Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar

Keine Sternstunde des deutschen Katholizismus

Das Ausmaß bischöflicher Unlust am deutschen Synodalen Weg ist mit Zahlen belegbar: Zwei Drittel der deutschen Hirten haben nichts Positives über die Synodalversammlungen mitzuteilen.
Bischof Georg Bätzing und Irme Stetter-Karp
Foto: Synodaler Weg / Marko Orlovic | Weniger als 30 Prozent der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) haben sich an der wissenschaftlichen Evaluation des Synodalen Wegs beteiligt. Im Bild: Bischof Georg Bätzing und Irme Stetter-Karp.

Über die Einschätzung des scheidenden Vorsitzenden der deutschen Bischöfe, es gebe keine Spaltung im deutschen Episkopat, sondern „nur eine Selbstisolierung Einzelner, die in Begründungsnot kommen“, darf man staunen. Jeder Bischof, der sich dem synodalen Treiben entzieht, repräsentiert zahlreiche Laien weit über die Grenzen seines Bistums hinaus, deren Stimmen in dem Prozess nicht gehört werden. Zählen die einfachen Gläubigen in einer klerikalen Lesart von Synodalität nicht mit?

Lesen Sie auch:

Seit dem ersten Tag der 6. Synodalversammlung ist das Ausmaß bischöflicher Unlust am deutschen Synodalen Weg mit Zahlen belegbar: Weniger als 30 Prozent der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) haben sich an der wissenschaftlichen Evaluation des Synodalen Wegs beteiligt. Anders ausgedrückt: Nicht ein paar isolierte Einzelgänger, sondern zwei Drittel der deutschen Hirten haben nichts Positives über die Synodalversammlungen mitzuteilen und wollen keine Zeit mehr mit einer Evaluation verlieren.

Auch die Laien schwelgen nicht in synodaler Begeisterung

Legt man den dürftigen Rücklauf der anonymisiert veröffentlichten Evaluation zugrunde, ist die Teilnahme an Synodalversammlungen nicht gleichzusetzen mit persönlicher Identifikation oder gar Zustimmung zu dem deutschen Synodalen Weg. Die Bischöfe äußern deutlicher als die Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ihre Wahrnehmung, unter Druck zu stehen. Wozu braucht die Liebeskirche die synodale Rute? 

Und auch die Laien schwelgen nicht in synodaler Begeisterung: Knapp 45 Prozent der gesamten Synodalversammlung waren bereit, den Wissenschaftlern der Katholischen Universität Eichstätt Auskunft über ihre Erfahrungen zu geben. Eine Sternstunde des deutschen Katholizismus stellt man sich anders vor.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Regina Einig Synodaler Weg

Weitere Artikel

Bodenlos bis Begeisternd: Das Pendel des Würzburger Katholikentags schwang zwischen Extremen.
21.05.2026, 13 Uhr
Regina Einig
Papst Leo XIV. beruft Anthony Randazzo nach Rom. Der Australier soll das Dikasterium für die Gesetzestexte führen und Reformdebatten begleiten.
03.04.2026, 11 Uhr
Regina Einig

Kirche

Rückenwind für Papst Leo – und Versöhnung mit Franziskus: die US-Bischöfe weihen ihr Land im Juni dem Herzen Jesu. Damit geben die Katholiken ihrer gespaltenen Nation ein Beispiel.
23.05.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Jerusalem hielt die Apostel für berauscht. Aber der Heilige Geist hatte sie nur erfüllt und aus ihnen freimütige Zeugen gemacht. Betrunkene gründen keine Weltkirchen.
24.05.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Christian Rutishauser ist Jesuit und Judaistik-Professor an der Universität Luzern. Im Interview spricht er darüber, warum für die Kirche die Juden Teil der Ökumene sind.
23.05.2026, 15 Uhr
Patrick Peters
Latein, Stille, Weihrauch und gregorianischer Gesang: Chartres-Wallfahrtsorganisator Philippe Darantière sieht im „Vetus Ordo“ eine Rückkehr zum Wesentlichen.
23.05.2026, 14 Uhr
Meldung