Eichstätt

Hanke zum "Synodalen Weg": Einheit der Kirche auf dem Spiel

Der synodale Prozess stehe nicht zur Disposition, meint der Eichstätter Bischof Hanke. Dennoch sieht er noch Klärungsbedarf in einigen Punkten und warnt vor der Gefahr einer Spaltung.

Hanke warnt vor Spaltung der Kirche
Der Eichstätter Bischof Hanke sieht „berechtigte Skepsis“, ob der „Synodale Weg“ in seiner sich abzeichnenden Form tatsächlich ein geistliches Ergebnis bringen werde. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sieht die Gefahr, dass der „Synodale Weg“ die Einheit der Kirche aufs Spiel setzten könnte. „Ich kann nur hoffen, dass dieser Weg uns nicht auseinanderdividiert“, mahnt Hanke im Interview mit der Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt (Sonntag). Die Einheit sei ein hohes Gut und es gelte, sie zu wahren. Nachdem sich der Streit zwischen den deutschen Bischöfen und dem Vatikan um den geplanten synodalen Reformprozess in den vergangenen Tagen verschärft hatte, fordert der Eichstätter Bischof das „offene Gespräch“ und die Bereitschaft, sich „mit den aus Rom vorgetragenen Bedenken“ sachlich auseinanderzusetzen.

Hanke warnt vor "massiven Enttäuschungen und Verwerfungen"

Gleichzeitig bekräftigt Hanke, dass der „Synodale Weg“ nicht zur Disposition stehe, zu einigen Punkten aber „Klärungsbedarf“ bestehe. Für ihn sei etwa noch nicht ersichtlich, „welche Verbindlichkeit den Diskussions- und Beschlussinhalten des Synodalen Weges zukommen soll“. Wenn die einen behaupteten, die Beschlüsse könnten keinen Bischof rechtlich binden, während die anderen verbindliche Ergebnisse forderten, könnte dies laut Hanke „zu massiven Enttäuschungen und Verwerfungen“ führen.

Die vatikanische Bischofskongregation hatte in einem Schreiben an den DBK-Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, darauf hingewiesen, dass die Pläne für den „Synodalen Weg“ „kirchenrechtlich nicht zulässig“ seien. Das Vorgehen der deutschen Bischöfe müsse mit den Richtlinien übereinstimmen, die Papst Franziskus im Juni in seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ festgelegt habe. Eine deutsche Synode könne nicht die universal gültige kirchliche Lehre ändern.

Synodaler Weg darf nicht in rein politischen Prozess münden

Hankes Ansicht nach lenkt das Schreiben aus dem Vatikan den Blick auf die „Problemspitze“ des synodalen Reformprojektes: „Was will die Kirche in Deutschland mit dem Synodalen Weg erreichen und mit welcher Verbindlichkeit? Wie wird die Kirche in Deutschland mit Blick auf die universalkirchliche Gemeinschaft mit Beratungsergebnissen oder Voten umgehen, die der kirchlichen Lehre zuwiderlaufen?“

Darüber hinaus spricht Hanke von „berechtigter Skepsis“, ob der „Synodale Weg“ in seiner sich abzeichnenden Form tatsächlich ein geistliches Ergebnis bringen werde. Man sei sehr in Strukturfragen befangen, bemängelt der Eichstätter Bischof, der Mitglied in der Vorbereitungsgruppe „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“ war. Ohne die Bereitschaft, aufeinander zu hören und die Anliegen des anderen ernst zu nehmen komme man „bei dieser Divergenz an Positionierungen“ nicht weiter. Es bestehe die Gefahr, dass der „Synodale Weg“ in einen rein politischen Prozess münde, in dem Mehrheiten die Minderheiten blockierten. „Das wäre natürlich das Ende dieses Weges,“, so Hanke.

"Evangelisierung auf einem geistlichen Weg,
der die Menschen verändert, erzeugt auch Dynamik
und folglich eine Veränderung im Miteinander"
Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke

In der bisherigen Debatte vermisst der Eichstätter Bischof zudem tiefergehende Ausführungen zum Phänomen der Glaubenskrise. Hier verweist Hanke auf Papt Franziskus, der betone, ein geistlicher Prozess müsse zu einer vertiefenden Neuevangelisierung führen. „Und ein geistlicher Prozess, der geistliche Haltungen des Glaubens erzeugt, der wirkt sich dann natürlich auch auf Formen des Miteinanders und Strukturen aus.“ Ohne Neuevangelisierung führe man nur eine reine Strukturdebatte und bastle an einer neuen Kirche herum.

Die Behauptung, das Thema Evangelisierung werde in den Synodalen Prozess eingeführt, um die schwierigen Fragen zu Strukturen der Kirche zu unterdrücken, weist Bischof Hanke zurück: „Ich sage: Nein, Evangelisierung auf einem geistlichen Weg, der die Menschen verändert, erzeugt auch Dynamik und folglich eine Veränderung im Miteinander.“ Es werde sich grundsätzlich nur etwas ändern, so Hanke, wenn man in einen inneren geistlichen Prozess der Vertiefung des Glaubens hineinkomme.

DT/mlu

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