Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Bistum Trier

Missbrauchsbetroffene „Karin Weißenfels“ zeigt Bischof Ackermann an

Eine ehemalige Bistumsmitarbeiterin hat beim Papst eine kirchenrechtliche Strafanzeige gegen den Trierer Bischof erstattet. Sie wirft ihm Amtsmissbrauch und Rufschädigung vor.
"Karin Weißenfels" klagt gegen Bischof Ackermann
Foto: Michael Debets via www.imago-images.de | Der Fall „Karin Weißenfels" beschäftigt das Bistum bereits einige Jahre. Nun hat die Missbrauchsbetroffene Strafanzeige gegen Bischof Ackermann beim Papst gestellt.

Wenige Tage bevor der neue Zwischenbericht zur Aufklärung von sexuellem Missbrauch im Bistum Trier veröffentlicht wird, spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen einer Missbrauchsbetroffenen und dem Bistum weiter zu: Wie die „Rhein-Zeitung“ am Mittwoch berichtete, hat die ehemalige Bistumsangestellte, die unter dem Pseudonym „Karin Weißenfels“ auftritt, bei Papst Leo XIV. eine kirchenrechtliche Strafanzeige gegen Bischof Stephan Ackermann eingereicht.

Lesen Sie auch:

Dem Bericht zufolge wirft Weißenfels dem Bischof Rufschädigung und Amtsmissbrauch vor. Zudem sei „eine ihn möglicherweise belastende Aktennotiz“ vernichtet worden, schreibt das Blatt unter Berufung auf die zwölfseitige Anzeigeschrift, die der Zeitung vorliege. Weißenfels hoffe, dass ihr Fall durch die Anzeige vollständig aufgeklärt werde. Sie werfe der katholischen Kirche Untätigkeit vor. Nach Angaben der Rhein-Zeitung wurde die Anzeige bereits im August an den Papst übermittelt.

100.000 Euro für „besonders schweren Härtefall“

Der Fall „Weißenfels“ beschäftigt das Bistum Trier bereits seit Jahren. Die Betroffene berichtet von geistlichem Missbrauch und sexuellen Übergriffen durch einen Priester, die sich vom Beginn der 1980er Jahre bis in die 2000er Jahre erstreckt haben sollen. Nach ihren Angaben wurde sie von einem ihr vorgesetzten Geistlichen schwanger; dieser und ein weiterer Priester hätten sie daraufhin zu einer Abtreibung gedrängt. Der Übergriff habe sich nach Informationen der Rhein-Zeitung zwischen 1989 und 2002 ereignet.

Für das erlittene Unrecht erhielt Weißenfels bereits eine Anerkennungsleistung der Kirche in Höhe von 100.000 Euro. Die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) stufte ihren Fall im Jahr 2023 als „besonders schweren Härtefall“ ein. Ein Jahr später scheiterte vor dem Arbeitsgericht Trier ein Vergleich im Verfahren zwischen Weißenfels und dem Bistum. Die ehemalige Mitarbeiterin hatte auf vollständige Einsicht in ihre Personalakte geklagt.

Die Anzeige von Weißenfels fällt in eine Phase erhöhter Aufmerksamkeit: Am 30. Oktober soll die Universität Trier ihren dritten Zwischenbericht zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs vorlegen. Darin werden aller Voraussicht nach auch die Amtszeiten von Kardinal Reinhard Marx, Bischof Stephan Ackermann und Bischof Georg Bätzing untersucht.  DT/dsc

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Bischöfe Bistum Trier Georg Bätzing Kirchenrecht Leo XIV. Päpste Reinhard Marx Stephan Ackermann

Weitere Artikel

Papst Leo spricht mit dem Münchner Erzbischof. Derweil sagt Kardinalstaatssekretär Parolin, es sei zu früh für Sanktionen – und widerspricht erneut der Darstellung der DBK.
07.05.2026, 09 Uhr
Meldung
Zwischen Reformanspruch und wachsender Distanz zu Rom: Georg Bätzings Amtszeit an der Spitze der DBK endet mit einer gespaltenen Kirche. Ein Blick auf die vergangenen sechs Jahre.
20.01.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser