Papst: Keine zu hohen Erwartungen an Bischofstreffen zum Missbrauch

Im Rahmen der „Fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Rückflug von Panama spricht der Papst über die Kirchenkrise. Am Zölibat wolle er festhalten, da dieser ein Geschenk an die Kirche sei.

Fliegende Pressekonferenz von Papst Franziskus
Franziskus beklagte, dass es in nur fünf Prozent aller Missbrauchsfälle zu einer Verurteilung der Täter komme. Dies sei eine „menschliche Tragödie“ Foto: Alessandra Tarantino (AP/POOL)

Missbrauch, Zölibat, Abtreibung, Sexualerziehung: Dies waren die vorherrschenden Themen, zu denen sich Papst Franziskus im Rahmen der „Fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Rückflug von seiner Reise zum Weltjugendtag in Panama äußerte.

Franziskus: "Problem des Missbrauchs wird weiter bestehen bleiben"

Dabei warnte Franziskus davor, allzu hohe Erwartungen an das von ihm einberufene Treffen der Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen zu hegen, das im Februar im Vatikan stattfinden wird. „Ich erlaube mir zu sagen, dass ich eine etwas übertriebene Erwartung wahrgenommen habe“, so der Papst. Diese müsse man dämpfen, „denn das Problem des Missbrauchs wird weiter bestehen bleiben“.

Franziskus beklagte, dass es in nur fünf Prozent aller Missbrauchsfälle zu einer Verurteilung der Täter komme. Dies sei eine „menschliche Tragödie“, derer man sich bewusst werden müsse. „Durch das Angehen des Problems in der Kirche werden wir dazu beitragen, es in der Gesellschaft anzugehen, in den Familien, in denen die Scham alles bedeckt, und auch bei den Opfern.“ Nun gehe es darum, Regelwerke zu verabschieden, um bei der Bekämpfung des Missbrauchs voranzukommen.

Franziskus will keine freie Entscheidung über Zölibat zulassen

Gleichzeitig erklärte Papst Franziskus auch, am Zölibat festhalten zu wollen. „Ich persönlich denke, dass der Zölibat ein Geschenk an die Kirche ist.“ Er sei nicht damit einverstanden, eine freie Entscheidung darüber zuzulassen. „Meine Entscheidung ist: keine Wahlfreiheit zum Zölibat vor dem Diakonat.“ Franziskus relativierte aber auch, dass dies nur „sein persönlicher Gedanke“ sei. „Bin ich vielleicht engstirnig? Ich will mich mit dieser Entscheidung nicht vor Gott stellen“, erklärt er.

Offen über den Zölibat nachdenken könne man jedoch dort, so der Papst, wo es ein pastorales Problem gibt, weil es keine Priester gibt. „Ich sage nicht, dass es getan werden sollte, denn ich habe nicht nachgedacht, ich habe nicht ausreichend gebetet.“ Doch sollte die Theologie studiert werden.

Frauen müssen Versöhnung mit abgetriebenem Kind finden

Im Rahmen der „Fliegenden Pressekonferenz“ äußerte sich Papst Franziskus auch zum Umgang der Kirche mit Frauen, die abgetrieben haben. „Die Botschaft der Barmherzigkeit ist für alle da.“ Nach einem solchen Versagen gebe es auch Gnade. „Bei Gott gibt es bereits Vergebung, Gott vergibt immer“, so Papst Franziskus. Dies sei jedoch schwierig, „weil das Problem nicht darin besteht, Vergebung zu schenken“. Vielmehr müsse eine Frau begleitet werden, die sich bewusst geworden ist, dass sie abgetrieben hat. Für die Frauen gelte es, einen Weg der Versöhnung mit dem abgetriebenen Kind zu finden, das sich im Himmel befinde.

Papst fordert objektive Sexualerziehung ohne ideologische Kolonisierung

Darüber hinaus sprach Franziskus noch über das Thema der Sexualerziehung. Er glaube, dass in den Schulen Sexualerziehung stattfinden müsse. „Sex ist ein Geschenk von Gott, es ist kein Monster, es ist ein Geschenk von Gott an die Liebe“, so der Papst. Wichtig sei jedoch, dass eine objektiv Sexualerziehung stattfinde, „das heißt ohne ideologische Kolonisierung. Wenn man anfängt, Sexualkunde voller ideologischer Kolonisation zu geben, zerstört man die Person“. Doch grundsätzlich müsse Sex als Geschenk Gottes unterrichtet werden. Denn Bildung bedeute Erziehung, was wiederum bedeute, „das Beste aus den Menschen zu machen und sie auf ihrem Weg zu begleiten“.

DT/mlu/CNA Deutsch

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