Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Unter ferner liefen: Jesus

Niedersachsens Reformpläne verwässern den Religionsunterricht weiter. Doch der will schon seit der Würzburger Synode keine klassische Glaubensunterweisung mehr sein.
Debatte um Religionsunterricht in Deutschland
Foto: IMAGO / Funke Foto Services | Seit der Würzburger Synode will und soll der schulische Religionsunterricht gar keine klassische Glaubensunterweisung mehr sein, sondern Schüler zur individuellen Kritik und Reflexion in Glaubensthemen befähigen.

Jesus nur noch „Randfigur“, stattdessen „Scharia und Geschlechtsidentität“, hieß es vor wenigen Tagen im Onlineportal „Nius“, und auch die „Bild“ titelte ähnlich. Was war geschehen? Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hatte vermeldet, dass in Niedersachsen zum kommenden Schuljahr das neue Fach „Christliche Religion“ eingeführt werden und perspektivisch sowohl den evangelischen als auch den katholischen Religionsunterricht ersetzen solle.

Lesen Sie auch:

In diesem ökumenisch angelegten Fach, so die Sorge mit Blick auf den prospektiven Lehrplan, drohten Jesus, die Bibel und der Glaube zur bloßen Staffage zu werden. Stattdessen würden grüne Modethemen wie Islam, Scharia, Nachhaltigkeit und „sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität als Entwicklungsaufgabe“ vermittelt werden.

Das solide Fundament im Glauben fehlt

Die zuständige Kultusministerin Julia Willie Hamburg (39, Grüne) wollte die mediale Kritik so nicht stehen lassen und ließ verlautbaren, es sei „unzutreffend, dass im geplanten neuen Fach ,Christlicher Religionsunterricht‘ christliche Inhalte an den Rand gedrängt werden“ sollten. Aus katholischer Sicht stellt sich freilich die Frage, wie das Spezifikum des katholischen Glaubens – in seinem exklusiven Heils- und Wahrheitsanspruch, der auch vom Zweiten Vatikanum nicht angetastet wurde – an eine Schülergeneration vermittelt werden soll, die von der Familie und der Gemeinde immer weniger über den Glauben beigebracht bekommt.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Experimente wie das Fach „Christliche Religion“ letztlich nur konsequent den Irrweg weitergehen, der in Deutschland seit der Würzburger Synode (1971–75) beschritten wird. Seitdem will und soll der schulische Religionsunterricht gar keine klassische Glaubensunterweisung mehr sein, sondern Schüler zur individuellen Kritik und Reflexion in Glaubensthemen befähigen. Das Problem bei der Sache: Ohne ein solides Fundament im Glauben ist Reflexion oberflächlich statt vertiefend und Kritik rein destruktiv statt aneignend.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Ostritsch Bibel Evangelische Kirche Katholizismus Religionsunterricht Scharia Ökumene

Weitere Artikel

Ist die „Josephsehe“ besonders heilig? Die Annäherung an das Ideal der ehelichen Keuschheit muss durch die Einübung des ehelichen Einswerdens erfolgen, nicht ohne es.
19.07.2026, 11 Uhr
Ralph Heiligtag

Kirche

Ein ehemaliger Schüler der Ordensschule Notre-Dame de Bétharram behauptet, von Bischof Pierre-Marie Théas sexuell missbraucht worden zu sein. Zu Ermittlungen wird es wohl nicht kommen.
21.09.2026, 06 Uhr
Meldung
Nachdem die Szene im Internet als eucharistisches Wunder gedeutet wurde, stellt Pfarrer Brent Bowman klar: Er habe eine „persönliche geistliche Erfahrung“ gemacht.
18.09.2026, 10 Uhr
Dorothea Schmidt
Gleicher Lohn für ungleiche Arbeit, davon spricht das Gleichnis vom Weinberg. Denn Gottes Barmherzigkeit funktioniert anders als menschliche Gerechtigkeit.
19.09.2026, 21 Uhr
Margarete Strauss
Trump beruft Bischof Barron in die Kommission für internationale Religionsfreiheit. Das lässt hoffen, dass er die oft so befremdlich agierende US-Regierung mit Augenmaß zum Nachdenken anregt.
18.09.2026, 11 Uhr
Regina Einig