Kommentar um "5 vor 12"

Katechese über das Hirtenamt

Papst Franziskus hat die richtige Entscheidung getroffen, indem er das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx ablehnte. Reform fängt damit an, dass jeder Einzelne an sich selbst arbeitet und Bischöfe sich davon nicht ausnehmen.
Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx abgelehnt
Foto: Lennart Preiss (dpa) | Es zeichnet den Papstbrief aus, dass er sich die befremdliche Marx'sche These einer Kirche, die angeblich am toten Punkt angekommen sei, nicht zu eigen macht.

Die Absage aus Rom kam prompt und fiel eindeutig aus: Statt das Rücktrittsgesuch des Münchner Kardinals anzunehmen, erteilt Papst Franziskus dem Mitbruder eine freundliche Katechese über das Bischofsamt. Der gute Hirte flieht nicht vor Schwierigkeiten. Reform fängt damit an, dass jeder Einzelne an sich selbst arbeitet und Bischöfe sich davon nicht ausnehmen, auch nicht durch Jobhopping. 

Leidende Herde und Bischof gehören zusammen

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Die leidende Herde und ihr Bischof gehören zusammen wie ein Paar, das auch im grauen Ehealltag nicht aufgibt und auf den Herrn setzt, statt sich nach einer grüneren Wiese umzuschauen. Papst Franziskus erspart dem Leser nicht die detaillierte Aufzählung der Täuschungsgefahren: Weder Experten, Gutachter, Geld oder Medien können Bekehrung ersetzen. Mit seinen 67 Jahren ist Kardinal Marx zu jung für den Ruhestand. Jede andere Aufgabe, die ihm der Papst zuwiese, hätte unweigerlich den Charakter einer Fluchtburg, zumal wenn die Veröffentlichung des Missbrauchsberichts für die Diözese München weiter verschoben wird. 

Es zeichnet den Papstbrief aus, dass er sich die befremdliche Marx'sche These einer Kirche, die angeblich am toten Punkt angekommen sei, nicht zu eigen macht. Für gläubige Christen ist diese Perspektive seit Ostern unannehmbar, so misslich das öffentliche Bild der Kirche in der Krise auch sein mag. Der Glaube, dass die Kirche der fortlebende Christus in der Zeit ist, verlangt Abgrenzung – sowohl von emotional aufgeladenen Phrasen als auch einer Überhöhung des Bischofsamtes, denn weder das Bauchgefühl des Bischofs noch die Sündhaftigkeit der Getauften sind aussagekräftige Indikatoren für das Leben in der Kirche.

Der Geist wirkt auch heute, weil Gott seine Gnade nicht nach dem Grad der Glaubwürdigkeit der Amtsträger dosiert. Es ist der auferstandene Christus, aus dem die Kirche lebt, nicht die Überzeugungskraft des Episkopats. Als Absage an den Klerikalismus taugt dieser Papstbrief allemal.

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