, Nachhaltigkeit und „sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität als Entwicklungsaufgabe“ vermittelt werden.
Das solide Fundament im Glauben fehlt
Die zuständige Kultusministerin Julia Willie Hamburg (39, Grüne) wollte die mediale Kritik so nicht stehen lassen und ließ verlautbaren, es sei „unzutreffend, dass im geplanten neuen Fach ,Christlicher Religionsunterricht‘ christliche Inhalte an den Rand gedrängt werden“ sollten. Aus katholischer Sicht stellt sich freilich die Frage, wie das Spezifikum des katholischen Glaubens – in seinem exklusiven Heils- und Wahrheitsanspruch, der auch vom Zweiten Vatikanum nicht angetastet wurde – an eine Schülergeneration vermittelt werden soll, die von der Familie und der Gemeinde immer weniger über den Glauben beigebracht bekommt.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Experimente wie das Fach „Christliche Religion“ letztlich nur konsequent den Irrweg weitergehen, der in Deutschland seit der Würzburger Synode (1971–75) beschritten wird. Seitdem will und soll der schulische Religionsunterricht gar keine klassische Glaubensunterweisung mehr sein, sondern Schüler zur individuellen Kritik und Reflexion in Glaubensthemen befähigen. Das Problem bei der Sache: Ohne ein solides Fundament im Glauben ist Reflexion oberflächlich statt vertiefend und Kritik rein destruktiv statt aneignend.
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