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Rendite, Moral und Gemeinwohl

„Aber bitte mit Wirkung“: Wie Impact Investing finanzielle Rendite mit katholischer Soziallehre verbindet – und warum Kapital dem Gemeinwohl dienen muss.
Symbolbild Aktienmarkt
Foto: Copyright: xDreamstimexWinnondx (www.imago-images.de) | Die gute DAX-Performance 2025 lag wesentlich am Aufstieg des Rüstungskonzerns Rheinmetall.

Nach einem außergewöhnlichen Börsenjahr mit einem Plus von 23 Prozent im DAX stellt sich für viele Anleger erneut die Frage nach einer attraktiven Kapitalanlage – jedoch nicht nur nach einer hohen Rendite, sondern auch nach deren gesellschaftlicher Wirkung. Zumindest muss der gläubige Katholik zutiefst enttäuscht sein, dass die Performance im deutschen Leitindex 2025 ausgerechnet von der Kursentwicklung eines Rüstungskonzerns getrieben war. Schließlich ist der Katholik von dem zukunftsfähigen Paradigmenwechsel überzeugt: Kapital soll nicht Selbstzweck sein, sondern dem Menschen, dem Gemeinwohl und der Bewahrung der Schöpfung dienen.

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Investitionen, die neben finanzieller Rendite einen messbaren sozialen oder ökologischen Nutzen erzielen, werden als Impact Investing bezeichnet und reagieren damit auf die Grenzen einer rein profitorientierten Finanzlogik, die spätestens seit der Finanzkrise 2008 sichtbar geworden ist. Die katholische Kirche begleitet diesen Wandel aktiv, etwa durch das vatikanische Dokument Mensuram Bonam, das glaubenskonforme Leitlinien für Vermögensanlagen formuliert. Papst Benedikt XVI. hat hierfür die theologische Tiefenschärfe geliefert, indem er in „Caritas in veritate“ betont, dass Rendite und Moral keine Gegensätze sind, sondern strukturell verbunden werden müssen. Es genügt nicht, dass ethische Bereiche der Wirtschaft entstehen, vielmehr muss die gesamte Wirtschaft ethisch sein.

Die katholische Soziallehre bietet hierfür einen klaren Ordnungsrahmen. Ihre fünf Prinzipien – Personalität, Subsidiarität, Solidarität, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit – werden im Impact Investing konkret wirksam. Personalität bedeutet, dass der Mensch Ursprung und Ziel wirtschaftlichen Handelns ist; Subsidiarität fördert Hilfe zur Selbsthilfe; Solidarität versteht Kapital als Beziehung; Gemeinwohlorientierung und Nachhaltigkeit verbinden soziale Gerechtigkeit mit ökologischer Verantwortung. Impact Investing wird so zur praktischen Umsetzung einer integralen Entwicklung des Menschen. Der Impact-Investing-Markt zeigt, dass diese Verbindung längst ökonomische Relevanz besitzt. Laut Global Impact Investing Network überschritt das weltweite Volumen zuletzt 1,5 Billionen US-Dollar und wächst seit Jahren mit zweistelligen Raten von über 20 Prozent pro Jahr. In Deutschland beläuft sich das Volumen auf rund 40 Milliarden Euro. Gemessen an den globalen Finanzmärkten von rund 300 Billionen Dollar bleibt das Potenzial enorm. Impact Investing ist keine Nische und kein Renditeverzicht, sondern Ausdruck einer reifen Finanzkultur. Benedikt XVI. bringt dies auf den Punkt: „Liebe in der Wahrheit bedeutet in diesem Fall, dass jenen wirtschaftlichen Initiativen Gestalt und Struktur verliehen wird, die den Gewinn zwar nicht ausschließen, aber über die Logik des Äquivalenzprinzips und des Gewinns als Selbstzweck hinausgehen wollen.“ Nach einem Börsenjahr wie 2025 wird besonders deutlich, dass die menschlich notwendige Kapitalanlage der Zukunft jene ist, die finanzielle Stabilität mit gesellschaftlicher Wirkung verbindet – und damit den Menschen zum Maß des Investierens macht.

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Ulrich Schürenkrämer Caritas Gemeinwohl Katholikinnen und Katholiken Katholische Soziallehre

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