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ZdK reitet auf der AfD-Welle

Irme Stetter-Karp will, dass aktive AfD-Mitglieder keine Laien-Ämter in der Kirche ausüben. Sie instrumentalisiert die Partei, um kirchenpolitische Gegner zu neutralisieren. Davon profitiert am Ende vor allem die AfD.
Irme Stetter-Karp will, dass aktive AfD-Mitglieder keine Laien-Ämter in der Kirche ausüben.
Foto: IMAGO/Paul-Philipp Braun (www.imago-images.de) | Indem sie die Kritiker des Synodalen Wegs mit den Anhängern der AfD in Verbindung bringt, erweist sich Irme Stetter-Karp als unfreiwillige PR-Agentin für die Partei.

Die AfD ist längst nicht mehr der blaue Elefant im Raum über den keiner sprechen will. Es ist genau andersherum: Alle sprechen und zwar mehr oder weniger fortwährend über die Partei. Und der Elefant wird immer dicker und dicker. Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hat in dieser Woche bewiesen, dass nicht nur die Anhänger der AfD deren Kampf um die Deutungshoheit über die öffentliche Meinung befeuern. Es sind vielmehr ihre Gegner, die Tag für Tag der deutschen Öffentlichkeit zeigen, wie zentral diese Partei für die Meinungsbildung in diesem Land geworden ist.

Der Fall der ZdK-Präsidentin ist von besonderer Qualität, weil hier auch noch kirchenpolitische Fragen eine Rolle spielen. In der Methode freilich folgt Stetter-Karp einer Linie, die auch von säkularen Politikern verwendet wird: Gegner bekommen den Stempel „AfD-Nähe“ verpasst, um sie zu diskreditieren und schließlich zu neutralisieren. Gelten sie doch dann als nicht mehr satisfaktionsfähig.

Wer glaubt, Brandmauern zu errichten, bringt sie eigentlich zum Einsturz

Aber diese Taktik geht nicht auf: Zu dünn sind die Argumente der Angreifer. Die Angegriffenen wiederum sind aber in der Regel nicht bloße Einzelpersonen, sie sind Repräsentanten, sie stehen stellvertretend für bestimmte soziale Gruppen. Haben diese Gruppen dann so eine Kampagne voller Verdächtigungen und falscher Anschuldigungen endlich hinter sich gebracht, dann ist die AfD tatsächlich für sie attraktiv geworden. Müssen sie doch denken: Wenn unsere Gegner sowieso behaupten, dass unsere Positionen mit denen der Partei übereinstimmen, dann können wir da auch Anschluss suchen. Die AfD hat diesen Effekt natürlich längst durchschaut. Und bemüht sich, goldene Brücken zu bauen. Kurz: Diejenigen, die glauben, Brandmauern zu errichten, bringen sie eigentlich zum Einsturz. 

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Jetzt noch einmal der genaue Blick auf den Fall Stetter-Karp: Die Argumentation der ZdK-Präsidentin, die sich gegenüber dem Münsteraner Kirchenzeitungsportal „Kirche und Leben“ geäußert hat, ist zweigeteilt. Zunächst stellt sie fest, dass die AfD in den vergangenen Jahren immer mehr nach rechts gerückt sei. Antisemitische, rassistische und menschenverachtende Positionen hätten in katholischen Organisationen keinen Platz. Denn sie widersprächen christlichen Grundwerten.

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Foto: privat / dpa | Woche für Woche berichtet unser Berlinkorrespondent in seiner Kolumne über aktuelles aus der Bundeshauptstadt.

Das ist alles ohne Zweifel richtig. Nur: Verstöße gegen christliche Grundwerte, die finden sich auch bei anderen Parteien. Wie sieht es etwa mit Positionen der Grünen zum Lebensschutz aus? Oder bleiben wir bei Frau Stetter-Karp selbst. Wie sind die Auslassungen der ZdK-Präsidentin über das flächendeckende Angebot von Abtreibungen zu deuten? Die Beispiele unterstreichen: Es kann hier keine Pauschalurteile geben, man muss sich immer ganz genau den einzelnen Fall anschauen. Das entspricht auch der Subsidiarität, diesem wichtigen Prinzip der katholischen Soziallehre. Mal abgesehen von juristischen Problemen. 

ZdK-Präsidentin will kirchenpolitische Gegner an den Pranger stellen

Die eigentliche Stoßrichtung wird denn auch im zweiten Teil ihres Statements erkennbar: Auch in der Kirche hätten restaurative Tendenzen zugenommen. Ebenso zeichneten sich diese bösen Rechtskatholiken dadurch aus, Demokratie und Gewaltenteilung in der Kirche abzulehnen. Darum geht es also: Die ZdK-Präsidentin will ihre kirchenpolitischen Gegner, die Kritiker des Synodalen Wegs, an den Pranger stellen. 

Indem sie diese Kritiker mit den Anhängern der AfD in Verbindung bringt, erweist sie sich als unfreiwillige PR-Agentin für die Partei. Denn genau davon träumen doch die Strategen der Blauen: Dass diejenigen, die lehramtstreu zur Kirche stehen, bei ihnen eine politische Heimat finden. Bleibt eigentlich nur die Frage: Denkt Frau Stetter-Karp tatsächlich so kurzfristig oder geht es ihr bloß darum, ihre eigene Agenda durchzudrücken? Beides wäre schlimm. Der blaue Elefant trötet währenddessen weiter fröhlich vor sich hin.

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