Vatikanstadt/Würzburg

Papst: "Viri probati" kein wichtiges Thema der Synode

Keine zwei Monate vor Beginn der Amazonas-Synode hat Papst Franziskus sich in einem Interview zu deren Themen geäußert. Dabei machte er deutlich, worum es bei dem Bischofstreffen gehen wird.

Papst Franziskus
In einem Interview hat sich Papst Franziskus zu den Themen der Amazonas-Synode geäußert. Foto: Alessandra Tarantino (AP)

Papst Franziskus hält die Debatte über eine Zulassung verheirateter Männer zur Priester "absolut nicht" für ein wichtiges Thema der anstehenden Bischofssynode. Das Thema der "viri probati" sei "nur eine Nummer" im Arbeitsdokument, sagte er im Interview der Turiner Zeitung "La Stampa" (Freitag). der Synode. "Wichtig werden die Dienste der Evangelisierung sein und die verschiedenen Arten zu evangelisieren", also die christliche Botschaft zu verkünden und zu leben, betonte Franziskus.

Weiter erklärte der Papst, die für Oktober geplante Weltbischofssynode zur Kirche in Amazonien habe weltweit große Bedeutung und Dringlichkeit. Das Amazonas-Gebiet sei eine entscheidende Region, nicht nur weil von dort ein Großteil des weltweiten Sauerstoffs stamme. Dabei verwies Franziskus auf den sogenannten "Overshoot-Day" am 29. Juli, an dem die Menschheit die für dieses Jahr von der Erde zur Verfügung gestellten Ressourcen bereits aufgebraucht habe. Eine Entwaldung Amazoniens bedeute, "die Menschheit zu töten", warnte er. Unter Anspielung auf jüngste Diskussionen in Brasilien über eine ökonomische Nutzung des Regenwaldes sagte der Papst, dass Amazonien neun Staaten umfasse, "also nicht nur eine Nation betrifft".

Papst: Synode ist nur durch "Laudato si'" zu verstehen

Zugleich warnte der Papst davor, die Synode im Vatikan als Konferenz ökologischer Experten misszuverstehen. Eine Synode sei "kein Treffen von Wissenschaftlern oder Politikern", auch kein Parlament. Vielmehr gehe es bei dieser Kirchenversammlung eigener Art um die Mission der Kirche, Menschen die christliche Botschaft besser zu vermitteln. Die Amazonas-Synode sei "ein 'Kind' von 'Laudato si'", sagte Franziskus weiter. Wer seine Enzyklika von 2015 nicht gelesen habe, werde die Synode nicht verstehen. Allerdings sei "'Laudato si' keine grüne Enzyklika, sondern ein soziales Rundschreiben, das auf einer 'grünen' Wirklichkeit beruht".

Im Interview kam der argentinische Papst auch auf die aktuelle politische Lage in Europa zu sprechen. "Europa kann und darf sich nicht auflösen", warnte er. Die Vision der Gründerväter habe bislang Bestand gehabt, weil sie eine Verwirklichung der Einheit des Kontinents sei. Zufrieden äußerte sich Franziskus über die Wahl Ursula von der Leyens zur neuen EU-Kommissionspräsidentin. "Eine Frau kann geeignet sein, die Kräfte der Gründerväter wiederzubeleben", so der Papst, "Frauen haben die Fähigkeit zu verbinden, zu einen."

Franziskus kritisiert Nationalismus

Deutliche Kritik äußerte Franziskus an souveränen Alleingängen. "Ich bin in Sorge, weil man Reden hört, die denen von Hitler 1934 ähneln: 'Zuerst wir. Wir ..., wir ...' - das ist ein Denken, das Angst macht", sagte Franziskus. Natürlich müsse ein Land souverän sein, es dürfe sich aber nicht isolieren. "Der Souveränismus ist eine Übertreibung, die immer schlecht endet: Sie führt zum Krieg." Zu den großen Aufgaben Europas gehöre jetzt der ernsthafte Dialog. Dabei müsse der Leitgedanke sein: "Zuerst Europa, dann jeder von uns." Letzteres sei keineswegs unwichtig, aber Vorrang habe Europa. Derzeit seien aber nur Monologe über Kompromisse zu hören, es fehle die Kunst einander zuzuhören.

Zur Rolle nationaler und kultureller Identitäten in Europa verwies der Papst auf den ökumenischen Dialog. Auch dieser müsse immer erst von der eigenen konfessionellen Identität ausgehen. Identität dürfe nicht verhandelbar, müsse aber integrierbar sein. Das Problem sei, dass man sich in der eigenen Identität verschließe und sich nicht öffne. "Identität ist ein Reichtum - kulturell, national, geschichtlich, künstlerisch - jedes Land hat seine eigene", so Franziskus. All das aber müsse im Dialog eingebracht und integriert werden.

DT/kma/KNA