Über die Einschätzung des scheidenden Vorsitzenden der deutschen Bischöfe, es gebe keine Spaltung im deutschen Episkopat, sondern „nur eine Selbstisolierung Einzelner, die in Begründungsnot kommen“, darf man staunen. Jeder Bischof, der sich dem synodalen Treiben entzieht, repräsentiert zahlreiche Laien weit über die Grenzen seines Bistums hinaus, deren Stimmen in dem Prozess nicht gehört werden. Zählen die einfachen Gläubigen in einer klerikalen Lesart von Synodalität nicht mit?
Seit dem ersten Tag der 6. Synodalversammlung ist das Ausmaß bischöflicher Unlust am deutschen Synodalen Weg mit Zahlen belegbar: Weniger als 30 Prozent der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) haben sich an der wissenschaftlichen Evaluation des Synodalen Wegs beteiligt. Anders ausgedrückt: Nicht ein paar isolierte Einzelgänger, sondern zwei Drittel der deutschen Hirten haben nichts Positives über die Synodalversammlungen mitzuteilen und wollen keine Zeit mehr mit einer Evaluation verlieren.
Auch die Laien schwelgen nicht in synodaler Begeisterung
Legt man den dürftigen Rücklauf der anonymisiert veröffentlichten Evaluation zugrunde, ist die Teilnahme an Synodalversammlungen nicht gleichzusetzen mit persönlicher Identifikation oder gar Zustimmung zu dem deutschen Synodalen Weg. Die Bischöfe äußern deutlicher als die Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ihre Wahrnehmung, unter Druck zu stehen. Wozu braucht die Liebeskirche die synodale Rute?
Und auch die Laien schwelgen nicht in synodaler Begeisterung: Knapp 45 Prozent der gesamten Synodalversammlung waren bereit, den Wissenschaftlern der Katholischen Universität Eichstätt Auskunft über ihre Erfahrungen zu geben. Eine Sternstunde des deutschen Katholizismus stellt man sich anders vor.
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