Fréjus

Französischer Prior: Traditionelle Messe wichtig für Einheit der Kirche

Alcuin Reid, Liturgiewissenschaftler und Prior des französischen Monastère Saint-Benoît, fokussiert sich in einer Predigt auf den in „Traditionis custodes“ gelegten Schwerpunkt der Einheit der Kirche sowie darauf, was der „alte“ Ritus der Liturgie damit zu tun hat.
Feier der  traditionellen Messe
Foto: A3537 Marijan Murat (dpa) | Im Hinblick auf die Feier der heiligen Liturgie sei die Vielfalt seit den Anfängen der Kirche die Norm gewesen, wie Reid betont.

Die britische Zeitschrift „The Catholic Herald“ veröffentlicht auf ihrer Webseite eine Predigt, die der Liturgiewissenschaftler und Prior des in der französischen Diözese Fréjus-Toulon gelegenen Klosters Saint-Benoît am 18. Juli, zwei Tage nach Publikation des Motu proprio „Traditionis custodes“ von Papst Franziskus, gehalten hat. Darin legt der 58-jährige Theologe seinen Fokus auf die Stellung der traditionellen lateinischen Messe innerhalb der Einheit der Kirche und informiert darüber, wie sein Kloster auf das römische Dokument reagieren wird.

Einheit in Vielfalt

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In dem vom Papst erlassenen Dekret „über die älteste Form des römischen Ritus“ bringe er seine große Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass die Zelebration der außerordentlichen Form – wie Reid schreibt - „die Einheit der Kirche gefährde und die Spaltung in ihrer Mitte begünstige – einschließlich der Ablehnung des Zweiten Vatikanischen Konzils und des päpstlichen Lehramtes“. Reid kommentiert, dass dies „schwerwiegende Bedenken“ seien und jeder Papst recht habe, wenn er sich darum Sorgen mache. Denn „der Dienst an der Einheit der Kirche ist eine der besonderen Pflichten des Petrusamtes, für das sich jeder Papst vor dem Allmächtigen Gott“ am Tag des Jüngsten Gerichts verantworten müsse. Als gäubige Katholiken müssten wir dieses Thema tatsächlich sehr ernst nehmen.

Die Kirche lehrt ja, dass „ihre Einheit durch die Teilhabe eines jeden einzelnen von uns am Leben der Heiligen Dreifaltigkeit zustande kommt – durch die Taufe in Unserem Herrn Jesus Christus, der selbst das Prinzip der Einheit der Kirche ist“ (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 813). Sie lehrt aber auch, wie Alcuin Reid betont, dass die Einheit der Kirche „eine große Vielfalt aufweist“. Der „große Reichtum an Verschiedenheiten“ stehe jedoch „der Einheit der Kirche nicht entgegen“ (KKK Nr. 814). Die Bande dieser Einheit seien „das Bekenntnis des ein und desselben von den Aposteln überlieferten Glaubens“, „die gemeinsame Feier des Gottesdienstes, vor allem der Sakramente“ sowie „die apostolische Sukzession, die durch das Weihesakrament die brüderliche Eintracht der Familie Gottes aufrechterhält“ (KKK 815).

Römischer Ritus hat zurecht seinen Platz

Im Hinblick auf die Feier der heiligen Liturgie sei die Vielfalt seit den Anfängen der Kirche die Norm gewesen, wie Reid betont. Nach dem Konzil von Trient seien die verschiedenen Gebräuche des Römischen Ritus (Lyon, Braga, religiöse Orden) und sogar ganze Riten (Ambrosianischer Ritus, Mozarabischer Ritus) als „reiche Ausdrucksformen der legitimen Vielfalt“ betrachtet worden, „die innerhalb der Einen Wahren Kirche Christi möglich ist“. Im Jahr 2007 nun bestimmte Papst Benedikt XVI., erinnert Reid, dass „der usus antiquior des Römischen Ritus – der niemals aufgehoben war – zu Recht seinen Platz in der Einheit in der Vielfalt einnimmt, und eine Generation von Katholiken ist nun in diesem Licht aufgewachsen“. 

Der Bischof der Diözese Fréjus-Toulon, in der sich das Kloster Saint-Benoît befindet, wisse, so Reid weiter, dass „der usus antiquior zurecht seinen Platz in der Einheit in der Vielfalt der Kirche hat“ und er kenne auch „die beachtlichen spirituellen und pastoralen Früchte, die vom Respekt vor dieser Realität herrühren“. Das kleine Kloster Saint-Benoît war gegründet worden, „weil unser Bischof es sich als wertvolle Bereicherung für seine Diözese wünschte. Er wird nicht den Weinberg roden, den er selbst gepflanzt hat. Das Kloster lebt und wächst in der hierarchischen Communio mit ihm und durch ihn mit dem Bischof von Rom“. Reids Gemeinschaft, so der Prior weiter, sei entschlossen, „seine Berufung, Gott durch ein Leben des Gebetes und der Arbeit nach der Regel des heiligen Benedikt innerhalb dieser Einheit zu suchen, und wir sind zuversichtlich, dass unser Vater in Gott die Integrität unseres Lebens versteht und sie respektieren und schützen wird“.  DT/ks

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