War der Synodale Weg ein „Erfolg“? Um diese Frage zu beantworten, hat der Synodale Weg selbst eine Studie bei der Katholischen Universität Eichstätt in Auftrag gegeben. Gestern haben die Forscher Katharina Karl und Markus Dumberger ihre Arbeit, die vor allem den Ablauf des Synodalen Weges selbst, aber auch den wahrgenommenen Effekt auf Teilnehmer, Kirche und Gesellschaft beleuchten sollte, bei dem sechsten Treffen des Synodalen Weges vorgestellt. Die Studie basiert dabei auf einer Umfrage, die an alle Teilnehmer des Synodalen Weges versandt wurde. Rund die Hälfte hatte sich beteiligt, darunter allerdings nur rund ein Drittel der Bischöfe. Ein brisantes Ergebnis: Das ursprüngliche Ziel des Reformprojekts wurde am klarsten verfehlt.
So glauben die Synodalen nach den Worten der Studie „tendenziell nicht, dass der Synodale Weg erreicht hat, wozu er ursprünglich angetreten war: Die Behebung systemischer Ursachen sexualisierter Gewalt.“ Am geringsten bewerteten die Befragten den Effekt „Wiedergewinnen von verlorengegangenem Vertrauen“. Darauf kam es den Befragten aber scheinbar auch gar nicht an: „Weniger einflussreich scheint die Wiedergewinnung des verlorenen Vertrauens der Kirchenmitglieder oder der kirchliche Kulturwandel im Umgang miteinander zu sein“, schreiben die Autoren. Demgegenüber „besonders zufrieden sind diejenigen, die glauben, dass der Synodale Weg einen großen Beitrag zur Erneuerung der katholischen Kirche in Deutschland geleistet hat.“ Die höchste Zustimmung erreichte die Aussage, der Synodale Weg habe im Ergebnis „zur Enttabuisierung bislang unausgesprochener Themen“ beigetragen.
In der Studie sind die Befragten in drei Gruppen eingeteilt, deren Antworten sich vielfach stark unterscheiden: „Veränderungsorientierte“, denen die Beschlüsse des Synodalen Weges nicht weit genug gingen, „Kritische Bewahrer“, denen die Beschlüsse zu weit gingen, und „pragmatische Idealisten“, die in dieser Hinsicht eine Mittelposition einnehmen und finden, die Beschlüsse gingen weder zu weit noch nicht weit genug. Während die Erfahrungen mit dem Synodalen Weg insgesamt „positiv bis sehr positiv“ waren, blicken die kritischen Bewahrer (11 der 130 Befragten), unter denen Bischöfe überrepräsentiert sind, erwartungsgemäß kritisch auf den Synodalen Weg. Sie hätten sich „nicht mitgenommen gefühlt“ und hatten „den Eindruck, unter Druck gesetzt zu werden. Sie hatten den Eindruck, nicht gehört zu werden und meinten, ihr Beitrag zum Synodalen Weg sei irrelevant gewesen.“
Diese Gruppe ist es auch, die laut Studie den Schwenk zur öffentlichen Abstimmung während des Synodalen Weges, auch laut Studie ein Schlüsselmoment des Synodalen Weges, am stärksten ablehnt. Aus dem Eindruck heraus, unter Druck zu stehen, fordere das „Cluster“ der kritischen Bewahrer eine geheime Abstimmung. „Diese Bewertung gilt es ernst zu nehmen, unabhängig davon, wie die Entscheidung für die Abstimmungsmodalitäten letztlich ausfällt“, schreibt die Studie, die sich mit eigener Bewertung sonst sehr zurückhält. (DT/jra)
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